http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
"Wo geht die Fläche, die Kante eigentlich hin?"
Einfach nur ein Ring aus Stahl? Doch gerade eine Kreisform kann sich als ein komplexes Gebilde erweisen. Foto: Haller-Reif
03.11.2017 - 00:00 Uhr
Von Margrit Haller-Reif

Forbach - Zahlreiche Kunstfreunde sind der Einladung zur Vernissage "Kreiskonstruktionen" des Bildhauers Rüdiger Seidt im Ausstellungsbereich im Obergeschoss eines ehemaligen Fabrikgebäudes in Forbach gefolgt. Die kreisrunde dreidimensionale Stahlkonstruktion "Zweifächer endlos" wirkt raumgreifend. Ein übergroßer Ring aus wetterfestem Corten-Stahl mit einem Durchmesser von rund zwei Metern zieht das Auge beinahe magisch an.

Je nach Lichteinfall verändert sich die silbrige Oberfläche. Schimmernde Zartheit wird zu kühlem metallischem Glanz. Musikalisch stimmig unterlegt von Daniel Oliver Bachmann an Handpan und Engelszunge. Im Näherkommen irritieren unmerkliche Veränderungen einer scheinbar eindeutigen Form den Blick. Wo geht die Fläche, die Kante eigentlich hin?

Die Einführung in Form eines "Interviews mit dem Künstler" von Dr. Susanne Ramm-Weber setzte gedanklich bei solchen Fragen an. Seit 2009 begleitet die Offenburger Kunstwissenschaftlerin und Kulturjournalistin Rüdiger Seidts Schaffen, "und jedes Mal erwartet mich etwas Neues". Mit dem Rüstzeug soliden Handwerks habe er zu einer ganz eigenen künstlerischen Sprache gefunden auf der Basis der Elemente Erde, Wasser, Feuer und Licht/Luft. Das Arbeiten mit Feuer sei dominant, die gleichzeitige Ausweitung seines plastischen Schaffens setze höchst präzise Gedankenarbeit voraus. Frei übersetzt heißt das: Rüdiger Seidt geht geometrischen Grundformen auf den Grund. Ähnliche Assoziationen, allerdings mit Blick auf das Geräuschszenario der Natur, stellten sich ein bei Daniel Oliver Bachmanns Endloston am Didgeridoo und flirrendem Obertongesang.

Eine rostige Oberflächenstruktur, jahreszeitlich geprägte Patina, ist ebenso Ausdruck seiner beständigen Auseinandersetzung mit der einfachen Form. Seine kontinuierliche Entwicklung schlage sich in Ästhetik nieder - "wird zur Kunst." Davon zeugten auch seine in sich gedrehten "Kreiskonstruktionen" in Anlehnung an das sogenannte Möbiusband.

An einer klaren Formgebung, um immer wieder neue Ideen erweitert, zeichnet sich die Handschrift des in Forbach ansässigen, international tätigen Bildhauers mit Schwerpunkt Stahlplastik ab. So kann Seidt zahlreiche Ausstellungen vorweisen, darunter einige in den USA. Bei einer Vielzahl der Objekte bildet der Kreis beziehungsweise Kreisbogen seine künstlerische Ausgangsposition.

Bei Rüdiger Seidt bildete das Möbiusband, eine Fläche mit nur einer Kante und einer Seite, den Impuls für eine neuerliche Weiterentwicklung. Bei ihm wird (auch) die Kante zur Fläche. "Ein Vierkant quadratisch kann ich 90-Grad-weise verdrehen und damit zum ,Einflächer' oder ,Zweiflächer' gestalten." Am Computer wird mittels CAD ein dreidimensionaler "Bauplan" erstellt. In der Überführung in die künstlerische Realität wird die offene, vierflächige Konstruktion zusammengeschweißt. "Man muss sie vor Augen haben", erläutert der Bildhauer den Prozess. "Es muss so konstruiert sein, wie wenn man einen Reißverschluss zuzieht."

Ästhetik wird zur Kunst

Effekthascherei ist Rüdiger Seidt fremd, seine Vorliebe gilt klaren, bestechend einfachen Strukturen. Auf Susanne Ramm-Webers Frage nach der Faszination einer perfekt-langweiligen Kreisform hat er die Antwort sofort parat: "Umso spannender ist es, sich gerade mit dieser komplexen Form und ihren Möglichkeiten zu beschäftigen." Deren Wirkung und Ausdruck fasst eine sachkundige Vernissage-Besucherin in wenige Worte: "Schlicht, zeitlos und formschön, das begeistert mich an Rüdiger Seidts Werk." Ein Künstlerfreund habe ihn als "poetisch konstruktiven Künstler" beschrieben, sagt Seidt an anderer Stelle. Vielleicht, weil bei ihm viel "aus dem Bauch heraus" und im Spiel mit der Idee geschehe und ihn jene Frage beschäftigt habe: Wo geht die Fläche, die Kante eigentlich hin?

Die Ausstellung ist bis einschließlich Sonntag, 26. November, nach Anmeldung zu besichtigen: (07228)3175, E-Mail: mail@ruediger-seidt.de

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Loffenau
--mediatextglobal-- Seine letzte Waldbegehung führt Bürgermeister Erich Steigerwald (links) mit dem Loffenauer Gemeinderat zur Teufelsmühle.  Foto: Gareus-Kugel

30.10.2017
Ära endet an der Teufelsmühe
Loffenau (vgk) - Am Freitag ging in Loffenau mit der Gemeinderatssitzung auf der Teufelsmühle eine Ära zu Ende - zumindest was die öffentlichen Sitzungen des Gemeinderats betrifft. Es war die letzte für den scheidenden Bürgermeister Erich Steigerwald (Foto: Gareus-Kugel). »-Mehr
Durmersheim
--mediatextglobal-- Gefahren ihres Berufs machen die Forstwirte der Gemeinde am Beispiel von Baumfällungen bewusst.  Foto: Heck

30.10.2017
Waldbegehung des Gemeinderats
Durmersheim (HH) - Das Mulchen der Randstreifen entlang der Waldwege war eines der Themen, denen sich der Durmersheimer Gemeinderat sowie der Würmersheimer Ortschaftsrat bei ihrer Waldbegehung angenommen haben. Zudem stellten Forstwirte ihre Arbeit vor (Foto: HH).) »-Mehr
Stuttgart
--mediatextglobal-- Halloween wird in Deutschland immer beliebter - und damit steigt auch die Nachfrage nach Kürbissen. Foto: dpa

30.10.2017
Bauern setzen auf Kürbisanbau
Stuttgart (dpa) - Wegen der gestiegenen Nachfrage an Halloween haben Baden-Württembergs Bauern und Gärtner ihre Kürbis-Anbaufläche deutlich erweitert. Seit 2012 hat sich die Fläche um etwa ein Viertel auf 728 Hektar (2016) im Südwesten erhöht (Foto: dpa). . »-Mehr
Gernsbach
--mediatextglobal-- Vororttermin in Reichental: Ruth Hertweck und Diana Fritz vom Landschaftserhaltungsverband und Bürgermeister Julian Christ bei der Begehung des Gewanns Hail/Steinacker mit Helfern.  Foto: Gareus-Kugel

30.10.2017
Vereine als Naturschützer
Gernsbach (vgk) - Die Erstpflegeaktion durch Reichentaler Vereine im Gewann Hail/Steinacker kann Ansporn für andere Gernsbacher Vereine und Ortsteile sein. Regelmäßig treffen sich die Mitglieder in Reichental, um dem Zuwachsen der Landschaft aktiv vorzubeugen (Foto: vgk). »-Mehr
Stuttgart
Bauern setzen auf Kürbisse

29.10.2017
Bauern setzen auf Kürbisse
Stuttgart (lsw) - Baden-Württembergs Kürbisbauern haben ihre Anbaufläche wegen der gestiegenen Nachfrage zu Halloween deutlich erweitert. Seit 2012 hat sich die Fläche um etwa ein Viertel auf 728 Hektar (2016) erhöht. Ein Grund dafür ist die Beliebtheit von Halloween (Foto: dpa). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Für eine Mehrheit der Deutschen ist Armut ein großes gesellschaftliches Problem. Glauben Sie, dass die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird?

Ja.
Nein.

Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen