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"Ohne die Tat ist alles Geplapper!"
Die Helfer des Bergwaldprojekts entästen dieses Jahr vor allem Lärchen und Kiefern.  Foto: Metz
18.10.2017 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Forbach - "Zukunft säen" prangt auf der Schildmütze von Sigrid Cames. Die Duisburgerin tippt auf ihr Käppchen und juxt in den Waldhängen über Bermersbach: "Wir machen ein g rein, dann stimmt es hier: Zukunft sägen!" Sägen bringt in diesem Fall Segen, denn für die freigestellten Kiefern und Lärchen sinkt der Konkurrenzdruck im dichten Forst. Sie können mächtig gedeihen auf den Höhen des Murgtals.


13 Freiwillige tummeln sich gerade im Reich der Revierleiter Hans-Jörg Wiederrecht, Andreas Wacker und Bernhard Ott. Seit rund 20 Jahren macht das Bergwaldprojekt regelmäßig Station in Forbach. Die Organisation aus Würzburg, die sich überwiegend durch Spenden finanziert, offeriert heuer Arbeitseinsätze an 50 weiteren Orten in Deutschland. Die 100 Projektwochen bringen rund 2000 Menschen die Natur näher. Ziel ist es, damit die Ökosysteme zu erhalten und den Teilnehmern die Bedeutung und die Gefährdung unserer natürlichen Lebensgrundlagen bewusstzumachen.

Das gelingt im Murgtal einmal mehr - nicht nur, weil "wir immer super Wetter haben, wenn das Bergwaldprojekt kommt", freut sich Wiederrecht über die "wunderbare Truppe, die Spaß hat". "Es tut einem selbst gut, man findet nette Gleichgesinnte und lernt vieles", zählt Sigrid Cames die Vorzüge des Engagements auf und deutet glücklich auf ihr passendes T-Shirt mit dem Schriftzug "Aufbäumen". Den Grund für ihre Motivation hat die quirlige 55-Jährige überdies noch in Romanform im Rucksack parat. In "Der blaue Himmel" schreibt der mongolische Autor Galsan Tschinag: "Ohne die Tat ist alles Geplapper!"

Deshalb wird im Forbacher Forst auch weniger geplappert als geschuftet. Täglich acht Stunden sind die Teilnehmer, seit Montag im Einsatz. Am Samstag geht es für sie heim bis nach Hamburg und Lübeck hoch.

Beim Katzensprung aus Karlsruhe belassen es Robert Bischoff, Student der Sozialwissenschaften, und der Wasserbau-Ingenieur Patrick Heneka. Sie eint der "Spaß" an dem Bergwaldprojekt und dass sie das Murgtal bereits von Klettertouren und Wanderungen her kennen. "Der Blick aufs Rheintal und die Sonnenuntergänge sind ein tolles Erlebnis", empfindet Bischoff Lohn genug für die Fron. Frischling Heneka verspürte "Lust, es einfach mal auszuprobieren und eine andere Perspektive einzunehmen mit der guten Aufgabe".

Jetzt steht er unter einer Lärche und entästet sie mit der Säge, so hoch die Arme reichen. "Reichhöhenentastung" nennt das ein Fachmann wie Wiederrecht. Befreiten die freiwilligen Helfer im Vorjahr die Bäume von alten Drahthosen aus den 50ern, dient die aktuelle Arbeit der später besser als Bretter verwertbaren Stämme von Lärchen und Kiefern - jedoch erst in Generationen. "Um die jetzt freistehende Lärche muss sich mein Nachfolger kümmern", weiß Wiederrecht schon jetzt beim Blick auf den Baum, der wie die meisten der beiden Arten erst nach dem Orkan "Lothar" gepflanzt wurde.

Während sein Deutscher Wachtelhund "Joschi" um die Beine streicht, führt der Bermersbacher Ortsvorsteher weiter aus: "Wir haben in unserem Wald einen sehr geringen Anteil an Kiefern und Lärchen. Es sind weniger als sechs Prozent." Die Nachfrage sei indes sehr hoch. "Für Terrassendielen werden sibirische Lärchen importiert. Unsere hier wächst vergleichbar", betont Wiederrecht und preist die Lärche für ihr "sehr haltbares Holz", das er daheim auch habe und wegen der Farbe schätze.

Die Rückkehr in den Forbacher Forst weckt derweil bei Sebastian Hiekisch nostalgische Gefühle. "Das hier war vor zehn Jahren meine erste Spielwiese. Ich fand Geschmack am Bergwaldprojekt und leitete zwei Jahre später auch in Forbach mein erstes Projekt", erinnert sich der 30-Jährige. Längst ist der Würzburger beim Bergwaldprojekt fest angestellt als Leiter für Lager und Logistik. Bis zu zehn Wochen im Jahr geht Hiekisch dann raus mit den Helfern - besonders gern mit jenen in Forbach.

www.bergwaldprojekt.de

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