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"Wir wollen ja kein Gemeindeersatz sein"
Helge Rieger. Foto: Rohwer
17.11.2017 - 00:00 Uhr
Gaggenau - Helge Rieger (58) stammt aus Michelbach, wohnt in Gaggenau und arbeitet als Rektor der Klingenbachschule in Forbach. Seit Sonntag ist er darüber hinaus Vorsitzender eines neuen Vereins: "Gebetshaus Bad Rotenfels" hat das Ziel, die Johanneskirche zu retten und überkonfessionell zu nutzen. Thomas Senger sprach mit dem verheirateten Vater von zwei erwachsenen Söhnen.

BT: Herr Rieger, wo sind Sie bislang kirchlich engagiert?

Helge Rieger: Einerseits engagiere ich mich in der Baptistengemeinde Gernsbach, andererseits habe ich mehrere Jahre den Kirchenchor in Staufenberg geleitet. Darüber hinaus war ich dreizehn Jahre im katholischen Familienchor in Michelbach aktiv. Ich habe keine Berührungsängste.

BT: Warum haben Sie sich der Gebetshaus-Initiative angeschlossen?

Rieger: Die Entwicklung der geistlichen Situation im Murgtal verfolge ich seit vielen Jahren mit großem Interesse. Dabei musste ich feststellen, dass es sowohl auf katholischer als auch evangelischer Seite zu Gemeindezusammenlegungen kam. Mir ist es wichtig, da gegenzusteuern, und so schien mir die Gebetshausinitiative geeignet, konkret aktiv zu werden.

BT: Als Vorsitzender des neuen Vereins tragen Sie eine besondere Verantwortung.

Rieger: Das ist richtig, aber wir sind ein Vorstand, in dem nicht einer alleine entscheidet. Das besprechen wir intensiv gemeinsam. Auch der Rat und die Mithilfe der Vereinsmitglieder sind gefragt.

BT: Ziel des Vereins ist es, 500000 Euro zu sammeln, um das Kirchengebäude und das Gemeindezentrum zu kaufen. Wie viel Spendengeld hat der Verein bereits?

Rieger: Das Hauptziel des Vereins ist es, dass die praktische Bedeutung des Gebets neu erkannt wird. Alles andere ist dem nachgeordnet. Was die 500 000 Euro angeht, so ist darin auch eine gewisse Summe für eine erste Sanierung enthalten. Momentan liegen uns schriftliche Absichtserklärungen über 20 000 Euro vor.

BT: Der Kauf ist das eine. Aber der langfristige Erhalt und der Betrieb des Hauses sind nochmal etwas Anderes. Wie soll das organisiert und finanziert werden?

Rieger: In dem Maße, wie ein Gebetshaus Kreise zieht und wächst, beginnt es sich selbst zu tragen, auch was den Erhalt angeht. Das zeigen Beispiele anderer Gebetshäuser. Je nach Entwicklung wird man im Lauf der Zeit sicher auch über hauptamtliche Strukturen nachdenken müssen.

Interview

BT: Ist das alles nicht ein bisschen ambitioniert?

Rieger: Es ist gut überlegt, aber es ist natürlich ein Glaubenswagnis. Für uns ist jetzt vor allem die Finanzierung sehr dringlich, weil der Verkauf ansteht.

BT: Was passiert, wenn die evangelische Gemeinde Gaggenau Ihnen nicht verkauft?

Rieger: Die Johanneskirche scheint uns von ihrer Ausstattung und Lage her sehr günstig zu sein. Aber: Die Initiative Gebetshaus ist nicht untrennbar mit dieser Immobilie gekoppelt.

BT: Was ist denn der Alternativstandort?

Rieger: Wir haben im Moment keinen, aber wir haben Signale von Kirchengemeinden beider Konfessionen im Murgtal, dass wir bei ihnen Räume bekommen könnten.

BT: Als Repräsentant einer "Kirche von unten" sind Sie schon so etwas wie ein Stachel im Fleisch des Kirchenestablishments, oder?

Rieger: Nicht unbedingt. Wir haben durchaus positive Reaktionen auch von evangelischen, katholischen und freikirchlichen Pfarrern, die sagen, man könne froh sein, dass es unser überkonfessionelles Engagement gibt. Wir wollen ja auch kein Gemeindeersatz sein, unser Ziel ist vielmehr, den bestehenden Gemeinden zuzuarbeiten.

BT: Sie sind keine Konkurrenz?

Rieger: Nein. Wir haben eigens deshalb in der Satzung aufgenommen, dass wir unseren Mitgliedern eine Mitgliedschaft in einer Kirchengemeinde empfehlen. Es ist unser Ziel, die bestehenden Kirchengemeinden zu unterstützen.

Wir sind besorgt, dass die Kirchen von anhaltendem Mitgliederschwund betroffen sind. Auch junge Leute kehren ihnen immer mehr den Rücken und empfinden sie für ihr Leben nicht mehr als relevant, worauf vor wenigen Tagen erst EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm hingewiesen hat. Das darf uns nicht kalt lassen. Wichtig erscheint uns ein überkonfessioneller Ansatz. Nur gemeinsam kann eine Wende gelingen. Ich kenne in allen Kirchengemeinden Leute, vor denen ich den Hut ziehe und deren Mithilfe gebraucht wird. Und um es ganz deutlich zu sagen: Eine weitere Freikirche im Murgtal löst das Problem nicht.

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