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Bund und Land versäumen Impulse für Wohnungsbau
20.11.2017 - 00:00 Uhr
Gaggenau (tom) - Mit einer traurigen und überraschenden Nachricht musste Wolfgang Freidel die Teilnehmer der Mitgliederversammlung der Gaggenauer Heimstättengenossenschaft am Freitagabend in St. Josef begrüßen: Am Mittwoch war der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Günther Höflinger im Alter von 79 Jahren verstorben (siehe "Nachruf").

Morgen wird der Aufsichtsrat zusammentreten, um über die neue Situation zu beraten. Der derzeitige stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, Wolfgang Freidel, ließ am Freitagabend durchblicken, dass er bereitstünde, um die Nachfolge Höflingers anzutreten. Der turnusmäßig zur Wiederwahl anstehende Jochen Haller wurde am Freitagabend einstimmig wiedergewählt.

Ebenso einstimmig wählten die anwesenden rund 70 Mitglieder Dominik Lang (29) neu in das Gremium. Lang arbeitet als Firmenkundenberater bei der Sparkasse Baden-Baden-Gaggenau. Anders als geplant muss nun trotz der Neuwahl Langs erneut ein weiterer Kandidat für den Aufsichtsrat gefunden und gewählt werden, um das Gremium wieder zu komplettieren.

Der Vorstandvorsitzende Günter Dürr richtete bei der Mitgliederversammlung den Blick auf die Rahmenbedingungen des Jahres 2016: Trotz sehr guter Umstände hätten es Bund und Land versäumt, entscheidende Impulse beim Wohnungsbau zu setzen. Die Wohnraumnachfrage werde 2017 anhalten. Die Stadt ihrerseits habe sich auf Wohnraum im mittleren und oberen Preissegment konzentriert, "so dass wir nicht alle Wohnungssuchenden mit dem erwünschten Wohnraum versorgen konnten". Die Genossenschaft habe zwischenzeitlich durch Modernisierungen einen guten Standard bei ihren Wohnungen erreicht. Die Erneuerung eines Teils der insgesamt 190 Wohnungen mit Blick auf den demografischen Wandel werde weiter ein Schwerpunkt sein. Gut ausgebaute Wohnungen würden die Ertragskraft der Genossenschaft stärken, auch im Segment des "bezahlbaren Wohnraums".

Der Wohnungsmarkt im Bereich Sozialwohnungen und bezahlbaren mittleren Segment stehe auch in Gaggenau unter Druck. Deshalb sehe sich auch die Genossenschaft in der Pflicht, hier aktiv zu werden. Überzogene Auflagen und Reglementierungen stünden dem oft entgegen.

Dürr ging auch auf den geplanten Abriss von vier Häusern in der Theodor-Bergmann-Straße ein; diese sollen größeren und modernen Neubauten weichen (das BT berichtete). Die Vorhaben seien notwendig, betonte der Vorstandsvorsitzende. Denn ohne zeitgemäßen und zukunftsfähigen Wohnraum könne die Genossenschaft ihrem Auftrag nicht gerecht werden. Auch eine Genossenschaft sei zu wirtschaftlichem Denken verpflichtet, deshalb habe sie sich zum Abriss der bestehenden Häuser entschlossen und zum Neubau von vier größeren Immobilien mit jeweils neun Wohneinheiten statt bislang vier. Alle Wohnungen werden mit Balkon ausgestattet und barrierefrei zu bewohnen sein. Ein Aufzug sei ebenfalls geplant. Drei Bauabschnitte über mehrere Jahre hinweg sind geplant.

Stadtverwaltung fehlt "jegliche Flexibilität"

Zuerst werde das Haus Nr. 23 abgerissen, das bereits leer steht. Für alle Mieter dort habe man individuelle und einvernehmliche Lösungen gefunden und beim Wohnungswechsel Unterstützung gewährt. Mit den anderen Mietern werde man ebenfalls sprechen. Dürr kritisierte deutlich die Stadtverwaltung, die es der Genossenschaft erschwere, als einem der größten Anbieter preisgünstigen Wohnens im lokalen Markt, den Herausforderungen gerecht zu werden: "Jegliche Flexibilität fällt der sprichwörtlich deutschen Gründlichkeit zum Opfer."

Gleichwohl sei der Vorstand zuversichtlich, über das anstehende Jubiläum hinaus auf einem guten Weg zu sein. "Unsere Genossenschaft kann im nächsten Jahr auf ihr hundertjähriges Bestehen zurückblicken. Am 30. Juni werde dieses Ereignis gebührend feiern", sagte Dürr und schob nach, "freuen wir uns schon heute darauf."

Janette Wicke erläuterte die Bilanzzahlen. Der Aufsichtsrat seinerseits bestätigte, "die Genossenschaft hat wiederum gut gewirtschaftet", für anstehende Aufgaben sei man gerüstet, warb Wolfgang Freidel um Genehmigung des Jahresabschlusses. Auch die gesetzliche Prüfung der Geschäftsführung und der wirtschaftlichen Verhältnisse bestätige ein ordnungsgemäßes Wirtschaften von Vorstand und Aufsichtsrat. Einer einstimmigen Genehmigung des Jahresabschlusses durch die rund 70 anwesenden Mitglieder stand damit nichts im Wege.

Lothar Volle würdigte den verstorbenen Aufsichtsratsvorsitzenden Günther Höflinger mit hehren Worten zum Abschluss. Unabhängig davon sei es ihm "eine Freude", die Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrats vorzuschlagen, was die Mitglieder einstimmig mit Zustimmung quittierten.

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