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Der "König der Wälder" drückt ins Tal
Beeindruckender Anblick: Röhrender Rothirsch in der Brunftzeit.  Foto: Winfried Förderer
17.10.2017 - 00:00 Uhr
Von Markus Mack

Murgtal - Der Rothirsch gilt als "König der Wälder". Auch im Murgtal gibt es einen festen Bestand, ein Rotwild-Kerngebiet reicht vom Kaltenbronn über Gemarkungsflächen von Loffenau und Gernsbach. Westlich davon kommt Rotwild so gut wie nicht mehr vor. Aber: "Der Bestand hat sich verdreifacht", die Hirsche "drücken aus dem Kerngebiet heraus'". weiß Forstdirektor Thomas Nissen, der Leiter des Kreisfortamts in Rastatt.

Mit dem Ergebnis, dass auch in angrenzenden Revieren Rothirsche als "Wechselwild" vorkommen, wie in der Jägersprache die zeitweise vorhandenen Vorkommen bezeichnet werden. Seit Sturm "Lothar," der 1999 gewütet hatte, wächst der Bestand an. Ein Grund: Die entstandenen Kahlflächen, die für Rotwild Äsungsflächen bieten, erläutert der Forstdirektor.

Für Erstaunen sorgte Anfang Oktober eine Polizeimeldung, dass ein Hirsch mit einem Lkw auf der B462 bei Bischweier kollidiert ist - weit außerhalb des "Hirschgebiets". Gegen 21 Uhr fand der Unfall statt, die Bundesstraße musste bis nach Mitternacht wegen der Reinigungsarbeiten gesperrt werden. Auch die Bischweierer Feuerwehr war im Einsatz. Der Aufwand ist wenig verwunderlich, handelte es sich bei dem "Unfallhirsch" laut Auskunft des zuständigen Jagpächters um einen 22-Ender. Dieser kam allerdings nicht aus "freier Wildbahn", sondern war aus einem Gatter ausgebrochen.

Gleichwohl zieht es wildlebende Hirsche immer wieder in die "Außenbereiche". So wurden vor wenigen Tagen, im Oktober, bei der Jagd im Staatswald von Sulzbach zwei weibliche Stücke erlegt, berichtete Nissen. Vor einigen Jahren sei ein Rothirsch auf der Landstraße zwischen Muggensturm und Ettlingen überfahren worden. In alten Jägerkreisen erinnert man sich an den letzten Rothirsch, einen "Spießer", der bereits Ende der 1960er Jahre am Eichelberg erlegt wurde.

Gerade in der Brunftzeit sei es durchaus möglich, dass Hirsche auch im "Nicht-Rotwildgebiet" unterwegs sind, das hänge von der Population im Kerngebiet ab, berichtet Nissen. Das Rotwild ist Deutschlands größte Hirschart und kommt laut Deutscher Wildtier-Stiftung auf etwa 25 Prozent der Bundesfläche vor. "Cervus elaphus", so der wissenschaftliche Name, kann bis zu 20 Jahre alt werden. Kapitale Geweihträger erreichen ein Gewicht bis zu 200 Kilogramm.

Hintergrund

Dies bestätigt auch Dominik Fechter von der Forstwirtschaftlichen Versuchsanstalt des Landes Baden-Württemberg in Freiburg. Wichtig sei die ökologische und ökonomische "Tragfähigkeit" eines Gebiets bei der Frage, wie viele Tiere dort aus biologischen und wirtschaftlichen Gründen verkraftet werden. Auch sei der Freizeitdruck eine erhebliche Einschränkung für das Wild. Pilz- oder Beerensucher, Jogger, die noch in der Dunkelheit mit Lampen im Wald unterwegs sind, Wintersportler und Schneeschuhwanderer beunruhigen das Wild in ihren Einständen. Fechter appelliert daher an die Waldbesucher, auf den Wegen zu bleiben. Rotwild, das sich außerhalb des ausgewiesenen Gebiets aufhält, muss erlegt werden, so sieht es die Rotwildgebietsverordnung von 1958 vor, erläutert der wissenschaftliche Mitarbeiter.

Nach wie vor nutze das Wild alte Fernwechsel, es gebe einen genetischen Austausch zwischen den Beständen, dies hätten wissenschaftliche Untersuchungen ergeben. Allerdings haben Straßen wie die B462 im Murgtal durchaus eine "Barrierewirkung".

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