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Julian Christ triumphiert mit 83,56 Prozent
10.07.2017 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

und Hartmut Metz

Gernsbach - Erdrutschartiger Sieg für Julian Christ: Der 30-jährige Regierungsrat eroberte nicht nur gestern im ersten Wahlgang den Rathaus-Sessel - mit einem Ergebnis von 83,56 Prozent degradierte der Odenwälder die vier Gegenkandidaten zu Statisten. Keiner kam auf ein zweistelliges Resultat. Fünf von sechs Gernsbachern, die an die Urne schritten, stimmten für Christ, der am 1. Oktober das Amt des in Pension gehenden Dieter Knittel übernimmt.

Zehn Minuten vor Schließung der Wahllokale steht Christ bereits mit einem Sektglas vor dem Rathaus - doch noch ist Wasser darin. Um 18 Uhr drängt er mit seiner Gattin Jasmin, seinem Bruder und weiteren Familienmitgliedern ins Rathaus, um angespannt die Leinwand zu fixieren, auf der wie oben im Ratssaal die Wahlergebnisse aus den zwölf Bezirken eingespielt werden sollen.

Während wenige Meter entfernt die Stadtkapelle draußen "Die Regimentskinder" anstimmt, übernimmt Julian Christ im Rathaus das Regiment. Um 18.19 Uhr brandet Jubel in dem kleinen Kreis auf: Während beim Wahlergebnis aus Reichental die Balken der Konkurrenten bei 3,5 Prozent und weniger abrupt abbremsen, schießt der von Julian Christ bis fast ganz nach oben! 91,4 Prozent für den Favoriten.

Noch lauter wird es unter dem sich vergrößernden Kreis, als das Resultat aus dem Bürgerhaus Lautenbach eintrifft: Mit 91,5 Prozent toppt es sogar noch jenes aus Reichental. "Ein Resultat wie früher in der DDR", raunt ein Schaulustiger. Spätestens nach der Meldung aus Obertsrot, wo Christ mit 84,41 Prozent ebenfalls weit vorne liegt, löst sich die Anspannung bei ihm und ist nach Auszählung eines Viertels der Wahlbezirke klar: Er wird neuer Bürgermeister und beerbt seinen SPD-Parteikollegen Dieter Knittel, der im Herbst nach 24 Jahren im Amt abtritt.

Die vier Kontrahenten bleiben auch bei den weiteren Nachrichten Statisten. In vier Wahlbezirken schafft Stefan Freundel ein zweistelliges Ergebnis - aber nirgends mehr als 12,85 Prozent (in der Kernstadt, rechts der Murg). Während Christ 5216 der abgegebenen 6266 Stimmen erhält, entfallen lediglich 570 (9,13 Prozent) auf den ehemaligen Sprecher der Bürgerinitiative Giftfreies Gernsbach.

Als der Triumphator des Abends an Freundel vorbei auf die Treppen des Rathauses hinaus eilt, um mit Knittel zusammen zum Wahlvolk zu sprechen, verbeugt sich Freundel tief und gratuliert freundlich: "Alles Gute in neuer Position!"

Deutlich mehr geschockt wirkt Birgit Gerhard-Hentschel. Die Kreisvorsitzende der Grünen kommt allein im Wahlbezirk "Gernsbach, links der Murg" auf 11,28 Prozent. Ansonsten scheitert sie meist an der Fünf-Prozent-Hürde und sammelt insgesamt gerade einmal 334 Stimmen und 5,35 Prozent. "Ich hätte mir eine kritischere Bevölkerung gewünscht. Für mich waren die Themen nicht klar genug gesetzt. Ich hätte nicht gedacht, dass sich so viele von einem amerikanischen Showbusiness-Wahlkampf überzeugen lassen", gesteht Gerhard-Hentschel.

Sabine Geiger war "absolut enttäuscht" von ihren 1,2 Prozent (75 Stimmen). Die 57-Jährige aus Neckartenzlingen hatte sich "20 Prozent" erhofft. Der Gernsbacher Markus Krajnc fand nur 31 Befürworter (0,5 Prozent). 16 Wähler (0,26 Prozent) schrieben andere Kandidaten, darunter auch Knittel, auf den Wahlzettel.

Der scheidende Rathaus-Chef spricht von einem "beeindruckenden, tollen Ergebnis und einem Vertrauensbonus", mit dem sein Nachfolger "eine wunderbare Basis für seinen Start erhält". Die Wahlbeteiligung von 53,41 Prozent - 6266 der 11733 Bürger nutzten ihr Wahlrecht - lasse "Luft nach oben. Aber für Gernsbach ist es eine gute Wahlbeteiligung". Landrat Jürgen Bäuerle lobt den "sehr strukturierten, engagierten Wahlkampf" des Siegers, der "in der Murgtal-Perle sein Meisterstück abgeliefert hat", nachdem er im ersten Anlauf auf das Bürgermeisteramt in Friesenheim noch gescheitert war. Bäuerle hatte die ersten Ergebnisse auf der Webseite der Stadt abgewartet und dann gleich zwei Flaschen Wein für Christ mit nach Gernsbach genommen. Als der Wahlsieger ans Mikrofon tritt, brandet erneut lautstarker Jubel auf. "Das ist ein überwältigender Moment", gibt ein sichtlich bewegter Christ zu und lächelt Gattin Jasmin an. Trotz der im Vorfeld durch Konkurrent Krajnc lancierten Anfeindungen spricht Christ von einem "sachlichen und fairen Wahlkampf" und bedankt sich bei seinen Mitbewerbern. Auf BT-Anfrage erklärt er unmittelbar nach seiner emotionalen Rede, dass es sich um ein "hervorragendes Ergebnis" handele, "mit dessen Deutlichkeit ich so auch nicht gerechnet habe". Gar Historisches sei an diesem für ihn unvergesslichen 9. Juli geschehen, denn "seit 200 Jahren hat Gernsbach noch nie einen so jungen Bürgermeister gehabt wie mich"! Freude herrscht vor allem im Lager von SPD und FBVG. Sie haben Christ im Wahlkampf unterstützt und ihren Teil dazu beigetragen, dass das Ergebnis so eindeutig ausgefallen ist. "Die Gernsbacher haben weise, schlau und klug gewählt", ist sich Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek sicher und freut sich über den nächsten Genossen im Gernsbacher Rathaus.

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