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"Goldener Eidechsendamm"
Der Gemeinderat bewilligt die Mehrkosten, und bereits am Folgetag beginnt die mit dem Projekt beauftragte Baufirma Grötz mit der Baustelleneinrichtung.  Foto: Jahn
25.10.2017 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Jahn

Gaggenau - "Ich bin froh, dass es endlich losgeht." Mit "es" meint Stephan Zink den Radweglückenschluss. Die Verbindung zwischen Baugebiet "Hammerschmiede" und Glasersteg wird jetzt in Angriff genommen. Der Radweg führt direkt an der Rösterei Eisenwerk vorbei, deren Inhaber Zink ist. Zudem betreibt er dort ein Café.

Und jetzt geht es offenbar ruckzuck. Am Montag bewilligte der Gemeinderat zähneknirschend bei einer Gegenstimme die Mehrkosten von fast 142000 Euro, bereits gestern begann die Firma Grötz mit der Baustelleneinrichtung. Laut Jürgen Brick von der Tiefbauabteilung starten spätestens nächste Woche die Arbeiten. Die Stützmauer soll, sofern die Witterung mitmacht, bis Ende des Jahres fertig sein, der eigentliche Radweg im Frühjahr.

Mehrere Jahre sind inzwischen ins Land gezogen. Bereits Ende 2014 war der Radweg bis zum historischen Eisenwerkgebäude fertiggestellt - und endet dort praktisch im Nichts, anstatt bis zum Glasersteg zu führen. Zunächst sorgte eine ungeklärte Grundstücksfrage für Verzögerungen. Im Februar 2015 stimmte der Geländeeigentümer einem Grundstückstausch zu, "grünes Licht" also für die Vollendung des Radwegs? Zunächst hieß es, es seien "enorme Erdarbeiten" erforderlich, bevor die Stützwand gebaut werden kann. Dann machte das Grundwasser Probleme. Damit nicht genug. Aus naturschutzrechtlichen Gründen (Vorkommen von Eidechsen im ursprünglichen Murgstützmauerbereich) legte das Umweltamt des Landratsamts Rastatt Einspruch gegen die Baumaßnahme ein - nachdem Ende 2015 die Firma Grötz den Zuschlag erhalten und die Baustelle daraufhin bereits eingerichtet worden war. Sie musste deshalb wieder abgeräumt werden.

"Eine unendliche Geschichte neigt sich ihrem Ende entgegen", sagte Bürgermeister Michael Pfeiffer in der Gemeinderatssitzung am Montag. Laut Jürgen Brick war in dem Bereich genau eine Eidechse entdeckt worden. Deshalb ging der Naturschutz davon aus, dass sich dort mehrere Eidechsen aufhalten.

Eidechsen und kein Ende?

Und auch jetzt können Eidechsen noch für Verzögerungen sorgen. Wenn die alte Mauer abgebrochen wird, überprüft ein Vertreter der Naturschutzbehörde, ob sich tatsächlich keine Eidechsen mehr in der Mauer aufhalten. Falls doch, müsse die Mauer von Hand abgetragen werden.

In den vergangenen zwei Jahren seien die Preise "extrem gestiegen", unter anderem für Material. Auf die Frage von Martin Hahn (FWG) nach den Baugesamtkosten sagte Brick, dass diese von 240000 auf jetzt rund 380000 Euro gestiegen seien - für einen Abschnitt von rund 80 Metern.

Christina Palma Diaz (CDU) wollte wissen, ob die Maßnahme mit dem Betreiber der Kaffeerösterei abgestimmt sei. Das bestätigte Brick und erwähnte, dass dieser den Mietbetrag für die Terrasse während der Bauzeit ersetzt bekomme.

Stefan Schwaab (SPD) ersparte sich die Frage zum naturschutzrechtlichen Verfahren, wollte aber wissen, welche Unterschiede es gebe bei der Stützmauer in Höhe des Baugebiets "Hammerschmiede" und in Höhe des Eisenwerk-Gebäudes. Denn beim Baugebiet sei dies recht preisgünstig möglich gewesen, für die Stadt gebe es die "Luxusvariante, garniert mit dem Sahnehäubchen Naturschutz". "Es wurde nachgefragt", sagte Jürgen Brick. Der Zustand der Mauer sei laut Statiker schlecht.

Andreas Paul (CDU) verwies in der Diskussion darauf, dass weitergehende Maßnahmen in Sachen Lärmschutz in Ottenau vom Regierungspräsidium mit Verweis auf die Kosten abgelehnt worden seien. Beim Naturschutz spiele so etwas dann so gut wie keine Rolle. Die Verhältnismäßigkeit sei "deutlich überschritten".

"In der Konsequenz kostet das Wohnrecht der Eidechsen rund 140000 Euro", bemerkte Gerd Pfrommer (SPD). Der Stadtverwaltung mache er keinen Vorwurf. Wie alle anderen Fraktionssprecher unterstrich Ferdinand Hurrle (FWG), dass man den Lückenschluss brauche. "Wir haben dann den goldenen Eidechsendamm gebaut", bemerkte er süffisant.

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