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Lärmgutachten vertreibt Euphorie
Der nächtliche Lärm durch den Lieferverkehr des angrenzenden Gärtnereibetriebs verhindert eine Wohnbebauung auf dieser wertvollen innerstädtischen Fläche. Foto: Juch
22.11.2017 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Das Bauvorhaben auf dem Gelände des ehemaligen Getränkehandels Lorenzen in der Schwarzwaldstraße kann nicht wie geplant umgesetzt werden. Wie berichtet, sollte dort in zwei Komplexen eine Mischung aus Wohnanlage und Gewerbe entstehen. Die Ergebnisse des eingeholten Lärmgutachtens machen dem jedoch einen Strich durch die Rechnung: Sie haben gezeigt, dass das Wohnkonzept so nicht durchsetzbar ist, wie Baurechtamtsleiter Albert Betting am Montag im Gemeinderat bekanntgab.

Um das Projekt in abgewandelter Form weiterverfolgen zu können, ist das Gremium mehrheitlich dem Verwaltungsvorschlag gefolgt, den vorhabenbezogenen Bebauungsplan der Innenentwicklung "Rechte Murgseite" in einen sogenannten Angebotsbebauungsplan umzuwandeln. Dieser sieht zwei Bauabschnitte vor: Zunächst (zeitnah) den Bau des Hauses im vorderen Bereich (an der Schwarzwaldstraße), in dem die Geschäftsräume der Firma Rolliprofi Fahrdienste GmbH und die Tagespflegeeinrichtung der Sozialstation Gernsbach einziehen sollen, und dann (als Option) Gebäude zwei, für das nun ein neues Konzept erarbeitet werden muss.

Haken an der Sache ist folgender: Der Bauherr, die Firma ABCE (A better Choice of Estate GmbH & Co. KG), wollte durch die insgesamt 24 Einheiten aus Wohnen und Gewerbe auch die Erlöse für den Bau einer Tiefgarage generieren, um die ohnehin schon angespannte Verkehrs- und Parksituation im Bereich der Schwarzwald- und der Eisenlohrstraße zu entspannen. Dieses Konstrukt funktioniert nun nicht mehr, weshalb eine Tiefgarage im ersten Bauabschnitt aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr vorgesehen ist.

Die Tiefgarage sei zwar "vorerst vom Tisch, aber nicht abgeschrieben", betonte Bürgermeister Julian Christ und legte seine Hoffnungen in den zweiten Bauabschnitt. Sylvia Felder (CDU) sprach angesichts der unvorhergesehenen Neuplanung von einer Situation, die man als Gemeinderat "nicht unbedingt liebt". Man tue sich schwer mit den parkenden Autos, die ohne Tiefgarage für eine weitere Verschärfung des ohnehin stark frequentierten Bereichs sorge: "Wir stimmen zu, weil wir darauf vertrauen, dass der zweite Bauabschnitt kommt - samt Tiefgarage."

Vertrauen alleine war dem Fraktionssprecher der Freien Bürger, Uwe Meyer, nicht genug. Er forderte, den Bau einer Tiefgarage für das zweite Gebäude verpflichtend festzuschreiben. Das sei machbar, bestätigte Bauamtsleiter Jürgen Zimmerlin. In den Worten Meyers schwang etwas Wehmut mit: "Der erste Entwurf war wirklich toll", der Lärmschutz sei aber notwendig, auch wenn er städtebauliche Einschränkungen mit sich bringe. Dennoch wolle seine Fraktion signalisieren, dass man hinter dem Projekt stehe.

Die SPD forderte als einzige Fraktion ein Gesamtkonzept für das Areal, das in einem Rutsch (nicht zweigeteilt) realisiert wird. Es stelle sich die Frage, "wo wollen wir hin mit der Schwarzwaldstraße", betonte Dr. Irene Schneid-Horn. Die Sozialdemokraten befürchten einen weiteren großen Parkplatz im hinteren Bereich des Geländes, sollte der zweite Bauabschnitt nicht realisiert werden. Diese Bedenken wies Albert Betting zurück: "Bei vernünftiger Betrachtung wird kein Investor diese wertvolle Fläche langfristig als Parkplatz nutzen."

Pläne für Tagespflege nicht betroffen

Die Anträge der SPD, die Parkplätze für das neue Objekt an der Schwarzwaldstraße schräg anzulegen und eine Tiefgarage bereits für den ersten Bauabschnitt einzufordern, wurden mehrheitlich abgelehnt. Auch der Vorschlag von Fred Schiel, einen Geh- und Radweg entlang des Grundstücks anzulegen, wurde zurückgewiesen. Das sei unter anderem aus Platzgründen nicht machbar, erklärte Zimmerlin.

Mit der geplanten Nutzung des ersten Gebäudes (Mischung aus Firmensitz und Tagespflege) zeigten sich alle Gemeinderäte voll einverstanden. Für die Einrichtung einer Tagespflege gelten die Vorschriften aus dem Lärmgutachten nicht. Die Pläne der Sozialstation Gernsbach, eine solche im Neubau in der Schwarzwaldstraße anzusiedeln, bleiben also von der neuen Situation unbeeinflusst, wie Geschäftsführerin Elisabeth Ratz auf BT-Anfrage erklärte.

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