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Schicksalsort Burkina Faso
Irmgard und Franz Wunsch wollen morgen mit einem Basar die Weltmission unterstützen. Zum diesjährigen Partnerland Burkina Faso haben sie eine enge Bindung. Foto: Vogt
21.10.2017 - 00:00 Uhr
Von Katharina Vogt

Forbach - Morgen ist Weltmission, die größte Solidaritätsaktion der Katholiken weltweit. Das Partnerland heißt diesmal Burkina Faso, das frühere Obervolta in Westafrika - eins der ärmsten Länder der Welt, das im Norden an die Sahara grenzt.

Dort in der Sahelzone ist Wasser ein kostbares und seltenes Gut für die Bevölkerung, die hauptsächlich von Landwirtschaft lebt - zu leben versucht. Bleibt der spärliche Regen aus, wird der Hunger zum täglichen Begleiter, mangels Alternativen versuchen sich viele als Goldsucher, aber die Perspektivlosigkeit ist auch ein Nährboden für islamistische Terrorzellen. Burkina Faso ist für viele Europäer einfach ein weiteres, weit entferntes Land mit vielen Problemen. Für Irmgard und Franz Wunsch aus Forbach ist es aber das Land, für das sich ihre Tochter Annette bis zu ihrem viel zu frühen Tod dort engagiert hat und mit dem sie sich daher seit 24 Jahren besonders eng verbunden fühlen.

Daher haben sie kurzentschlossen einen kleinen privaten Floh- und Trödelmarkt in den Räumlichkeiten ihres ehemaligen Ladengeschäfts am Forbacher Mosesbrunnenplatz aufgebaut, wo sie am Sonntag Bastelarbeiten und auch Dinge aus Burkina Faso verkaufen möchten, um den Erlös für die Missionsarbeit zu spenden.

Irmgard Wunsch (82) hat schon Mitte der 1980er Jahre gemeinsam mit anderen Forbacher Frauen Basare organisiert: "Wir wollten helfen, als in Äthiopien die große Hungersnot war." Später dann förderten sie mit den Basaren die Ausbildung von Priestern und auch andere Projekte weltweit. Vielleicht war dieses Engagement ein Anstoß für die 1961 geborene Tochter Annette, sich nach einem landwirtschaftlichen Studium an der Universität in Hohenheim als Entwicklungshelferin im Deutschen Entwicklungsdienst im Ausland zu engagieren: "Annette war sprachbegabt: französisch, englisch, spanisch, italienisch und dann wollte sie noch russisch lernen", erinnert sich Vater Franz Wunsch (86).

Annette, das älteste der vier Kinder, zog es bald nach dem Studium und der Arbeit in Rastatt in die weite Welt. Eigentlich wollte sie nach Südamerika, am liebsten nach Argentinien, aber dann kam der Arbeitseinsatz in Burkina Faso. "Erst war sie ein Vierteljahr in Berlin zur Vorbereitung, denn sie sollte zwei Jahre in Burkina Faso bleiben." Annettes Einsatzgebiet war im Norden des Landes, 250 Kilometer weg von der Hauptstadt Ouagadougou am Rande der Sahel Zone.

Mit Hilfe von Luftbildern suchte sie die besten Plätze, um in der Steppe Regenrückhaltebecken anzulegen, um das kostbare Regenwasser zu speichern. Bei einem französischen Priester nahm sie Unterricht, um den dortigen Dialekt sprechen zu lernen.

Wichtig war ihr, regelmäßig die Gottesdienste in Dori zu besuchen. Und eine Herzensangelegenheit war es ihr, ein Schulprojekt in einem weiter entfernten Dorf zu betreuen. Sie war 1993 erst ein halbes Jahr im Einsatzgebiet, gerade auf dem Weg zum Schulprojekt, als sie mit dem Auto auf der staubigen Piste tödlich verunglückte. "Durch Schaffen kann man den Schmerz vergessen - und wir haben sehr viel geschafft", erzählt Mutter Irmgard, die seither mit den Missionaren, mit denen auch ihre Tochter zusammengearbeitet hatte, engen Kontakt hält: "Pater Hochheimer von den weißen Vätern, er stammt aus Haigerloch, hat uns viel geholfen."

Tochter Annette wurde zurück nach Forbach überführt und in der Heimat beigesetzt. Schon bei der Beerdigung sammelte Familie Wunsch Geld für Burkina Faso: "Im Laufe der Jahre haben wir viele Projekte dort unterstützen können: Ausbildung von Katechisten, von Parajuristen (Streitschlichter zwischen ethnischen Gruppen), Schulen, Waisenhäuser und für ausgestoßene Frauen." Auch andere Gruppen haben sich dem Engagement angeschlossen, so veranstaltet die KJG jedes Jahr ein Eintopfessen in der Fastenzeit für Hilfsprojekte dort.

Irmgard und Franz Wunsch haben das Land ein halbes Jahr nach dem Unfalltod von Annette besucht: "Ich wollte wissen, wo sie gelebt hat und wo sie gestorben ist", erinnert sich Irmgard Wunsch. Als sie das trockene, staubige Land gesehen hatte, so erzählt sie, konnte sie verstehen, warum ihre Tochter kein Gemüse zum Eigenverbrauch anpflanzen wollte: "Sie hat mir damals gesagt: Ich kann hier keine Tomaten gießen, wenn andere nicht einmal Wasser zum Trinken haben."

Von der inneren Stimme getrieben

Als sie nun gelesen habe, dass Burkina Faso das Patenland für die diesjährige Missionsaktion sei, "da hat mich eine innere Stimme getrieben, wieder einmal einen Basar zu veranstalten".

Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie viele Bastelarbeiten und Andenken aus Burkina Faso im Ladengeschäft zum Verkauf aufgebaut, darunter auch Seidenmalerei-Objekte: "Bei den Broschen sind sogar welche dabei, die Annette noch gemalt hat."

Geöffnet ist der Basar am Sonntag ab 10 Uhr in den Räumlichkeiten des ehemaligen Ladengeschäfts Sport Wunsch am Mosesbrunnenplatz in Forbach.

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