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Langjährigen Jagdpächter aus dem Revier vertrieben
24.11.2017 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Peter Scheuermann ist enttäuscht: "Das Thema Reichental ist für mich durch." Seit 1971 bewohnt er das zur Pacht des Jagdbogens Süd dazugehörige Jagdhaus, jetzt hat ihn der Gemeinderat quasi vor die Tür gesetzt. In nicht-öffentlicher Sitzung hat das Gremium mit großer Mehrheit beschlossen, die Verlängerung der Jagdpacht abzulehnen und sie anderweitig zu vergeben. Das gab Bürgermeister Julian Christ bekannt.

Auf BT-Nachfrage erklärt Ortsvorsteher Bernhard Wieland, dass Scheuermann den Abschussplan fast immer eingehalten habe, es in Reichental dennoch immer wieder zu Klagen über den Jagdpächter gekommen sei - insbesondere was den Schwarzwildabschuss und die Schadensregulierung anbelange. Dies sei auch mehrfach im Ortschaftsrat thematisiert wor- den. Trotzdem hat das Gremium jüngst dem Antrag Scheuermanns auf Verlängerung der Jagdpacht um weitere drei Jahre mehrheitlich zugestimmt - verbunden mit zusätzlichen Auflagen, zum Beispiel den Jagddruck auf Schwarzkittel zu erhöhen. Diese Empfehlung hat der Ortschaftsrat auch an den Gemeinderat weitergereicht, informiert Wieland.

Warum das Stadtparlament dann mit rund 80 Prozent der Stimmen einen anderen Weg einschlug und den Jagdbogen Reichental Süd neu ausschreiben will, versteht Scheuermann nicht, auch würden dies "viele im Ort" bedauern. Vor allem die Tatsache, dass es keinerlei Kontaktaufnahme zu ihm gegeben habe, stört den langjährigen Jäger: "Die kennen uns gar nicht. Aber mit uns hat sich keiner in Verbindung gesetzt, es gab keine Erklärung. Das ist nicht in Ordnung. Über diese Gangart bin ich schon sehr enttäuscht." Mit "uns" meint Scheuermann sich und seine Frau Cornelia, die seit gut fünf Jahren ebenfalls als Jägerin in Reichental aktiv ist. Gemeinsam habe man immer alles getan, was zu den Pflichten eines Jägers dazugehört, und sich stark eingebracht, Wege instand gehalten, Schäden mit dem Mulcher reguliert und vieles mehr, betont Scheuermann: "Wir sind nichts schuldig geblieben."

Die vom Ortsvorsteher angemahnten Probleme mit der zunehmenden Schwarzwildpopulation und den damit verbundenen Folgen für Reichental lässt der erfahrene Waidmann nicht als Erklärung gelten für die Beendigung des Pachtverhältnisses. "Das Schwarzwild hat überall zugenommen", erklärt Scheuermann und verweist darauf, dass die Problematik in Reichental auch ein Stück weit hausgemacht sei: In dem idyllischen Gernsbacher Stadtteil hat die Nutztierhaltung zum Zwecke der Landschaftspflege in den vergangenen Jahren sukzessive zugenommen, viele Flächen im Jagdbogen Süd seien immer wieder eingezäunt. Dort dürfe man nicht jagen, um die Nutztiere nicht zu gefährden. Hinzu komme, dass die gepflegten, naturgedüngten Flächen Schwarzkittel verstärkt anziehen, weil die Tiere dort besser Nahrung finden. "Und diese Flächen muss ich dann auch noch herrichten", klagt Scheuermann. Ein weiteres Problem in Reichental sei der "immense Freizeitdruck". So hielten sich dort immer mehr Menschen am Waldrand oder im Wald auf, Nachtwanderer störten vermehrt die Jagdausübung.

Es ist ein Dilemma: Einerseits sollen die Jäger mehr schießen, andererseits gibt es mehr Einschränkungen. Das ist auch Ortsvorsteher Bernhard Wieland bewusst: "Es herrscht immer mehr Betrieb im Wald." Seiner Meinung nach müsste das Jagdgesetz den Jägern mehr Freiheiten lassen, stattdessen schreibt es aber zum Beispiel eine zweimonatige Jagdruhe im Frühjahr vor. Er hofft, dass der neue Pächter des Jagdbogens Reichental Süd das Schwarzwildproblem besser in den Griff bekommt. Die Ausschreibung erfolge in den nächsten Tagen. Das Pachtverhältnis mit Peter Scheuermann endet zum 31. März 2018. Wegen der Modalitäten zur Ablösung des Jagdhauses hat der langjährige Jäger demnächst einen Termin mit Bürgermeister Julian Christ.

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