http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Stuttgart abwickeln, Neustart in Gernsbach
11.07.2017 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

und Hartmut Metz

Gernsbach - Der große Tag des Julian Christ endete am späten Sonntagabend mit Familienangehörigen, Unterstützern und Bürgern mit einer Wahlparty im "Brüderlin". Dort hatte seine Reise, mit dem Ziel Gernsbacher Rathaus-Chef zu werden, am 8. Mai auch begonnen: Schon beim ersten Bürgergespräch war das Interesse groß, der erste Eindruck hinterließ einen bleibenden und mündete vorgestern schließlich in einen grandiosen Wahlsieg.

"Ich muss jetzt erstmal mein Leben in Stuttgart abwickeln", sagte Christ gestern im BT-Gespräch. Am frühen Vormittag machte er schon wieder einen topfitten Eindruck. "Es gibt viele Fragen zu klären, ich habe viel zu tun", erklärte der 30-Jährige. Sein Mietvertrag im Bürgermeister-Jung-Haus in der Badener Straße endete gestern, ab sofort startet die Suche nach einer Wohnung oder einem Haus in seiner neuen Heimat. "Da freue ich mich natürlich auch über Tipps aus der Bevölkerung", sagte Christ.

Auch in Stuttgart muss er seine Wohnung kündigen und im Innenministerium seinen Schreibtisch räumen. Zudem muss seine Frau Jasmin ihren Arbeitgeber informieren, dass sie die Landeshauptstadt in Richtung Baden verlassen wird. "Es ist ein Umbruch in unserem Leben, auf den wir uns sehr freuen", erklärte Christ. Bis zu seinem Amtsantritt werde er nicht mehr so viele Termine wahrnehmen können; allerdings werde er mit dem Rathaus immer wieder in Kontakt stehen.

"Starkes Mandat für Konfliktpunkt"

Ab Oktober möchte er dann die vielen Themen, die während des Wahlkampfs an ihn herangetragen worden seien, auch angehen - "gemeinsam mit Ihnen", rief er den vielen Bürgern auf dem Rathausplatz energisch zu. Ein entscheidendes wird die weitere Vorgehensweise auf dem verseuchten Pfleiderer-Areal sein. Das Bürgerbegehren ist nach wie vor nicht entschieden. "Bei der Wahl gab es einen Konfliktpunkt, der hineinspielte", unterstrich Amtsinhaber Dieter Knittel, ohne das Gezänk um das Pfleiderer-Areal namentlich zu nennen.

Der angehende Pensionär wertet das klare Mandat für Christ als "hervorragende Basis. Die Verwaltung im Rathaus wie die Stadt braucht hierfür Ruhe. Insofern ist es gut und ich freue mich, dass alles im ersten Wahlgang entschieden wurde", äußerte Knittel mit Blick auf seinen jungen SPD-Parteikollegen.

Unterdessen hat Stefan Freundel, der frühere Sprecher der Bürgerinitiative Giftfreies Gernsbach (BiGG) und mit 9,13 Prozent weit abgeschlagene Zweitplatzierte, bereits am Sonntag angekündigt, nicht an vorderste Front zur BiGG zurückkehren zu wollen. "Nicht aus Frustration, sondern weil ich denke, dass das zu Konflikten führen könnte", erklärte er. Er verwies aber darauf, dass er der Initiative weiter angehöre: "Das Thema lässt mich nicht los." Enttäuscht sei er angesichts der klaren Wahlschlappe nicht. "Ich hoffe, dass die Leute etwas mitnehmen von meinem Programm, von meinen Ideen", sagte Freundel und wünschte Christ viel Glück in seinem neuen Amt.

Kommunalpolitisch dürfte die Wahl des jungen Sozialdemokraten vor allem der SPD und den Freien Bürgern nutzen. Sie haben "ihren Kandidaten" zu einem klaren Wahlsieg verholfen und können nun auf einen Bürgermeister setzen, der mit 83,56 Prozent "einen klaren Auftrag erhalten hat, Gernsbach nach vorne zu bringen", wie er am Sonntag befand. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek feierte mit ihren Genossen "das irre Wahlergebnis. Es zeigt, dass sich die Menschen für seinen Wahlkampf interessierten und Herr Christ sie überzeugen konnte. Das Resultat ist ein Signal und eine gute Unterstützung für einiges, was nun in Gernsbach zu tun ist."

Um dies zu schaffen, braucht es auch klare Mehrheiten im Gemeinderat. Und da kommt die CDU ins Spiel, die getrost als Wahlverliererin gelten kann. Die Suche nach einem eigenen Kandidaten verlief erfolglos, auch einen der fünf Bewerber wollten die Christdemokraten nicht explizit unterstützen. Die größte Gemeinderatsfraktion tritt immer wieder als Kritiker an Bürgermeister Knittel und seiner Verwaltung in Erscheinung, fällt aber auch oft durch interne Querelen auf. Es wird interessant sein, wie sich die CDU mit Christ und seinem Team künftig arrangiert.

"Den Wahlausgang haben wir ungefähr so erwartet", sagte Sylvia Felder. Die CDU-Landtagsabgeordnete sieht wie Knittel ein "starkes Mandat" für Christ, zumal die Verwaltung als Vorlagengeber für den Gemeinderat "realistisch betrachtet große Macht hat. Insofern ist es wesentlich, wer im Rathaus an der Spitze steht". Sie wünscht sich vom künftigen Bürgermeister "Mut und Durchsetzungsvermögen", denn an "Kreativität" habe es im Rathaus ebenso "gemangelt" wie an einem, "der die Verwaltung antreibt", urteilte Felder. Die CDU-Gemeinderätin will nun "nach vorne schauen und überlegen, wie wir gemeinsam Gernsbach nach vorne bringen". Dass ihre Partei keinen veritablen Kandidaten ins Rennen schicken konnte, findet die Landtagsabgeordnete "schade. Wir suchten vergeblich einen echten Verwaltungsfachmann, fanden aber keinen. Wir waren uns aber einig, dass wir lieber niemanden unterstützen als jemanden halbherzig", so Felder. Christ und vor allem der geschundenen Sozialdemokraten-Seele tut es gut, ins 25. Jahr mit einem SPD-Mann an der Spitze zu gehen - viele solcher Städte kann die Partei in Baden-Württemberg nicht vorweisen. Entsprechend genossen die Genossen ihren Triumph.

Einen Strich durch die Rechnung will ihnen Markus Krajnc machen. Das Schlusslicht der Wahl mit fünf Promille der 6242 gültigen Stimmen kündigte die Anfechtung an. "Ich habe schon ein entsprechendes Schreiben an die Rechtsaufsichtsbehörde verfasst und lasse mich gerade juristisch beraten", berichtete er gestern gegenüber dem BT von seinem Einspruch, der bis Sonntag einzureichen ist. Im November sei mit Neuwahlen zu rechnen, verkündete Krajnc, spätestens aber in zwei Jahren, falls es vor das Verwaltungsgericht gehe. Der Gernsbacher will dann wieder kandidieren.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Baden-Baden
Große Gesangskunst als Ausdruck der Seele

06.06.2017 - 00:00 Uhr
Bejubelte Diana Damrau
Baden-Baden (red) - Einen festspielwürdigen Konzertabend hat Sopranistin Diana Damrau zu Pfingsten im Festspielhaus Baden-Baden geboten. Mit bejubelten Bravourarien lotete die Regensburgerin die Abgründe der Seele von Meyerbeers Opernheldinnen aus (Foto: Gregonowits). »-Mehr
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Die Temperaturen klettern laut Vorhersage im Laufe der Woche auf 16 Grad. Machen Ihnen die Temperaturschwankungen zu schaffen?

Ja.
Nein.
Ab und zu.

Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen