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Vorweihnachtliches Gipfeltreffen
Vorweihnachtliches Gipfeltreffen
19.12.2017 - 00:00 Uhr
Von Wolfgang Froese

Gernsbach - Ein fulminantes "Halleluja" beendete das Weihnachtskonzert der Kulturgemeinde am dritten Advent. "Halleluja" möchte man auch angesichts dieses Abends rufen, den mit dem Leipziger Vokalensemble Amarcord und der Lautten Compagney Berlin zwei überaus renommierte Formationen zu einem ganz besonderen Erlebnis machten.

Wenn zwei ECHO Klassik-Preisträger sich für ein gemeinsames musikalisches Projekt unter dem Titel "El Jubilate" zusammentun und dessen Premiere in Gernsbach stattfindet, zeugt dies ein weiteres Mal von der Strahlkraft, die die Stadt im Bereich der Kammermusik besitzt und natürlich von den exzellenten Verbindungen seitens der Kulturgemeinde. Für ihr vorweihnachtliches Gipfeltreffen hatten Amarcord und die Lautten Compagney ein Programm erarbeitet, das ungeachtet einiger bekannter Stücke ausgetretene musikalische Wege mied und dafür umso mehr mit großer Frische und einigen Entdeckungen aufwartete.

Zeitlich bewegten sich die beiden Ensembles in der Renaissance und dem frühen Barock. Das namengebende Eingangsstück "El Jubilate", eine sehr farbige Ensalada des Spaniers Mateo Flecha d. Ä. aus dem 16. Jahrhundert, begannen die vier Sänger von Amarcord (jeweils Tenor und Bass in doppelter Besetzung; der im Programmblatt angekündigte Bariton fehlte) vom Saal der Stadthalle aus a cappella auf ihrem Weg zur Bühne. Das war ebenso klangstark wie klangschön. Vor allem der erste Tenor Wolfram Lattke begeisterte an diesem Abend mit einer lyrisch-hellen Stimme voller Ausdruckskraft, aber auch der zweite Tenor Robert Pohlers und die Bässe Daniel Knauft und Holger Krause sangen wunderbar klar und äußerst präzise sowohl als Solisten als auch im Ensemble.

Die in Gernsbach siebenköpfig agierende Lautten Compagney vereinte unter der Leitung von Wolfgang Katschner (Laute/Theorbe) die Musiker Núria Sanromà Gabàs (Zink), Martin Ripper (Blockflöte), Ulrike Paetz (Viola), Annette Rheinfurth (Viola da Gamba/Violone), Peter A. Bauer (Percussion) und Hans-Werner Apel (Laute/Theorbe). Sie brachten die Alte Musik in technischer Perfektion und vor allem quicklebendig zum Klingen. Da lag kein Körnchen Staub auf den Noten, gleich ob es sich um weltliche Tänze oder um geistliche Literatur handelte.

Ausflug auf britische Insel "Hornpipe"

Unter dem Motto "Weihnachten in Europa" ging die musikalische Reise vom Mittelmeerraum in das Gebiet des alten Reiches. Hier war unter anderem "Puer natus in Jerusalem" zunächst in frühbarocker Form von Samuel Scheidt und dann in einer Renaissance-Version des Leipziger Thomaskantors Wolfgang Figulus zu hören oder besser: zu bestaunen, denn es stimmte einfach jeder Ton. Zum Abschluss des ersten Konzertteils erklang ein lateinisches Magnificat von Orlando di Lasso, das unglaublich feingliedrig und transparent und zugleich äußerst rein und voll herüberkam.

Nach der Pause gestaltete die Lautten Compagney bei einem Ausflug auf die britische Insel "Hornpipe" aus Purcells "King Arthur" zu einem musikalischen Juwel. Wenn hier jemand aus einem großartig aufspielenden Ensemble noch ein Stückchen heraus stach, dann war es Annette Rheinfurth, die ihrer Viola da Gamba wunderschöne warme Klänge entlockte. Gleich danach zeigte Amarcord seine ganze Klasse a cappella beim Lied "Remember O thou man" von Thomas Ravenscroft, das sie hinreißend interpretierten. Danach war es erneut die Lautten Compagney, die diesmal mit einer Ciaconna des Barockkomponisten Tarquinio Merula Maßstäbe setzte. Sie klang außergewöhnlich frisch und lebendig in Rhythmus und Farben und in der Anmutung fast modern, ohne die Zeit ihrer Entstehung je zu verleugnen.

Das vorerst letzte Stück des Abends stammte wie zu Beginn von Matteo Flecha. "La negrina" stellte einmal mehr die enorme Präsenz aller Musiker und Sänger unter Beweis, ihr perfektes Zusammenspiel und nicht zuletzt ihre große Spiel- und Sangesfreude. Gab es während des Konzerts öfters einmal eher andächtigen Beifall, so brach sich die Begeisterung nun in stürmischem Applaus und einzelnen Bravo-Rufen Bahn. Mit einem temperamentvollen katalanischen Hirtenlied, ebenfalls von Flecha, als Zugabe verabschiedeten sich die Künstler aus Gernsbach - hoffentlich nicht für immer.

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