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Das Moment der Beschleunigung
23.10.2017 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Forbach/Hamburg - Beim Hamburger Forschungszentrum DESY (Deutsches Elektronen-Synchrotron) trifft Kunst auf Wissenschaft: 15 Künstler aus ganz Deutschland stellen dort noch bis zum 9. November ihre Werke zum Thema "Dunkle Materie" aus. In Forschungs- und Testhallen untergebracht, in denen der Betrieb während der Ausstellung weiterläuft, ist die Kunst für einen Monat nicht nur Gast, sondern Teil der Forschung. Bei dieser Kollision der besonderen Art dabei ist der Forbacher Künstler Pat Kramer. Er hat über dem HERA-Tunnel mit Neonröhren eine Lichtinstallation gebaut, die das Moment der Beschleunigung aufnimmt.

HERA war der größte Teilchenbeschleuniger bei DESY und zugleich Deutschlands größtes Forschungsinstrument. Direkt darüber hat Kramer nach intensiver Vorarbeit und drei Tagen Aufbau sein Werk "In the Center of Drawn" verwirklicht. Dabei handelt es sich um eine skulpturale Lichtinstallation zum Thema "Dark Matter", erklärt Kramer im BT-Gespräch: "Die Skulptur zeigt zum Einen den Weg, die Beschleunigung auf nahezu Lichtgeschwindigkeit der Teilchen bis zum Aufprall, dem Punkt ,of no return'". Zum Anderen gehe es "um etwas allgemein Elementares: die Schöpfung".

Die gesamte Installation besteht aus mehreren Modulen und wurde aus Eiche-Leisten, Birke-Multiplexplatten sowie Leuchtstoffröhren und dazugehöriger Technik zu einer raumfassenden Skulptur zusammengefügt, die über Bewegungsmelder gesteuert wird. Während der Ausstellungsdauer geht der Betrieb im DESY seinen gewohnten Gang, "also laufen täglich Arbeiter durch die Installation, lösen diese durch ihr eigenes Bewegen aus und finden sich plötzlich im Lichtschein meiner Installation", erläutert Kramer. Das Projekt findet der Forbacher "total spannend", weil die Wissenschaftler zwar wissen, dass es "Dunkle Materie" geben muss, doch die Existenz dieser Teilchen noch nie bewiesen werden konnte. "Wir suchen etwas, ohne genau zu wissen, was es ist", wird Christian Schwanenberger, Professor und Leitender Wissenschaftler am DESY-Forschungszentrum, in einem Artikel des Hamburger Abendblatts zur Ausstellung zitiert. Ähnlich gehe es abstrakt arbeitenden Künstlern, die auch nicht vorhersagen können, wie ihr Werk am Ende aussehen wird. Die Geheimnisse um die "Dunkle Materie" ebenso wie die Techniken und die Leidenschaft, mit der Wissenschaftler nach ihr suchen, habe die Künstler des "Dark Matter"-Projekts zu ihren Werken inspiriert.

Auf der Suche nach dem Unbekannten

Die Idee dafür ist aus einer zufälligen Begegnung zwischen Professor Schwanenberger und der Hamburger Malerin Tanja Hehmann entstanden. Sie wiederum war früher Atelier-Nachbarin von Pat Kramer, als dieser von 2007 bis 2011 in der Hansestadt gewohnt hat. Als die für Technik-Freaks und Kunstfreunde gleichermaßen faszinierende Ausstellung "Dark Matter" vor circa eineinhalb Jahren konkrete Züge annahm, hat sich Hehmann an ihren inzwischen in Forbach lebenden Kollegen erinnert und ihn dafür gewonnen.

"Dort künstlerisch einzugreifen, wo gearbeitet und geforscht wird, macht die Ausstellung selbst zur Performance", sagt Co-Initiatorin Tanja Hehmann und verweist auf die vielen Schnittstellen, die es zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeitsweisen gibt: "Sei es im Experimentieren, im Wechselspiel zwischen Theorie und Praxis oder zwischen Intuition und Vernunft auf der Suche nach dem Unbekannten, noch nicht Sichtbaren."

Der Kick Off zur Ausstellung im April sei ziemlich cool und lustig gewesen, blickt Pat Kramer zurück: "Wissenschaftler von Weltrang, jung und alt, trafen auf unseren Haufen von 15 Künstlern: Das war auf jeden Fall ein explosives Gemisch, so war auch die Vernissage - echt großartig", betont der Forbacher. Auf dem Wissenschaftsgelände herrsche eine ganz besondere Atmosphäre, "wie ich es bis jetzt nicht kannte".

Die Ausstellung ist kostenlos und noch an den folgenden Terminen für die Öffentlichkeit geöffnet: 25. Oktober (Vortrag und Führung), 31. Oktober (International Dark Matter Day mit Kurzfilmprogramm), 4. November (Tag der offenen Tür), 8. November (Vortrag und Führung), 9. November (Finissage). Um Voranmeldung auf der Webseite www.desy.de/artmeetsscience wird gebeten.

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