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"Kindlicher" Sprühtaumel mit Straßenbahn-Feuerlöscher
'Kindlicher' Sprühtaumel mit Straßenbahn-Feuerlöscher
22.11.2017 - 00:00 Uhr
Gernsbach (ham) - "Ich habe Angst, wieder hin zu müssen. Es war nicht lustig im Gefängnis mit Mördern und Sexualstraftätern", flehte der 32-Jährige und versprach, "ich will mein Leben ab sofort richtig erwachsenengemäß führen und keinen Blödsinn mehr machen!" Selten stand ein Angeklagter vor dem Kadi, der binnen 100 Minuten so häufig Missetaten gestand, Einsicht zeigte und Besserung gelobte: "Es tut mir leid. Ich habe einen Denkzettel verdient."

Die hehren Worte hörte Richter Ekkhart Koch wohl, doch hatte ihn allein das Vorlesen des Bundeszentralregisters schon ermattet. Entsprechend monoton trug er gestern in Gernsbach die 27 Einträge, die der Murgtäler seit 2003 anhäufte, vor: Diebstähle, kleinere Drogendelikte, Schwarzfahren und Fahren ohne Fahrerlaubnis wurden mit bis zu 130 Tagessätzen sowie Bewährungsstrafen geahndet. Allerdings erst das Ignorieren von Vorladungen ans Amtsgericht führte den Angeklagten am 13. Oktober ins Gefängnis. Zuvor wurde er jedoch 2017 fünfmal beim Schwarzfahren erwischt. Höher wog indes der Vorwurf des Hausfriedensbruchs, weil der Stadtbahn-Betreiber dem Angeklagten bereits im September 2016 ein Hausverbot auf ein Jahr erteilt hatte.

Hinzu gesellte sich am 29. August ein Fall von Diebstahl und Körperverletzung: Der Murgtäler montierte - trotz der Einwendungen einer 18-jährigen Bekannten, die von Forbach nach Weisenbach mitfuhr und gestern als Zeugin auftrat - einen rund 30 Euro teuren Feuerlöscher unter einem Stadtbahn-Sitz ab und nahm diesen mit nach draußen, als er am Zielort ausstieg. Dort besprühte der Mann das Gefährt - und erwischte hernach im "kindlichen" Sprühtaumel, wie es sein Verteidiger ausdrückte, eine Frau. Sie erlitt eine Reizung der Atemwege und Augenbrennen.

Der Angeklagte wollte dies auf Grund starken Alkoholkonsums erst am nächsten Tag erfahren haben. Die Polizei hatte ihm kurz nach der Tat 1,78 Promille attestiert, weil ein Nachbar die Ordnungshüter gerufen und behauptet hatte, der Angeklagte habe "Zeug" auf ihn geworfen. Das führte zu keiner Anzeige. Der Täter schwor künftig dem Alkohol ab, bedauerte sein Verhalten und will sich bei der Geschädigten, die er bis heute nicht kenne, entschuldigen. "Ich hab's begriffen. Ich muss mich kümmern. Es ist ja ein Witz, dass ich wegen 1,90 Euro für ein Ticket Ärger kriege", zeigte sich der Angeklagte einsichtig.

Der Staatsanwalt ließ den Vorwurf des Hausfriedensbruchs fallen, weil der Mann nicht nur die Postsendung mit dem Hausverbot ungeöffnet gelassen hatte, forderte aber wegen des Vorstrafenregisters sieben Monate Haft. Dank der brillanten Rede seines Verteidigers, der mit Koch auf einer Linie lag und dem 32-Jährigen mit kindlichem Gemüt einen Denkzettel verpassen wollte, fiel das Urteil milde aus: sechs Monate auf Bewährung. Der stets arbeitswillige Mann kann dadurch am 1. Dezember einen neuen Job antreten - so er auch bei einem schwebenden Verfahren in Rastatt 19 Monate Haft auf Bewährung ausgesetzt bekäme.

In die Haftanstalt fuhr der frisch Entlassene dann doch freiwillig mit seinen zwei Justizbeamten: "Weil es einfacher ist, um meine Sachen abzuholen. Heim komme ich schon irgendwie", fügte der Verurteilte an, wonach sein Verteidiger süffisant warnte: "Aber nicht, dass Sie schwarzfahren!"

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