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Lächeln braucht keine Übersetzung
Freudestrahlend nehmen die Kinder in der Gemeinschaftsunterkunft 'Sonnenhof' dieGeschenke von Weihnachtsmann Heinz Adolph entgegen. Foto: Juch
16.12.2017 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach/Gaggenau - "Das Lächeln ist die einzige Sprache, die keine Übersetzung braucht." Dieser Satz stammt aus einem Brief, den Mkhallalati Fadi, ein Flüchtling aus Syrien, an Vera Fritz geschrieben hat. Sie leitet die Gemeinschaftsunterkünfte in Gernsbach und Gaggenau. In beiden wurde dieser Tage wieder für viel Freude gesorgt - vor allem bei den Kindern. Sie haben Besuch bekommen vom Weihnachtsmann, der natürlich für alle ein Geschenke-Sortiment im Gepäck hatte.

Freudestrahlend nahmen knapp 100 Kinder die Päckchen von Heinz Adolph entgegen, der mit seiner markanten Stimme einen perfekten Weihnachtsmann spielte. Im "Sonnenhof" dürfte dieser allerdings das letzte Mal zu Gast gewesen sein: Die aktuellen Pläne des Landkreises Rastatt, der das frühere Hotel seit September 2014 mietet, sehen vor, es nur noch bis zum Juni kommenden Jahres als Gemeinschaftsunterkunft zu nutzen; danach soll die Stadt Gernsbach die Immobilie für die Anschlussunterbringung übernehmen.

Diesbezüglich laufen die Gespräche zwischen den Behörden aber noch. Darüber informierte der Erste Landesbeamte Dr. Jörg Peter die ehrenamtlichen Helfer in einem persönlichen Gespräch, das im Vorfeld der Weihnachtsfeier stattgefunden hat. Zudem machte er darauf aufmerksam, dass der Betreiber der Unterkunft in der Loffenauer Straße wechselt: Ab Januar ist nicht mehr die Diakonie, sondern die Caritas zuständig.

Für die Bewohner werde sich bis zum kommenden Juni in der Betreuung aber nichts ändern, verspricht Vera Fritz. Sie ist stolz und froh, dass es nach wie vor so viele ehrenamtliche Helfer gibt, die sich in Gernsbach und in Gaggenau für die Flüchtlinge einsetzen. So sorgen insgesamt zwölf engagierte Damen vom Gernsbacher Freundeskreis Asyl im "Sonnenhof" für Kinderbetreuung und Deutschunterricht, im "Brandeck" sind es noch mehr, die sich unter der Koordination von Hans-Werner von Wedemeyer um die Menschen aus aller Herren Ländern kümmern.

Ein großer Erfolg sei auch der im vergangenen September eröffnete "H10 Treffpunkt Vielfalt", der in der Altstadt einen Raum für Begegnungen schuf, der sehr gut angenommen werde. "Die Kinder vom Sonnenhof gehen dort in die Hausaufgabenbetreuung", sagt Vera Fritz. Auch die Tatsache, dass der Treffpunkt Vielfalt von Basem Sarghani, einem syrischen Flüchtling, geleitet wird, verdeutliche die erfolgreiche Integrationsarbeit, die im Murgtal geleistet werde, betont Fritz.

Die Zahlen vom "Sonnenhof" belegen dies: Von 503 Personen aus 13 verschiedenen Ländern, die dort seit der Erstaufnahme am 26. September 2014 untergekommen sind, seien 303 überstellt worden. Das heißt, sie sind in der Anschlussunterbringung beziehungsweise in einer Privatwohnung untergekommen oder freiwillig zurück in die Heimat gegangen. Abgeschoben worden seien indes nur sehr wenige, wie Fritz betont.

Verpflichtung für 2018 teils schon erfüllt

Aktuell ist der "Sonnenhof" mit 108 Personen (darunter 52 Kinder) belegt. Dass sich viele von ihnen den Umständen entsprechend dort wohlfühlen, verdeutlicht der Brief von Mkhallalati Fadi, der inzwischen mit seiner Familie in Staufenberg wohnt. Als sie in Gernsbach ankamen, hatten sie nichts. "Danke für Ihr Interesse und Ihre Mühe mit uns", schreibt der Syrer und freut sich über die schulischen Fortschritte seiner Kinder. "Wir müssen den Deutschen beweisen, dass wir nicht nur zum Schlafen hier sind. Wir müssen viel lernen, dann arbeiten und selber Geld verdienen. Wir müssen uns nicht auf das Jobcenter verlassen, sondern ein klares Ziel haben und dann alles tun, um es zu erreichen. Mir ist wichtig, dass ich ein erfolgreicher Mensch bin und mich vorbildlich verhalte."

Diese Einstellung teilen sicher viele, die vor Krieg und Elend nach Deutschland geflüchtet sind. Mit Aktionen wie der Weihnachtsfeier am Donnerstag für die aktuell 80 Bewohner (davon 29 Kinder) im "Ochsen" in Bad Rotenfels leisten die ehrenamtlichen Helfer einen wesentlichen Beitrag, dass Fremde hier allmählich heimisch werden.

In Gaggenau gibt es laut Angaben der Koordinierungsstelle Flüchtlinge im Rathaus inzwischen rund 400 Menschen in der Anschlussunterbringung. Damit habe die Große Kreisstadt bereits jetzt einen Teil der Aufnahme-Verpflichtung für das Jahr 2018 erfüllt.

Und auch in Gaggenau ist das Engagement der Bürger stark: Ein großer Kreis Ehrenamtlicher kümmert sich um die Mitmenschen - sei es in der Gemeinschaftsunterkunft oder in der Anschlussunterbringung.

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