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Wilde Belzemärtel sind bei Hausbesuchen ganz zahm
16.12.2017 - 00:00 Uhr
Von Friedbert Zapf

Gernsbach - Die Belzemärtel haben am Montagabend, 18. Dezember, wieder in Reichental ihren Auftritt. Es sind noch einige Tage hin bis Heiligabend, aber mit Weihnachten haben die unheimlichen Gesellen ja auch gar nichts gemein.

Eher mit der Wintersonnenwende, denn in der dunkelsten Zeit des Jahres versuchten unsere Vorfahren durch wüste Vermummung, durch Lärmen und Johlen die bösen Nachtgeister und Dämonen zu vertreiben. Die Reichentaler Belzemärtel sind ein Relikt dieser Zeit.

Die Abgrenzung zwischen Belzemärtel und dem Nikolaus ist unscharf. Der heilige Nikolaus wurde ab dem 13. Jahrhundert als Gabenbringer verehrt, aber da war der Belzemärtel schon da - er und all die anderen dämonischen, vermummten, pelzigen Gesellen wie der Krampus, die Perchte und die Pelznickel. Diese heidnischen Winterfiguren abzuschaffen, war nicht möglich, deshalb wurden sie kurzerhand christlich integriert, nämlich als Knecht Ruprecht, als tumber Begleiter des heiligen Nikolaus. Diese Unterwerfung gelang in Reichental nicht. Dort tritt der Belzemärtel zur Zeit der Wintersonnenwende auf den nächtlichen Dorfstraßen in seiner ursprünglichen, authentisch wilden Form auf.

Schon immer statteten die furchteinflößenden Gesellen einzelnen Häusern nächtliche Besuche ab. Sei es, um den unbändigen Durst zu löschen, oder um Kinder im Auftrag der Eltern zu disziplinieren, wobei die Belzemärtel früher nicht selten über die Stränge schlugen. Gängiges Ritual war das Drohen mit der Haselnussrute, das Auffordern zum Singen und Beten, verschärft auf einem Buchenholzscheit kniend. Der weitsichtige Bürgermeister Dominik Merkel kritisierte um 1895 diese Form der Kindererziehung ausdrücklich.

Auch heutzutage machen die Belzemärtel Hausbesuche. Doch mögen sie auf den Straßen noch so wild auftreten, in den Häusern verhalten sie sich ganz zahm. Sie achten darauf, dass weder Boden noch Mobiliar durch die derbe Ausrüstung wie Stiefel, Rute, Schelle und Kette leiden. Und sie brummeln ganz verhalten, um niemanden zu erschrecken. Sie schwadronieren zwar immer noch vom "Bärdonn-Wald" und der "Rinschesupp'", befragen die Kinder, ob sie denn auch einigermaßen brav gewesen seien - und kramen schließlich die kleinen Geschenke aus dem Sack.

Unter der rauen Vermummung stecken Mitglieder des Fußballclubs Auerhahn (FCA), denen es zu verdanken ist, dass der uralte Winterbrauch in Reichental noch nicht erloschen ist. Gerne nehmen die Belzemärtel noch Hausbesuche für kommenden Montag in ihr Programm auf und bitten um Kontaktaufnahme mit Ralf Warth.

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