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Als Unternehmender ungebrochen aktiv
Zurückschauen möchte Hans-Werner von Wedemeyer an seinem 90. Geburtstag nicht, vielmehr überlegen, 'was wir noch bewegen können'. Foto: Froese
01.07.2017 - 00:00 Uhr
Von Wolfgang Froese

Gernsbach - "Nur das Ungewöhnliche bleibt." Die Zeit sei zu wertvoll für Oberflächlichkeiten, sagt mit Hans-Werner von Wedemeyer ein Mann, der sein Leben als Aufgabe begreift und diese mit viel Courage, scharfem Verstand und tiefem Gottvertrauen angegangen ist. Der Gernsbacher Unternehmer und Philanthrop feiert am morgigen Sonntag seinen 90. Geburtstag.

Geboren wurde er auf dem Gut seiner Familie in der Neumark im östlichen Brandenburg, die heute zu Polen gehört. Hier und auf einem weiteren Gut in Hinterpommern, das durch Erbschaft hinzukam, wuchs er mit sechs Geschwistern auf. In seiner Erinnerung ist es für ihn die "schönst-vorstellbare Kindheit" geblieben, eine Welt für sich mit Wald, Feld, Menschen, Kirche, Park, einem langgestreckten Gutshaus, Vieh, Hunden und Wild. Ein Zuckerschlecken war es nicht. Der Tag begann mit einem barfüßigen Lauf um das Gutshaus und einem kalten Wasserguss in der Zinkwanne, und Butter auf das Brot gab es nur am Sonntag.

"Preußische Tugenden" wurden erwartet und gelebt. "Nimm dich nicht so wichtig", ist Hans-Werner von Wedemeyer als Satz seines Vaters im Gedächtnis geblieben, aber auch "Junge, mach die Augen auf". Aus dieser zutiefst konservativen und protestantischen Tradition erwuchs der Widerstand zu Hitler. Henning von Tresckow, eine der Zentralgestalten des militärischen Widerstands, war ein enger Freund seines im August 1942 vor Stalingrad gefallenen Vaters, auch der Widerstandskämpfer und spätere Bundesverfassungsrichter Fabian von Schlabrendorff war der Familie eng verbunden. Hans-Werner von Wedemeyers Schwester Maria war die Verlobte von Dietrich Bonhoeffer. Sie ist in Gernsbach begraben. Wer mit ihm spricht, weiß, wie sehr ihn diese Erfahrungen bis heute prägen.

Ins Murgtal gelangte Hans-Werner von Wedemeyer nach Schreinerlehre und Studium als Holzingenieur. Er plante für die Firma Gruber & Weber das Spanplattenwerk in Bischweier. Bei dieser Gelegenheit lernte er die Nichte und spätere Alleinerbin von Sebastian Gruber, Thea Hagspiel, kennen und lieben. Er nennt seine Frau "die erste Säule" seines Lebens.

Gemeinsam gelang es ihnen, die Firma, die von früh bis spät ihre Gespräche und ihren Alltag bestimmte, in 40 Jahren erfolgreich zu entwickeln und deren Mitarbeiterzahl von 120 auf über 600 zu steigern. Die 1989 mit einem Investitionsaufwand von 180 Millionen D-Mark von Rund- auf Langsieb umgestellte Kartonmaschine in Obertsrot ist heute eine der leistungsstärksten Anlagen in Europa. Die aufgewendete Summe entsprach dem Jahresumsatz. Am Ende erkannten sie und ihre Söhne Hans-Georg und Gerd, die die Leitung des Unternehmens übernommen hatten, dass der mittelständische Familienbetrieb sich in dieser kapitalintensiven Branche nicht auf Dauer gegenüber den großen Konzernen würde behaupten können. So erfolgte nach und nach der Verkauf der Firmenanteile.

Nicht mehr als Unternehmer, aber als Unternehmender ist Hans-Werner von Wedemeyer ungebrochen aktiv. Ein Schwerpunkt seiner ehrenamtlichen Arbeit gilt Palästina. Auf das Thema führte ihn sein Schwager Klaus von Bismarck, der ehemalige Intendant des Westdeutschen Rundfunks. Er sagt: "Wir dürfen zum Unrecht nicht schweigen und müssen auf unsere israelischen Freunde Druck ausüben, um zu einer friedensfördernden Politik zu kommen." Ein weiteres Arbeitsfeld hat Hans-Werner von Wedemeyer in der Flüchtlingsarbeit gefunden. Er koordiniert die Tätigkeit der Ehrenamtlichen für die Bewohner im Haus Brandeck.

"Ich bin ja selbst ein Flüchtling", sagt er zur Begründung und setzt fort: "Es sind ganz prima Familien, die hier wohnen." Sein jüngstes Projekt gilt der Förderung von Zivilcourage und gegen Mobbing, das er im Trägerverein für das ehemalige badische KZ Kislau vorantreibt.

Jeden Tag, oder genauer gesagt jede Nacht, meditiert und betet er eine Stunde lang. Hier verschmilzt er christliche und fernöstliche Traditionen. Beten ist auch das Thema seiner Geburtstagsfeier am Sonntag, zu der er den katholischen Pfarrer Michael Teipel, dessen evangelischen Amtskollegen Thomas Weiß und die muslimische SWR-Redakteurin Nadja Odeh für ein gemeinsames Gespräch eingeladen hat.

Zurückschauen möchte er an diesem Tag nicht, vielmehr überlegen, "was wir noch bewegen können".

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