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Viele Tausend Schritte für die große Idee
Siegfried Mörtl (vorne rechts), macht sich für ein geeintes Europa auf den Weg. Rund 1 200 Kilometer absolvieren die Teilnehmer zu Fuß. Foto: pr
07.11.2017 - 00:00 Uhr
Von Barbara Gutmann

Gaggenau - Generationen von Schülern hat er am Goethe-Gymnasium Geometrie und Algebra, Physik und Informatik nähergebracht. Dieser Tage ist Siegfried Mörtl 70 geworden - und dabei ist er auch körperlich richtig fit. So hat der pensionierte Studiendirektor vor einigen Monaten zu Fuß 1200 Kilometer quer durch Europa zurückgelegt: von Paris nach Berlin für ein vereintes und friedliches Europa.

"Was hier geschieht, gab es noch nie." Mit dieser Überschrift machte ein Schreiben auf einen ganz besonderen Weg aufmerksam, auf dem auch Siegfried Mörtl aus Bad Rotenfels unterwegs war. Für eine große Idee. Das war in diesem Sommer, und auf dieses Ereignis schaute der Pädagoge anlässlich seines 70. Geburtstages vor ein paar Tagen mit Begeisterung und auch ein wenig Stolz zurück.

Diese sieben Wochen jeden Tag zu Fuß auf dem Weg zu sein für eine große Sache, das sei schon eine ganz spezielle und bereichernde Erfahrung, erzählt der Europa-Wanderer Siegfried Mörtl mit diesem unglaublichen Enthusiasmus für eine große Idee. Für diese war er schon 2016 unterwegs, von Triest nach Sarajevo.

"Europa muss sich bewegen." In diesem Sinne zogen Italiener und Deutsche gemeinsam zu Fuß in diesem Jahr von Paris durch Belgien und die Niederlande nach Berlin. Die Wanderung vom 20. Mai bis 8. Juli war vom proeuropäischen italienischen Verein "Repubblica Nomade" organisiert worden.

In einem Pressegespräch schilderten die Wanderer, die zwischen 32 und 74 Jahre alt sind und aus allen Teilen Italiens und aus Deutschland kommen, ihre Beweggründe. Unter ihnen ist der Schriftsteller Antonio Moresco, der für sein Buch "Aufbruch" einen Preis auf der Leipziger Buchmesse erhielt. Er erklärte, dass es wichtig sei, bloßen Worten auch Taten folgen zu lassen. Die Gruppe will mit ihrer Aktion ein Zeichen für Europa und den Frieden setzen. Europa sei gewachsen und aus Ländern entstanden, die sich bekriegt haben.

Es sei ein gutes Modell für Frieden, internationale Freundschaft und Kooperation. Europa insgesamt müsse sich bewegen, um seiner Verantwortung innerhalb der Weltgemeinschaft gerecht zu werden. Und warum zu Fuß? Das Gehen sei schließlich die normalste aller Fortbewegungsarten, meinte eine Teilnehmerin.

Dem 2011 gegründeten Verein "Repubblica Nomade" gehören Schriftsteller, Regisseure, Intellektuelle sowie Bürgerinnen und Bürger an, die sich für ein geeintes Europa einsetzen. Mit ihrer diesjährigen Wanderung setzt sich der Verein im Jahr des 60-jährigen Bestehens der Römischen Verträge für ein geeintes und friedliches Europa ein und möchte an die Errungenschaften der Europäischen Union erinnern.

Die Anfangs- und Endpunkte der Wanderung - Paris und Berlin - wurden gewählt, um auch die Solidarität zu den beiden Städten und Ländern zu bekunden, die von Terroranschlägen getroffen wurden.

Am Ende einiger dieser Tagesmärsche wurde laut aus dem Manifest von Ventotene vorgelesen. Diese 1941 verfasste Schrift "Für ein freies und einiges Europa" ist einer der wichtigsten frühen programmatischen Entwürfe einer europäischen Integration. Das Manifest beschreibt die Souveränität der Nationalstaaten als Ursache für den Zweiten Weltkrieg.

Freilufttraining in der Großen Kreisstadt

In der Pressemitteilung über den Lauf hieß es: "Die aktuelle Situation unseres Planeten ist durch enorme Risiken belastet, birgt aber auch große Chancen. Wir halten es für notwendig, dass sich der Prozess der politischen Vereinigung Europas beschleunigt. Um unserer Hoffnung mehr Gewicht zu verleihen, haben wir diese extreme Form des Zeugnisses gewählt."

Wird Siegfried Mörtl beim nächsten Europalauf wieder dabei sein? "Wenn ich fit bleibe, auf jeden Fall", sagt er lachend. Und so können auch seine Generationen von Schülern den drahtigen Ex-Mathe-, Physik- und Informatik-Lehrer des "Goethe" regelmäßig auf diversen Bad Rotenfelser und Gaggenauer Wegen im lockeren Laufschritt antreffen.

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