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Erinnerungen an Schicksale junger Soldaten
Gausbachs Ortsvorsteher Achim Rietz hat zur jüngeren Ortsgeschichte recherchiert. Foto: Vogt
12.07.2017 - 00:00 Uhr
Von Katharina Vogt

Forbach - "Dem Feind darf nichts in die Hände fallen" - daher verschwanden in den letzten Kriegstagen 1945 aus Gemeindearchiven wertvolle, geschichtlich interessante Dokumente. Vieles ist für immer verschwunden oder kann nur mit der Erinnerung von Zeitzeugen und mühseliger Puzzlearbeit wieder rekonstruiert werden. "Was ist in unserer Gemeinde zwischen 1930 bis 1948 passiert?" - diese Frage treibt Gausbachs Ortsvorsteher Achim Rietz schon jahrelang um.

Die Dorfchronik gibt nur sehr unzureichend Auskunft. Sie wurde bereits 1956 herausgegeben und bietet nur wenige Informationen zur Vor- und Kriegszeit. "Mir ging es nie darum, jemanden an den Pranger zu stellen oder zu beschuldigen, sondern diese hochsensible Zeit neutral aufzuarbeiten, Fakten zu sammeln, um zu wissen, was unsere Geschichte ausmacht", erzählt Rietz im Gespräch mit dem BT.

Am Sonntag, 16. Juli, feiert die Kirche Seliger Bernhard in Gausbach ihr Patrozinium. Damit verbunden ist die Einweihung des neu sanierten Kirchenvorplatzes mit einer gemütlichen Mittagshockete. Dort befindet sich auch ein Ehrenmal für die Gefallenen der Weltkriege. Der richtige Ort, wie Rietz meint, um an das Schicksal einiger Gausbacher Familien zu erinnern. Daher wird er nachmittags aus seinen Recherchen einige Fundstücke vorlesen, die vor allem die Kriegszeit wieder lebendig werden lassen.

Bislang hat er rund 230 DIN A4-Seiten Material über die Jahre 1930 bis 1948 zusammengetragen. Er möchte daraus ein Heimatbuch zusammenstellen, das noch im Lauf des Jahres 2017 erscheinen soll. Seine umfangreichen Recherchen führten ihn in verschiedene Archive vom Landratsamt bis hin zum Landesarchiv. Er informierte sich aus den Kirchenbüchern im Pfarramt, in der KZ-Gedenkstätte Dachau sowie beim internationalen Suchdienst Bad Arolsen und aus anderen Quellen. Gausbacher Familien teilten ihre ganz persönlichen Schätze mit ihm: Briefe, Fotos, Dokumente und vor allem sehr persönliche Erinnerungen.

"Ich habe im Lauf der Jahre viele Zeitzeugeninterviews geführt", erläutert Rietz. Dabei hat er viele Vorgänge aufgedeckt, die es fast in allen Gemeinden gab. Durch die Gegenüberstellung von Erzählungen, Fakten, Briefen und Fotos bekommen die Erinnerungen eine tragische Aktualität, die tief berührt.

Besonders haben es ihm die Schicksale der jungen Männer angetan, die als Soldaten meist eine ähnliche Entwicklung durchliefen. "Es zieht sich wie ein roter Faden immer die gleiche Veränderung durch die Briefe von der Front. Erst sind die Männer linientreu. Bei der politische Erziehung im Grundwehrdienst wurden sie durch die Nazi-Ideologie verführt. An der Front kam dann das Erwachen und die Angst vor dem Tod. Viele fanden zuletzt im Glauben Halt", erzählt Rietz.

Beim Verlesen der Briefe ist ihm anzumerken, wie sehr ihn die Todesangst und die Sorge um die Lieben daheim in den Briefen der jungen Frontsoldaten bewegt. Aber es gibt auch andere Geschichten - die vom fahnenflüchtigen Soldaten, der zur Strafe enthauptet wurde, von Zwangskastrationen, von Euthanasie, vom KZ-Tod des einzigen Gausbacher KPD-Mitglieds und vom jüdischen Viehhändler, der einfach nicht mehr ins Dorf kam.

In Gausbach selbst gab es Opfer, viele durch Beschuss (auch durch deutsche Heimatschützer, die eigentlich die heranrückenden Franzosen beschießen wollten) und Fliegerangriffe. "Das ist ein Kapitel, wo sich doch noch die Menschlichkeit durchgesetzt hat. Der australische Flieger, der in der Nähe des heutigen Friedhofs gefangen genommen wurde, wurde in der ,Linde' erst verpflegt, bevor er den Behörden übergeben wurde."

Rietz wird am Sonntag mit weiteren Vorlesern Erinnerungen, auch an die Nachkriegszeit, vortragen.

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