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"Der Funke muss jetzt überspringen"
'Der Funke muss jetzt überspringen'
26.10.2017 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - "Ein Dorfladen ist kein kleiner Aldi. Er versucht, die Lücken zu füllen." Das betonte Professor Volker Hahn, geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Nahversorgungs-Services, am Montagabend im Gemeinderat. Dort gab er zusammen mit Udo Kathan, dem Sprecher des Teams Dorfleben Staufenberg, einen Sachstandsbericht zum Projekt Dorfladen.

Mit einer professionell ausgearbeiteten Power-Point-Präsentation ging der Experte aus Oberfranken insbesondere auf die Wirtschaftlichkeit eines solchen "modernen Tante Emma Ladens" ein. 200 davon gebe es inzwischen in Deutschland - "und gerade mal fünf haben es nicht geschafft", erklärte Hahn: "Jedes Projekt ist individuell und einzigartig", müsse es doch auf die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort abgestimmt sein. Die Voraussetzungen in Staufenberg seien gut für einen Dorfladen, weshalb der Professor für den Gernsbacher Stadtteil ein geringes Risiko sehe.

Bis die Staufenberger allerdings das erste Mal dort einkaufen können, ist laut Hahn ein Gesamtkapitalbedarf von circa 130000 Euro aufzubringen. Die Summe setzt sich aus Sachinvestitionen, Warenausstattung, Gründungskosten und Betriebsmitteln zusammen. Er verwies auf mehrere Beispiele von Dorfläden und rechnete deren Plausibilitätsrechnungen und Wirtschaftspläne vor. "Wenn 66 Prozent der Bevölkerung ein Drittel ihrer Lebensmitteleinkäufe des täglichen Bedarfs im Dorfladen Staufenberg einkaufen, dann sollten diese Bürger pro Woche für mindestens circa zwölf Euro dort einkaufen", machte Hahn deutlich. Er nannte Fixkosten von rund 7500 Euro monatlich, die vor allem durch das notwendige Personal verursacht werden. Ziel sollte es sein, an 26 Tagen pro Monat geöffnet zu haben und einen Tagesumsatz von 1400 Euro zu erwirtschaften. Dafür benötige man in Staufenberg rund 120 Kunden pro Tag.

Anteile von 80000 Euro als Gradmesser

Als Gesellschaftsform schlägt Volker Hahn eine sogenannte kleine GmbH (Unternehmergesellschaft und still) vor, die sich aus Bürgern, Vereinen, Firmen, Institutionen und Lieferanten als Kommanditisten mit Einlagen ab 200 Euro zusammensetzt. Es sei sinnvoll, Vereine als Gründungsgesellschafter einzusetzen. Entsprechende Vorgespräche in diese Richtung haben bereits stattgefunden. Als Gradmesser nannte der Professor Anteile in Höhe von 80000 Euro, die von den Staufenbergern gezeichnet werden müssten, um das Projekt realisieren zu können. Hahn verwies auch auf Fördermöglichkeiten, etwa durch den Europäischen Sozialfonds.

"Es ist vollkommen klar, dass es keine dauerhafte Förderung durch die Stadt geben kann", betonte Bürgermeister Julian Christ. Das sei auch gar nicht erlaubt, bestätigte Hahn: "Der Dorfladen muss in der Verantwortung der Staufenberger liegen" - auch in finanzieller Hinsicht. Denkbar wäre ein Investitionskostenzuschuss durch die Stadt, Hilfe im Genehmigungsverfahren sowie bei der Suche nach einem Investor für das Markthallen-Areal. Diese Unterstützung forderte CDU-Fraktionsvorsitzende Frauke Jung von der Stadt auch ein, appellierte aber gleichzeitig an die Staufenberger: "Das Team um Udo brennt für das Projekt. Jetzt muss der Funke überspringen." Damit meinte sie vor allem die Bereitschaft, die geforderten Anteile in Höhe von 80000 Euro zu erreichen. Das sieht auch Uwe Meyer (Freie Bürger) als große Hürde, die es zu überspringen gelte. Sylvia Felder (CDU) fragte, wie groß ein Investor bauen müsse, um die Vorgaben an das Projekt zu erfüllen (insbesondere was die kalkulierte niedrige Miete für den Dorfladen anbelangt), ohne ein zu großes finanzielles Risiko einzugehen? Denn die ersten Pläne, die sie gesehen habe, seien ihr zu groß.

Dies hatte bereits eine Staufenbergerin in der Bürgerfragestunde moniert, die mit einem viergeschossigen Haus mit zwölf Wohneinheiten nicht einverstanden wäre. Sie verwies auch auf den Parkraum, der vorgehalten werden müsse für die Bewohner und für die Kunden.

Udo Kathan lud die Fragestellerin ein, beim nächsten Architekten-Workshop mitzuarbeiten und betonte, dass diesbezüglich noch nichts entschieden sei. Das gelte auch für die weitere Nutzung des zu bauenden Gebäudes neben dem Dorfladen und einer noch festzulegenden "Sozialfläche" (Dorf-Café, Arztzimmer für Hausärzte, Car-Sharing Standort oder Ähnliches) im Erdgeschoss: Favorisiert sei, dass im Obergeschoss Wohnraum und betreutes Wohnen im Sinne des Mehrgenerationen-Gedankens entstehen soll. Volker Hahn verwies diesbezüglich auf fünf bis sechs Generalunternehmer in Süddeutschland, die auf derlei Vorhaben spezialisiert seien. Durch zustimmendes Nicken gab der Gemeinderat grünes Licht für die nächsten Projektschritte und die weitere Planung. Ziel der Verantwortlichen ist es, im Sommer 2019 Eröffnung zu feiern.

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