http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Ein Ziel: Mitbestimmung bei der eigenen Arbeitszeit
Claudia Peter.  Foto: av/tom
30.11.2017 - 00:00 Uhr
Gaggenau (tom) - Erwartet einstimmig stärkten die Delegierten gestern Abend der ersten Bevollmächtigten den Rücken: Geschlossen wollen die Vertreter der IG Metall Gaggenau in die Tarifrunde gehen. Im Zentrum stehen, wie berichtet, eine Forderung nach Entgelterhöhung um sechs Prozent sowie die Möglichkeit, starre Arbeitszeiten an persönliche Bedürfnisse angleichen zu können.

Im Steinbeis-Haus in Ottenau richteten die Delegierten auch den Blick auf die Mitgliederentwicklung im Geschäftsstellenbereich. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist ein Anstieg zu verzeichnen auf 23400 Mitglieder. Bei der wichtigen Kennziffer der betriebsangehörigen Mitglieder will die IG Metall zulegen. Hier liegt man mit rund 14800 leicht über dem Vorjahreswert von 14600.

Lob gab es von Martin Gürtler von der Bezirksleitung in Stuttgart für das "gut strukturierte Vorgehen" der Verwaltungsstelle in den vergangenen Jahren - nicht zuletzt beim erfolgreichen Bestreben, die Belegschaften relevanter Betriebe in die IG Metall zu integrieren. Hier hat man vor Ort insbesondere die Unternehmen Pister, Schmitt, Rauch und Grammer im Blick. Bei den Auszubildenden liegt der Organisationsgrad derzeit bei 67 Prozent. Man sieht sich auf einem guten Weg, wie jedes Jahr 80 Prozent aller neuen Auszubildenden und dual Studierenden für die IG Metall gewinnen zu können.

Claudia Peter umriss die allgemeine wirtschaftliche Situation: Die Tarifentwicklung habe sich zwar von der Arbeitsproduktivität abgekoppelt. Dies sei aber kein Problem, schließlich floriere die Wirtschaft seit 2010. Es sei derzeit "nicht mal in abgeschwächter Form mit einer Krise zu rechnen", so Peter. Die IGM berichtet von einer derzeitigen Auslastung der Betriebe deutlich über 85 Prozent bei gleichzeitigem Anstieg der Beschäftigung.

Die Rendite sei "seit einigen Jahren sehr in Ordnung"; der Anteil von Betrieben, denen es schlecht gehe, sei sehr gering, sagte Peter im Pressegespräch. Bei einer mittelfristigen Produktivitätsentwicklung von einem bis 1,5 Prozent und einer Zielinflationsrate der EZB von zwei Prozent sei die Forderung von sechs Prozent eine realistische Verhandlungsgrundlage. Gleichwohl sei die IG Metall "keine Entgeltmaschinerie", sondern es stünden immer wieder qualitative Forderungen im Raum.

Bislang, so die IGM, orientiere sich die Arbeitszeit an den Bedürfnissen der Arbeitgeber, zum Beispiel bei Sonderschichten oder Kurzarbeit. Da bleibe die "Zeitsouveränität" der Beschäftigten auf der Strecke. Doch Befragungen zeigten, dass von diesen mehr Einflussnahme auf persönliche Arbeitszeit gewünscht werde.

Messlatte sei nach wie vor die 35-Stunden-Woche. Es gebe kein massives Bedürfnis nach genereller Wochenarbeitszeitverkürzung, betonte Peter. Doch fühlten sich viele Beschäftigte unter starkem Zeit- und Leistungsdruck. Und es bestehe ein Bedürfnis nach besserer Vereinbarkeit von Arbeit und Leben und nach Reduzierung der Arbeitszeit bei älteren Schichtbeschäftigten.

"Arbeitszeit ist für uns und auch die Arbeitgeber immer ein hochemotionales Thema", gab Claudia Peter im BT-Gespräch zu bedenken. Während die Arbeitgeber "kollektive und individuelle Verlängerung der Arbeitszeit und damit mehr Flexibilität wollen", habe die IGM ein anderes Ziel: gesicherte Ansprüche für eigene Arbeitszeitgestaltung

Dies könne attraktiv sein für Schichtarbeiter, Eltern oder Menschen, die pflegebedürftige Angehörige haben. Unterm Strich geht es darum: Wenn man mehr Freizeit braucht, zum Beispiel aus familiären Gründen, dann soll nicht der komplette Zeitgewinn vom Entgelt abgezogen werden.

Die nächste Verhandlungsrunde ist am 14. Dezember. Die Friedenspflicht dauert bis Ende des Jahres. Peter: "Wir brauchen nicht von vorneherein die Warnstreik-Rituale, aber wenn es nicht anders geht, dann werden wir darauf zurückgreifen" - dies könnte ab dem 8. Januar der Fall sein. Bei Warnstreiks kann es zusätzliche Eskalationsstufe geben: 24-Stunden-Warnstreik bundesweit, nach ersten zwei Warnstreikwellen und vor Urabstimmung und Streik.

Im Prinzip könnten sich die Betriebe angesichts der sehr guten Auslastung Ausfalltage durch Warnstreiks nicht leisten, so Peter. Gleichwohl werde auch die IG Metall kompromissbereit sein. Der Pforzheimer Kompromiss 2004 mit Otmar Zwiebelhofer sei in sehr guter Erinnerung, so Claudia Peter.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Östersund
Schempp: ´Besser als 2016´

30.11.2017
Biathlon: Schempp jagt Fourcade
Östersund (red) - Deutschlands Top-Biathlet Simon Schempp startet als Herausforderer Nummer eins des Franzosen Martin Fourcade in die am Donnerstag im schwedischen Östersund beginnende Weltcup-Saison. "Ich bin besser in Form als noch 2016", sagt der 29-Jährige (Foto: dpa). »-Mehr
Freiburg
--mediatextglobal-- Die Initiative Bike Bridge aus Freiburg freut sich über den Deutschen Integrationspreis. Weibliche Flüchtlinge lernen dort Radfahren und werden so mobiler. Foto: Peter Herrmann

30.11.2017
Radfahren mit Integrationsidee
Freiburg (red) - Mit insgesamt 100 000 Euro ist der Deutsche Integrationspreis dotiert. Als Sieger ging das Freiburger Projekt Bike Bridge aus dem Wettbewerb hervor. Das Projekt veranstaltet Kurse für Flüchtlingsfrauen, in denen sie das Fahrradfahren lernen können (Foto: Herrmann). »-Mehr
Leipzig
Mit Zuckerbrot und Peitsche

30.11.2017
Heim-WM: Auftakt gegen Kamerun
Leipzig (red) - Es ist angerichtet: Die deutschen Handballerinnen um Kapitänin Anna Loerper starten am Freitag in Leipzig gegen Kamerun in die Heim-Weltmeisterschaft. Das erklärte Verbandsziel für das Team von Trainer Michael Biegler ist das Erreichen des Halbfinales (Foto: dpa). »-Mehr
Bühl
Das Besondere im Alltäglichen entdecken

30.11.2017
"Bilder unserer Heimat"
Bühl (red) - Der Kalender "Bilder unserer Heimat 2018" huldigt der Region um Bühl: 14 Farbfotos widmen sich deren Menschen, Landschaften und Ereignissen. Die Sparkasse Bühl gibt den Kalender heraus. Die Motive hat Fotograf Werner Vetter "eingefangen" (Foto: wv). »-Mehr
Ottersweier
´Behördlicher Offenbarungseid´

29.11.2017
Interview zum Thema Hundseck
Ottersweier (gero) - Nach der "weltfremden" Entscheidung des Regierungspräsidiums (RP) Karlsruhe, die Abrissverfügung des Landratsamts Rastatt aufzuheben, sieht der Ottersweierer Bürgermeister Jürgen Pfetzer die Behörden durch die Eigentümer "am Nasenring durch die Manege gezogen" (Foto: Hammes). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Die SPD prüft, mit der Union eine Kooperationskoalition einzugehen, in der nur Verabredungen zu Kernthemen getroffen und andere Fragen mit wechselnden Mehrheiten entschieden werden. Halten Sie das für realistisch?

Ja.
Nein.
Weiß nicht.

Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen