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"40 Jahre Loffenau ein Glücksfall für mich"
09.11.2017 - 00:00 Uhr
Loffenau - Eine Ära endet in Loffenau: 40 Jahre lang leitete Erich Steigerwald die Geschicke der Gemeinde. Am Freitagabend wird der Bürgermeister verabschiedet und soll zum ersten Ehrenbürger des Ortes gekürt werden - und auch die Partnergemeinde Montefelcino zeichnet den einst jüngsten Dorfschultes von Baden-Württemberg aus, der bereits mit 26 Jahren sein Amt antrat. BT-Redakteur Hartmut Metz unterhielt sich mit Erich Steigerwald über die Jahrzehnte in Loffenau.

BT: Herr Steigerwald, 40 Jahre Bürgermeister in Loffenau: Was bedeutet diese Ära für Sie und die Gemeinde?

Steigerwald: Für mich waren die 40 Jahre in Loffenau beruflich und privat ein Glücksfall - ob das für die Gemeinde auch zutraf, müssen andere beurteilen.

BT: Hätten Sie als junger Bürgermeister je gedacht, so lange in Loffenau zu arbeiten und - um es in Ihrer geliebten Jägersprache zu sagen - dereinst als 40-Ender dienstältester Hirsch im baden-württembergischen Rathaus-Wald zu werden?

Steigerwald: Am Anfang natürlich nicht. Man muss sehr früh anfangen und lange durchhalten - aber es war mir natürlich nicht in die Wiege gelegt, als 26-Jähriger mein ganzes Berufs- und Privatleben hier zu verbringen.

BT: Gab es nie andere Ambitionen?

Steigerwald: Nach meiner Wiederwahl in den 80er Jahren gab es Versuchungen zu wechseln. Das scheiterte jedoch daran, dass mir die Wohn-, Lebens- und Schaffensqualität in Loffenau auf den Leib geschnitten war. Wegen ein oder zwei Gehaltsstufen, die man anderweitig bekäme, macht man sich normalerweise nicht unglücklich. Ich fand in Loffenau auch alles, was einen jungen Bürgermeister reizt: Ich konnte viel gestalten, vieles erneuern, vieles bauen: Vom Friedhof bis zur Kinderbetreuung war alles dabei.

BT: Und dann kam sicher noch die Nähe zum Wald dazu, den Sie als Jäger gewiss ebenso schätzen.

Steigerwald: Ich stamme aus dem Neckarraum, den Fildern. Wenn man dort sieht, wie die Kommunen bis an die Gemeindegrenze zusammengewachsen sind und man fast keine Gemeinde-Identität kennt, ist das hier in Loffenau ganz anders. Trotzdem ist man von hier aus schnell in Baden-Baden und in 30 Minuten in Karlsruhe. Hier lebt man in einem Ort, in dem man die Jahreszeiten schmecken, spüren und sehen kann, also in einer wunderbaren Natur.

BT: Das hört sich nicht so an, als bereuten Sie etwas und meinen: Das würde ich heute anders machen?

Steigerwald: Trotz selbstkritischer beruflicher Rückblende könnte ich das nicht sagen. Es war wohl auch keine Fehlentscheidung dabei - dazu muss ich jedoch anmerken, dass die wichtigen Entscheidungen, die über 15000 Euro hinausgehen, der Gemeinderat trifft. Ich habe in den 40 Jahren 43 Gemeinderäte erlebt. Für alles Wichtige gab es entweder eine einstimmige oder zumindest eine sehr breite Mehrheit.

BT: Sie sollen bereits als Grundschüler von einem Bürgermeister-Posten geträumt haben.

Steigerwald: Das stimmt. In einer kleinen Gemeinde, in Zizishausen, die heute Stadtteil von Nürtingen ist, ging ich in die Grundschule. Mir fiel dort schon als Zehnjährigem auf, dass sich das Verhalten der Lehrer änderte, wenn der Bürgermeister kam. So erkannte ich zumindest, dass der Bürgermeister mehr zu sagen hat als die Autoritäten der Schule.

BT: Es gibt manche legendäre Geschichte mit Ihnen. Welche ist Ihnen die liebste?

Steigerwald: In 40 Jahren kommt natürlich einiges zusammen, das sich für ein Schmunzelbüchlein eignet. Spontan fällt mir ein: Als ich anfing, befand sich die Schellengasse in einem sehr, sehr schlechten Zustand. Dort wohnte eines der hiesigen Originale, genannt "Der Heissa-Karl". Er beschwerte sich bei jeder Gelegenheit über den Straßenzustand. Es dauerte nicht lange, ich glaube, es war in meinem zweiten Amtsjahr, dann bekam die Straße eine neue Dünndecke. Ganz stolz ging ich zur Baustelle, er saß auf der Treppe seines Hauses, und sagte zu ihm: "Herr Schweikart, das wäre nun gemacht. Was sagen Sie denn nun?" Woraufhin er mich anschaute und sagte: "Ja, aber im Winter wird's jetzt glatt!"

BT: Man kann es also manchem nicht Recht machen.

Steigerwald: So ist es!

BT: Und wie war das mit der Verkürzung der Sperrfrist in einem Gasthaus auf einem Bierdeckel, das die Polizei zu einem kleinen Racheakt veranlasste?

Steigerwald: Diesen legendären Bierdeckel gab es in Wirklichkeit nie. Aber es gab natürlich den Vorgang an sich. Damals herrschte noch Polizeistunde, was Gott sei Dank der Vergangenheit angehört. Auf dringendes und flehentliches Bitten des Wirtes verlängerte ich als zuständiger Bürgermeister die Polizeistunde kurzerhand.

BT: Die Legende erzählt weiter, die Ordnungshüter hätten Sie anschließend abgepasst, um Ihren Alkoholpegel zu kontrollieren.

Steigerwald: Das stimmt nicht ganz. Die Polizei war sicherlich nicht erfreut über den Vorgang. Aber ein Jahr später haben sie mich nach einer Einweihung beim Reit- und Fahrverein in einer unpässlichen Stunde erwischt ...

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