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"Erinnerung wachhalten"
FDP-Politiker Johannes Schmalzl (Mitte) erinnert im Kreis der Gernsbacher CDU an die Ereignisse des 'Deutschen Herbstes'.  Foto: CDU Gernsbach
02.11.2017 - 00:00 Uhr
Gernsbach (red) - Am Ende des historischen Bogens stand der Appell: "Halten Sie die Erinnerung wach", rief Johannes Schmalzl den Zuhörern im Pavillon des Gernsbacher Papierzentrums zu. Der frühere Präsident des Verfassungsschutzes Baden-Württemberg war auf Einladung der CDU Gernsbach gekommen, um an die Ereignisse des "Deutschen Herbstes" 1977 zu erinnern.

Vor 40 Jahren war der damalige Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer entführt und seine Begleiter getötet worden. An den besonderen Bezug Schleyers zu Gernsbach erinnerte die CDU-Landtagsabgeordnete Sylvia Felder in einem einleitenden Grußwort, heißt es in einer Mitteilung der Partei. Schleyer verbrachte - bedingt durch den Beruf seines Vaters - Kindheit und Jugend in Gernsbach, ging in Rastatt zur Schule. Ein Gedenkstein am Bahnhof erinnert an die zentrale Figur der Opfer des Terrorismus. Einige der älteren Zuhörer hatten noch eigene Erinnerungen an Besuche Schleyers in Gernsbach, etwa zum Altstadtfest.

Der FDP-Politiker Schmalzl führte die Chronologie der Ereignisse im Jahr 1977 auf, angefangen von der Ermordung des Generalbundesanwaltes Siegfried Buback am Gründonnerstag bis zur Entführung und späteren Ermordung Schleyers. Zusammenhänge und auch die besondere Rolle der baden-württembergischen Justiz mit der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe und dem Gefängnis in Stuttgart-Stammheim wurden dabei deutlich. Schmalzl erinnerte an die Opfer und skizzierte die Täter, die aus der politischen Gegnerschaft zu den USA und zu den Nazi-Vergangenheiten deutscher Nachkriegspolitik zu fanatischen Mördern wurden. Einige der RAF-Täter stammen aus der Region, aus badischen Beamtenfamilien.

Die Bilder des "Deutschen Herbsts" wurden in der Schilderung des Juristen Schmalzl deutlich: die Rolle der Polizei, die einer völlig neuen Gefahr gegenüberstand; die Rolle der Medien, bei denen die Bekennerbriefe eingingen; die politische Bedeutung der DDR, die viele der Terroristen anschließend aufnahm - und auch die Rolle der Justiz, die mit den herkömmlichen Vorschriften der Strafprozessordnung kaum die Prozesse in den Griff bekam.

Schmalzl spannte den Bogen weiter zu den Biografien der Täter nach Abbüßen der Haftstrafe. "Viele der Taten sind bis heute nicht restlos aufgeklärt, etwa die Täterschaft bei der Ermordung von Buback." Er rief dazu auf, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten: "Treten Sie ein für eine wehrhafte, standfeste Demokratie!", bat Schmalzl und spannte den Bogen zu den Ereignissen rund um den G20-Gipfel in Hamburg und die NSU-Mordserie.

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Dirk Preis betonte bei seiner Begrüßung die Überparteilichkeit des Auftrittes von FDP-Politiker Schmalzl. "Wir wären sehr gerne mit der Veranstaltung zum Gedenken an Hanns-Martin Schleyer in eine der Gernsbacher Schulen gegangen", bedauerte der CDU-Vorsitzende. Leider sei dies nicht möglich gewesen. "Es passe nicht in den Lehrplan", sei eine der Begründungen gewesen, warum kein städtisches Gebäude dafür freigegeben wurde. Eingesprungen ist schließlich der Arbeitgeberverband Papier, um die Gedenkveranstaltung an den Ermordeten zu ermöglichen.

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