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Die eigentliche Arbeit der Cowboys
28.10.2017 - 00:00 Uhr
Von Christiane Vugrin

Gaggenau - Über schmale Holzbrücken und durch Wassergräben reiten, am Boden liegende Hindernisse überwinden, vorwärts, rückwärts im Schritt, Trab oder Galopp, über aufgestellte Baumstämme springen, aus einer Herde ein Rind isolieren und kontrollieren: Was sich anhört wie Erzählungen aus dem Wilden Westen, gehört für Karina und André Weber zur täglichen Arbeit. Für die Inhaber einer Hufbeschlaggesellschaft in Sulzbach ist Ranch-Reiten Beruf und Hobby zugleich. Immer wieder nehmen sie erfolgreich an Turnieren teil. Anfang Oktober errang Karina Weber bei der Deutschen Quarter Horse Association in Aachen in der Amateurklasse den Deutschen Meister-Titel.

"Ich war schon immer von Pferden fasziniert", sagt Karina Weber und erinnert sich, wie sie bereits als Fünfjährige gerne ihre Zeit im Stall bei Pferden und Kühen verbrachte. Nicht nur das Reiten stand dabei für sie im Mittelpunkt: Auch die Arbeit drum herum, das Pflegen der Tiere, machte der Gaggenauerin viel Freude. Beim Beschlagen des Pferdes der Schwester lernte sie dann den Hufschmied André Weber kennen. Bis heute sind beide ein glückliches Ehepaar und perfektes Team, was ihre Arbeit und den Reitsport betrifft.

Gemeinsam mit ihren Vierbeinern machten sie sich auf den Weg ans Dreiländereck nach Aachen, um an einer der größten deutschen Veranstaltungen im Westernreitsport teilzunehmen. Beide hatten einen Startplatz in der Disziplin "Versatility Ranch Horse". Hier wird in sechs Einzeldisziplinen die ursprüngliche Arbeit der Cowboys demonstriert.

Bei Karina Weber, die mit Poco Rebel Son - dem Pferd ihres Mannes - in der Amateurklasse startete, lief alles gut. Das Pferd von André Weber, der sich in der Profi-Klasse maß, stürzte unglücklich bei der zweiten Prüfung, fiel auf den Reiter, der nach einer Vorort-Behandlung mit einer Beinfraktur ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Trotz des Unfalls ihres Mannes setzte die 47-Jährige das Turnier fort, meisterte weitere vier Disziplinen. "Es ist mir gelungen, das auszublenden, und nach der vierten Prüfung hatte ich das Gefühl, es wird für einen Platz in den vorderen Rängen reichen", erzählt Karina Weber. Tatsächlich wurde die Sulzbacherin zur Deutschen Meisterin gekürt. "Ein wirklich tolles Gefühl, da kommt man dann mit einem Korb voll Zeug heim", lacht sie und zeigt stolz Pokale, Schleifen und goldene Medaille. Großes Lob von der frischgebackenen Deutschen Meisterin erhält natürlich auch das Siegerpferd, das sie seit zwei Jahren reitet. "Es gibt wenige Pferde im Alter von 20 Jahren, die noch diese Leistung erbringen", pflichtet der Besitzer bei.

Wie der Name schon verrät, ist bei der Disziplin "Versatility Ranch Horse" Vielseitigkeit gefragt. Das Pferd müsse sehr gut trainiert und rittig sein. Denn die verschiedenen aufeinanderfolgenden Einzeldisziplinen, auf die das Pferd in der Pause immer vorbereitet werden muss, seien für den Vierbeiner schon sehr stressig. Eine hohe Konzentration werde auch den Reitern abverlangt. Diese lernen die verschiedenen Aufgaben auswendig und schaffen es (im besten Fall), jeden Teil des Pferdekörpers - also etwa 600 Kilogramm Muskeln - zu lenken. "Für uns ist die Versatility eine besondere Herausforderung", sind sich die Reitsportler einig: "Wir setzen nicht alles auf eine Karte, Schwächen können ausgeglichen werden und die Abrechnung kommt am Ende des Tages."

Viele Anforderungen der Disziplinen fließen in die alltägliche Arbeit ein. André Weber ging im Jahr 1993 als Hufschmied in die Vollselbstständigkeit. Zudem unterhält das Ehepaar einen Landwirtschaftsbetrieb mit Pferden und Rindern auf Weiden und Wiesen in Sulzbach. Die vielseitigen Anforderungen, die Poco Rebel Son täglich trainiert, machen das Pferd ruhig und ausgeglichen.

Als Zuchthengst hat er für Nachwuchs gesorgt, den die Webers auch im Sport voranbringen möchten. "Das wird allerdings noch zwei bis drei Jahre dauern", meint André Weber. Das Pferd, das die Deutsche Meisterschaft erritten hat, steht allerdings schon viel eher eine weitere Aufgabe bevor: "Er wird wie jedes Jahr am 11. November als St.-Martin-Pferd durch den Ort traben und die Kinder erfreuen."

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