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Angeklagte zum Kauf von Monatskarten verknackt
Angeklagte zum Kauf von Monatskarten verknackt
25.10.2017 - 00:00 Uhr
Gernsbach (ham) - "Immerhin habe ich erkannt, dass Sie wissen, wie ein Fahrkartenautomat zu bedienen ist", stellt Amtsrichter Ekkhart Koch süffisant fest. Obwohl sich der Gernsbacher bei einem früheren Fall von der notorischen Schwarzfahrerin "veräppelt" fühlte, ließ Koch ein letztes Mal Milde walten und verknackte die in zwölf Fällen geständige Angeklagte zum künftigen Kauf einer Monatskarte für die Stadtbahn.

Die 26-Jährige muss diese regelmäßig ihrer Bewährungshelferin vorlegen. Zudem folgte der Richter der Vertreterin der Staatsanwaltschaft, die sechs Monate Haft forderte, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Um zumindest ein kleines Exempel zu statuieren, verurteilte Koch die Gernsbacherin noch zu 60 Stunden Sozialarbeit. Bei einem Schaden von offiziell 25,80 Euro mag dies hart klingen - doch die rund 80-minütige Verhandlung zeigte, dass es sich bei den zwölf erwischten S-Bahn-Fahrten bis März 2017 "vermutlich nur um die Spitze des Eisbergs" handelte.

Das gilt nicht nur wegen der stets angenommenen kürzesten Strecke und damit günstigsten Ticketpreise von 1,90 bis 3,40 Euro. Vor allem kam die Dame auf der Anklagebank bereits zigfach mit dem Gesetz in Konflikt, seit sie 2006 ohne Führerschein im Jugendalter einen Unfall verursachte. Seit 2008 gab es 13 Einträge ins Strafregister. Vortäuschen einer Straftat, Betrug in 14 Fällen und Erschleichen von Leistungen führten zu einer Jugendstrafe auf Bewährung und einem Gefängnisaufenthalt. Weitere Betrügereien, die mit Geldbußen (55, 30, 40 und 80 Tagessätze) geahndet wurden, zählte Koch auf. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte nach vier Vorstrafen und der Haft erneut Gefängnis auf Bewährung - der nun zweiten laufenden der Angeklagten.

Der Verteidiger konnte dem wenig entgegensetzen. Er hielt fünf statt sechs Monate Gefängnis (bei zweijähriger Bewährung) als "Warnschuss" für angebracht und verwies auf die günstige Sozialprognose. Die Bewährungshelferin bestätigte diese und betonte, meist zeige sich die Gernsbacherin kooperativ - sofern sie nicht wieder in ihren Teufelskreis aus Depression und Sucht abrutsche. Zu der angeblich überstandenen Alkoholabhängigkeit gesellte sich einst eine Spielsucht, die zu Schulden von "30000 bis 50000 Euro" führte. Den genauen Betrag wusste die 26-Jährige nicht einmal, was Koch etwas bedenklich stimmte. Angesichts ihres kargen Nettoeinkommens von derzeit 1200 Euro als Bedienung in einer Gaststätte bleibt ihr Lohn ungepfändet. Immerhin dürfte künftig genug Geld für Bahntickets vorhanden sein, konstatierte der Amtsrichter.

Aufgrund der regelmäßigen Arbeit und einer erneuten Heirat im September, die der emotional abhängigen Frau mehr Stabilität als die erste Kurzehe mit einem angeblichen Schläger 2011 geben soll, gab Koch ihr die x-te Chance. "Wenn Sie Ruhe haben wollen, sammeln Sie keine Taten mehr und halten sich an die Regeln. Dann geht es Ihnen auch mit Ihren Ängsten besser!", schrieb Koch der 26-Jährigen ins Stammbuch und schloss mit den mahnenden Worten: "Und nicht mehr Schwarzfahren!"

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