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Der Nachbarsjunge erreicht früh gestecktes Ziel
07.12.2017 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Loffenau - Abgesprochen hatten sie sich nicht. Aber die Anekdote ist einfach zu schön, um sie bei dieser Gelegenheit unerwähnt zu lassen. So erzählten Pfarrer Willi Ratz und Neubürgermeister Markus Burger bei dessen Amtseinführung am Dienstagabend von der Geschichte, als der zehnjährige Markus beim Fangen spielen mit dem Pfarrerssohn sprichwörtlich mit der Tür ins Haus des Geistlichen gefallen war. "Nur Schnittwunden und Prellungen" habe er beim Sturz durch die Glastür erlitten, "keine bleibenden Schäden", wie Burger berichtete. Und Ratz ergänzte: "Es passieren manchmal Dinge, die man einfach nicht glauben kann: Wer hätte das gedacht, dass der Junge von nebenan, der mit meinen Kindern gespielt hat, mal der neue Steigerwald werden würde?"

Damals, vor 23 Jahren, war Burgers Vorgänger bereits 17 Jahre Loffenauer Bürgermeister. Als Steigerwald den Amtseid sprach, war sein Nachfolger noch nicht mal geboren. Statistiken, die verdeutlichen, welch besonderes Ereignis am Dienstag in der Gemeindehalle stattfand. Es war ein würdiger Rahmen, der von launigen Redebeiträgen und schmissigen Tönen des örtlichen Musikvereins gestaltet wurde.

Bürgermeister-Stellvertreter Helmut Möhrmann wertete bei der Eröffnung dieser öffentlichen Gemeinderatssitzung die große Besucherzahl "als Wertschätzung gegenüber dem Amt" und blickte auf den Wahlkampf zurück, den sich Burger und Sascha Maier geliefert hatten. "Es war ein fairer Wettbewerb", bei dem es keine Einflussnahme seitens der Parteien oder Gemeinderatsfraktionen gegeben habe, so Möhrmann: "Das war gut so, Chapeau!"

Als Landrat freute sich Jürgen Bäuerle, "dass in unserer Bürgermeisterriege der Generationswechsel so gut gelingt. Neben erfahrenen Stammspielern gibt es nun eine Gruppe junger aufstrebender Talente und dazu eine Frauenquote von fast zehn Prozent, die noch ausbaufähig ist. Eine ideale Mischung." Mit Blick auf Burgers Hobby Fußball stellte Bäuerle fest, dass ein guter Spieler "Teamgeist, Ehrgeiz, Disziplin, Ausdauer, Fleiß, Reaktionsschnelligkeit, taktisches Geschick und Kritikfähigkeit mitbringen sollte - alles Eigenschaften, die auch ein guter Bürgermeister braucht, besonders im Landkreis Rastatt, wo eine Bürgermeister-Elf auf Nachwuchsspieler wartet." Von Beginn an den eigenen Weg zu gehen, das riet Weisenbachs Bürgermeister Toni Huber seinem jungen Kollegen. Es werde für die Loffenauer eine große Umstellung sein, nach 40 Jahren plötzlich einen neuen Bürgermeister zu haben. "Du musst nicht alles anders machen, denn vieles in Loffenau läuft sicher gut. Wichtig ist vielmehr, von Anfang an seinen Stil zu finden, denn daran wirst Du in spätestens acht Jahren gemessen werden", betonte Huber.

Sehr persönliche Worte fand der evangelische Pfarrer Willi Ratz. Er erinnerte zudem an Markus, den Evangelisten, dessen Symbol der Löwe ist: "Ein starkes Symbol, das Kraft, Angriffslustigkeit im positiven Sinn und Mut" beinhaltet - Eigenschaften, die auch als Bürgermeister von Vorteil seien. Für diese Aufgabe wünschte Ratz Glück, Weisheit und Geschick, es sei nicht einfach, die Interessen der Gemeinde und die ihrer Bürger stets unter einen Hut zu bringen.

Achim Grimm, Vorsitzender des TSV Loffenau, sicherte Burger die Unterstützung der Vereinsgemeinschaft zu. Der neue Bürgermeister habe diesbezüglich als aktiver Fußballer und als langjähriger Kassenprüfer beim TSV eine gute Basis. In einer Gemeinde wie Loffenau sei das Vereinsleben von großer Bedeutung, dies müsse sich auch in einer entsprechenden Förderung widerspiegeln. Mitgliederschwund und mangelnde Bereitschaft, ein Ehrenamt zu übernehmen, belasteten viele Vereine zusehends. Dem gelte es, entgegenzuwirken, unterstrich Grimm.

Markus Burger griff diesen Gedanken auf und verwies auf sein Wahlprogramm, in dem genau diese Förderung ein wesentlicher Aspekt gewesen sei. Der frisch gebackene Bürgermeister, der dieses Berufsziel schon seit Kindheitstagen verfolgt hat, wirkte bei seiner ersten Rede als Ortsoberhaupt souverän und abgeklärt. Er dankte allen Rednern mit teils sehr persönlichen Einblicken. Das Wahlergebnis sei ein großer Vertrauensvorschuss, "und ich werde alles daran setzen, dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Ich bin froh, dass es jetzt losgeht."

Bedauert wurde, dass Burgers Lebensgefährtin Vanessa Hurrle nicht der Amtseinführung beiwohnen konnte. Sie ist Kämmerin der Gemeinde Reichenau (Landkreis Konstanz), wo am Dienstagabend der Haushalt auf der Tagesordnung des Gemeinderats stand - ein Pflichttermin für die Kämmerin, wie die Verwaltungsexperten einräumten.

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