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Die Bärentatze ist deutlich größer als eine Kinderhand
Biologe Peter Sürth berichtet in der Forbacher Klingenbachschule mit einem Pappwolf von den europäischen Raubtieren.  Foto: Vogt
26.10.2017 - 00:00 Uhr
Von Katharina Vogt

Forbach - Durch die Forbacher Klingenbachschule tönte ein schauerliches Geheul. Erst ganz leise, dann aber auch deutlich lauter - es waren keine Vorbereitungen für Halloween, sondern die Dritt- und Viertklässler probierten aus, wie man ein Wolfsrudel herbeirufen könnte. Peter Sürth vom Verein Human-Wildlife erklärte den Schülern an einem Schwerpunkttag, warum die großen Räuber Wolf, Bär und auch der scheue Luchs im Schwarzwald ausgerottet wurden.

Doch vor allem der Wolf und der Luchs werden in den nächsten Jahren voraussichtlich wieder im Schwarzwald heimisch werden. Sürth berichtete, wie das Zusammenleben von Mensch und Raubtier in anderen Ländern seit vielen Jahren funktioniert. Alle Schüler der Klingenbachschule kommen in den Genuss dieses kostenlosen Schulprojektes, das von der Naturparkförderung, dem Verein Human-Wildlife Info, dem WWF Deutschland und der Luchs-Initiative Baden-Württemberg gefördert wird.

Den Unterricht bereitet Sürth altersgemäß vor, deshalb saßen die Drittklässler auch sehr gespannt vor dem Biologen, der sich seit 20 Jahren intensiv mit den Wölfen beschäftigt. Er hatte nicht nur einen überlebensgroßen Pappwolf mitgebracht, sondern auch die Halsbänder, mit deren Hilfe die Tiere in freier Wildbahn geortet werden können, eine Wildtierkamera und Gipsabdrücke der Pfoten von Wolf, Luchs und Bär: "Boah! Sind die groß, da passt grad meine Hand drauf", meinte Jaron aus Langenbrand. Beim genaueren Hinsehen wurde deutlich, die Bärentatze ist deutlich größer als eine Kinderhand.

Aufgeregt diskutierten die Kinder mit dem Forscher, warum die großen Raubtiere im Schwarzwald verschwunden sind. Sie verfolgten fasziniert die Filmaufnahmen, wie eine Wölfin in Rumänien täglich durch eine 250000-Einwohner-Stadt spaziert auf dem Weg zu einer großen Mülldeponie, um dort nach Futter zu suchen. Damit zieht sie ihre Welpen auf der anderen Seite der Stadt im Wald groß. "Sind die süüüß" riefen die Kinder beim Anblick der spielenden Jungwölfe, doch Peter Sürth warnte ganz deutlich: "Die sehen süß aus, aber man darf die nicht streicheln oder füttern, denn sonst verlieren sie ihre Scheu und werden immer zudringlicher. Und wenn sie groß sind, kann das sehr gefährlich werden!"

Dass die Raubtiere auch Schafe, Ziegen und gar Rinder oder Pferde reißen können und sich nicht nur im Wald Futter suchen, erstaunte die Kinder kaum: "Mein Papa sagt auch, dass unsere Hasen und Hühner nachts im Käfig sein müssen wegen Mardern und den Füchsen", erzählten einige Kinder.

Sürth zeigte ihnen auf Europa-Karten, wo es schon Wolfsrudel gibt und wie weit die Jungwölfe wandern, um sich ein eigenes Revier zu suchen und dort ein eigenes Rudel zu gründen. Er verstand es, in den Kindern zwar die Neugier auf die Raubtiere zu wecken und ihnen viele Eigenarten zu erklären, gleichzeitig aber auch Respekt zu vermitteln vor den faszinierenden Wildtieren, die eben keine Kuscheltiere sind wie der Familienhund oder die Katze daheim.

"In Rumänien leben die Menschen gemeinsam mit Wölfen und Bären. In den vergangenen 20 Jahren hat es keinen belegten Angriff von Wölfen auf Menschen gegeben", erklärte er den Kindern. Verwilderte Hunde seien dagegen deutlich gefährlicher, weil sie durch den Kontakt mit den Menschen eben die Scheu verloren hätten. Daher sollte kein Wildtier gefüttert oder gar gestreichelt werden, warnte er die Kinder eindringlich.

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