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Traurige Gestalt gefällt als Schelm
Alex Manz (links) und Rainer Thienel überzeugen als Ritter, der gegen Windmühlen kämpft, und als Knappe Sancho Pansa.  Foto: Aschenberg
28.11.2017 - 00:00 Uhr
Gernsbach (axa) - Es war viel weniger der Ritter von der traurigen Gestalt als ein Schelm und Komödiant, den die Gernsbacher Bürgerbühne am Samstag präsentierte: Unter der Regie des erfahrenen Schauspielers Hendrik Pape gefiel "Don Quijote" bei der Premiere in der Alten Turnhalle in Hilpertsau.

In der Adaption des weltberühmten Cervantes-Stoffs durch Lutz Hübner ist bereits im Bühnentext eine humorvolle Brechung des grenzenlosen Optimismus des jungen Ritters, der die Welt verbessern will, angelegt. Der Pfarrer (Bernd Mertens) und die Haushälterin (Isolde Kleinstück) holen den jungen Helden, den Alex Manz mit Elan verkörpert, nach vielen Scheingefechten schließlich wieder nach einem letzten Kampf nach Hause in die Realität zurück. Kurz zuvor hatte er noch schwadroniert: "Was soll ich Ritterromane lesen, wenn ich selbst Abenteuer erleben kann?" Eine vor dem Hintergrund von Heranwachsenden, die sich fest im Griff von virtuellen Spielewelten befinden, hochaktuelle Aussage.

Eine moderne Inszenierung im Charakter einer Bühnenwerkstatt überzeugt mit reduktionistischem Bühnenbild, durch Ortswechsel im Spiel, mit Gong statt Bühnenvorhang, geschickt eingeflochtenen Beiseitesprechens und Erzählerstimmen von diversen Positionen aus. In verschiedenen Settings zeigt sich dem Publikum, wie absurd ein Kampf mit "Windmühlen" sein kann: Etwa in dem von Sancho Pansa (Rainer Thienel), der sich als getreuer Knappe zur Freude des Publikums darüber beschwert, zu oft verprügelt zu werden. Oder als Don Quixote aus seiner subjektiv, wahnhaften Gerechtigkeitsvorstellung Sträflinge befreit und so den Amtsvollzug stört. Mit Nachttopf als Schwert bewaffnet kann Don Quixote keine Siege erringen.

Zur Auflockerung tragen auch die humorvollen Sprüche von Isolde Kleinstück als Haushälterin und Sträfling bei. Heide Eisinger zeigt als Sträfling wie Friseur, der Don Quixote frisieren will und diesen schließlich überrascht zum Ritter schlägt, ihre schauspielerische Wandelbarkeit. Etwas starr bleibt die von Don Quixote wahnhaft umworbene Dulcinea als Herzogin (Anke Fichtler), sie gewinnt aber beim Liebeswerben in einer Kaschemme an Ausstrahlung. Elisabeth Fritz zieht als Puppenspielerin die kindliche Aufmerksamkeit von Don Quixote auf sich. Auch hier passt es zur Handschrift der komödiantischen Inszenierung, dass sie mit Stofftieren die Kämpfe des wahnhaften Ritters nachstellt.

Nach all den Strapazen als Knappe freut sich ein erleichterter Sancho Pansa zu Hause darauf, seinem Herrn Fische aus der Murg zu präsentieren. So fügt sich Lokalkolorit passend zum urbanen Charakter des Originals von Cervantes ein.

Als weitere Aufführungstermine sind Samstag, 2. Dezember (19.30 Uhr), und Sonntag, 3. Dezember (15 Uhr), geplant.

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