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Zwei Welten - viele Schnittstellen
Eine simulierte Lkw-Herstellung von Fischertechnik - so können modellhaft Einblicke in kaufmännische und produktionstechnische Abläufe gewonnen werden. Foto: Senger
20.10.2017 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau/Gernsbach - "Kaufmännischer Beruf trifft gewerblichen Beruf", so könnte man es nennen. Für die Redner des gestrigen Vormittags war es ein Projekt mit Modellcharakter, das die beiden Landkreis-Schulen Handelslehranstalt Gernsbach (HLA) und Carl-Benz-Schule Gaggenau (CBS) auf den Weg gebracht haben. Viel Vorschusslob und hohe Erwartungen begleiten somit die Kooperation, die nun offiziell begonnen hat.

Es steckt viel Vorarbeit darin, dies ließen die Schulleiter Christian Bruder (HLA) und Volker Bachura (CBS) durchblicken. Man wolle einen "wichtigen Impuls für die berufliche Bildung" setzen, sagte Bruder; sein Kollege Bachura verwies auf das interdisziplinäre gemeinsame Lernen, das für jeweils 25 Schüler aus beiden Einrichtungen nun einmal pro Woche den Schulalltag ergänzt. Es sind angehende Fertigungsmechaniker und Industriekaufleute, die sich mittwochnachmittags zwei Stunden lang in gemischten Gruppen an die Arbeit machen - betreut von fünf Lehrern der CBS und zweien der HLA.

Bislang sind es zwei Welten - die der Kaufleute und die der Produktionsleute - und doch gibt es viele Berührungspunkte oder - um im modernen Jargon zu bleiben - Prozesse, in denen die eine Welt die jeweils andere beeinflussen kann. Kaufmännische Ressorts wie Auftragseingang, Bestellung, Produktionsplanung, Leistungserstellung, Kostenerfassung, Rechnungsstellung - sie bieten zwangsläufig Schnittstellen zur Produktion mit Entwicklung, Planung, Fertigung, Vernetzung, Datensicherheit oder Service.

Zum Beispiel anhand einer simulierten Lkw-Produktion mit Fischertechnik-Elementen lassen sich so gemeinsame "Sprache" und Denkweisen zwischen den beiden Welten Geschäftsprozesse und Fertigungsprozesse entwickeln.

Für Landrat Jürgen Bäuerle, in seiner Eigenschaft als Träger beider Schulen, warten da Potenziale, die es angesichts des Fachkräftemangels zu erkennen und nutzen gelte. "Vielleicht finden sich weitere Kooperationspartner?", stellte er als Vision in den Raum.

Eine Vorreiterrolle sieht auch Gaggenaus Oberbürgermeister Christof Florus. Man müsse den Akteuren aber Zeit geben, das Projekt zu entwickeln. Das angestrebte Denken über Schubladen hinaus könne gleichwohl auch für andere Schul- und Studienträger sinnvoll sein.

Joachim Dambach vom Regierungspräsidium erinnerte daran, dass gut ausgebildete Lehrkräfte ein wesentlicher Erfolgsfaktor in der beruflichen Bildung seien wie die Berücksichtigung der Lehrpläne.

Wencke Kirchner von der IHK Karlsruhe richtete das Augenmerk auf 33000 fehlende Fachkräfte im Jahr 2020; davon würde der Anteil der Stellen mit beruflicher Qualifizierung knapp 30000 ausmachen - jeweils zur Hälfte mit kaufmännisch oder gewerblicher Ausrichtung. "Risikofaktor Nummer eins" sei der Fachkräftemangel für zwei Drittel der Unternehmen. Als eine von drei Lernfabriken 4.0 im IHK-Bereich sei die CBS bereits jetzt eine wichtige Einrichtung, die neue Kooperation mit der HLA möge "ein Leuchtturmprojekt für Baden-Württemberg" werden.

Die HLA-Schulband bereicherte die Feier mit irischen Folksongs.

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