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Mehr als nur ein wilder Haufen
16.11.2017 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Murgtal - Für Bodo Galle aus Langenbrand ist es unfassbar, was er dieser Tage gesehen hat: "Zwei schöne, große Ameisenhaufen, nicht einmal hundert Meter voneinander entfernt", hat er auf einer Mountainbike-Tour in der Nähe des Dorfs entdeckt, "und dann gibt es Zeitgenossen, die es wohl für eine Heldentat halten, diese Naturwunder platt zu machen."

Sprichwörtlich dem Erdboden gleich gemacht haben Unbekannte die Gebilde. Dabei sind sie nicht nur spektakulär, die Haufen der Waldameisen, sie erfüllen auch wichtige Funktionen im ökologischen Wirkungsgefüge des Waldes.

"Besonders geschützt nach Bundesartenschutzverordnung sind die Waldameisen", erläutert Markus Krebs. Er ist Leiter des Forstbezirks Gaggenau. Manche Arten stehen bereits auf der Vorwarnlisten der Roten Liste. Krebs und Revierförster Dieter Wetzel kennen einige dieser Gebilde, zum Beispiel im Stadtwald von Gernsbach auf Gemarkung Reichental.

Nahrung für Specht und Auerhuhn

Die Insekten bilden einen hoch spezialisierten Sozialstaat mit "Innendienst und Außendienst", erläutert Markus Krebs. "Hofstaat der Königin, Brutpflegerinnen, Klimatechniker, die die Luken schließen, Bauarbeiterinnen, Trägerinnen, Botinnen, Soldatinnen, Räuberinnen, Melkerinnen" - fast wie im menschlichen Alltag geht es in einem Ameisenhaufen zu - nur ungleich besser organisiert.

Rund 110 Arten gibt es in Deutschland, davon 23 Waldameisenarten. Sie fressen andere Insekten, zum Beispiel auch Borkenkäferlarven, insofern sind sie Nützlinge. Sie tragen zu Samenverbreitung bei von Waldveilchen, Waldanemone oder Perlgras.

Und: Sie sind selber Teil der Nahrungskette und dabei insbesondere wichtig für alle Spechtarten. Diese fressen gerne die Larven und Puppen. "Mehr als 50 Prozent der Nahrung eines Grünspechts sind Ameisen", weiß Markus Krebs. In den Hochlagen, im Grenzgebiet zum Höhengebiet Kaltenbronn, sind Ameisen wichtig für die Eiweißversorgung der Auerhühner - die somit nicht nur von Heidelbeeren allein satt werden.

Um die Ameisenhaufen zu schützen, wurden sie jahrzehntelang mit Schutzhauben aus Drahtgeflecht eingehaust. Diese gut gemeinten Eingriffe werden heute nicht mehr vorgenommen. Denn Ameisenhügel sind keine statischen Gebilde - sie verändern ihre Lage und wachsen. Die Umrandung aus Draht und Holz wird somit Teil des Gebildes - und Einlasstor für Niederschlagswasser und damit Pilzbefall.

Teilbesonnte Lagen an Wald- und Wegesrändern sind bevorzugte "Wohnlagen" der Ameisen. Dieser Umstand wurde ihnen nun bei Langenbrand zum Schaden.

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