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Ein Kaninchen unterm Weihnachtsbaum
Hildegard und Karl-Heinz Weber mit ihren Zuchtchampions. Der weiße Neuseeländer erzielte ein 'vorzüglich' bei der Kreisschau mit 97 Punkten, der Kleinwidder bekam mit 96,5 Punkten ein 'hervorragend'.  Foto: Vogt
23.12.2017 - 00:00 Uhr
Von Katharina Vogt

Forbach - "Ach, sind die süß und sooo weich!" Wenn man den gepflegten Stall des Bermersbacher Kleintierzüchterehepaars Hildegard und Karl-Heinz Weber betritt, gucken große Augen aus den Ställen, feine Näschen zucken, aber ansonsten lassen die Kaninchen ihre langen Ohren entspannt hängen.

Sie sind Besucher und Streichelhände gewöhnt, die nicht genug bekommen können von dem weichen Schmusefell der niedlichen Hoppler. "Das sind Kaninchen, keine Hasen. Hasen sind eigentlich nur die Feldhasen, die wild leben", erläutern die erfahrenen Züchter beim Gespräch über die interessante Zeit im Kaninchenstall rund um Weihnachten und Neujahr.

"Wir haben das ganze Jahr Freude an unseren Tierle", stellt Karl-Heinz Weber fest: "Ich rede schon mit denen, wenn ich an den Stall hinlaufe, dann kommen die an ihre Türe und horchen." Seiner Meinung nach können Kaninchen auch sehr viel verstehen. Alle Kaninchen im Hause Weber müssen auch lernen, sich zu präsentieren. Das Ziel des Züchters ist es, bei den Rasseausstellungen den Zuchterfolg zu zeigen. Dazu sollte das Kaninchen sich vor den Augen des Wertungsrichters selbst stolz aufsetzen, die Ohren aufrichten und das Fell und die anderen Rassemerkmale von der schönsten Seite zeigen.

Seit vielen Jahrzehnten züchten die Webers sehr erfolgreich. Karl-Heinz Weber die imposanten weißen Neuseeländer, die mit ihrem dicken, schneeweißen Winterfell aussehen wie Schneehasen, Hildegard Weber dagegen die dunkleren Deutschen Kleinwidder, die mit rund dreieinhalb Kilogramm auch etwas leichter sind.

Widder mit niedlichen Schlappohren

Wie kam es zu den Deutschen Kleinwidder-Kaninchen? Als junge Erzieherin hatte sie beim Spaziergang mit den Kindergartenkindern immer wieder einen Hund gesehen "der hatte so niedliche Schlappohren". "Bei einer Kaninchenschau gab es dann Kaninchen, die fast genau so aussahen", schmunzelt ihr Mann, daher züchtet sie seit 1972 nur noch die Deutschen Kleinwidder. Dabei ist sie sehr erfolgreich, davon künden viele Pokale im Wohnzimmer.

Mit dem "Kleintierzucht-Virus" haben sie auch ihre drei Kinder Alexander, Barbara und Angelika infiziert, letztere ist sogar Kreisvorsitzende der Kaninchenzüchter. Die nächste Generation steht bereits auch schon in den Startlöchern. Die Enkeltöchter sind zwar noch zu klein, um selbst zu züchten, aber sie helfen dem Opa begeistert beim Füttern der Tiere.

Zum Jahreswechsel ist Hochbetrieb im Stall, denn die Zuchttiere feiern "Hochzeit", und nach 28 bis 32 Tagen Tragezeit gibt es Nachwuchs. In manchen Jahren sind es bis zu 120 Jungtiere, die im Stall versorgt werden. Die Kaninchen kommen mit geschlossenen Augen zur Welt und öffnen diese nach zehn bis 15 Tagen. Falls das mal nicht passiert, müssen die Züchter nachhelfen, sonst werden die Tiere blind und sind für die Zucht nicht mehr zu gebrauchen.

Überhaupt - Sentimentalität ist der falsche Ansatz, wenn man erfolgreich züchten will. Kaninchen, die sich nicht zur Nachzucht eignen oder nicht mehr zur Zucht benötigt werden, müssen den Stall verlassen. Viele von ihnen wandern dann in den Kochtopf eines Genießers, der das zarte Fleisch der gut gehaltenen Tiere zu schätzen weiß. Daher vermeiden es die Webers, zu einzelnen Langohren eine emotionale Bindung aufzubauen.

Trotzdem schmuggelt sich der eine oder andere ins Herz der Familie und bekommt nach etwa vier Jahren in der Zucht bis zu seinem natürlichen Tod das Gnadenbrot, wie der heiß geliebte "Wuschel", der im Herbst mit zehn Jahren gestorben ist. Bis dahin hatte "Wuschel" es wie seine Pensionsgenossen im Hause Weber sehr angenehm. Es wird regelmäßig gemistet, der ammoniakhaltige Urin mit einer dünnen Torfschicht gebunden, um die empfindlichen Augen zu schonen, täglich gibt es zu einer festen Zeit auch leckeres Futter: Heu, Pellets aus Kräutern, selbst angebaute Leckereien aus dem Garten, auch Möhren. Im Sommer dürfen die Kaninchen im Wechsel ins Freigehege und sonnenbaden. Nur frisches Gras, das gibt es nicht so oft, zu groß ist die Gefahr von Myxomatose - eine Krankheit, die von Stechmücken übertragen wird.

Bei Webers kann es durchaus vorkommen, dass unter dem Weihnachtsbaum ein Kaninchen sitzt, um den Bermersbacher Genpool aufzufrischen. Wäre so ein Schmusekaninchen für Kinder nicht ein schönes Weihnachtsgeschenk? Davon hält Hildegard Weber nichts: "Jetzt sitzen nur erwachsene Kaninchen bei uns im Stall. Die Jungen werden erst ab Januar geboren. Kinder sollten ihr Kaninchen als Jungtier bekommen."

Sie empfiehlt, zuerst einen großen Käfig zu schenken und dann in einigen Wochen bei den Züchtern den kleinen Liebling auszusuchen. "Spätestens zu Ostern kann das junge Kaninchen dann einziehen."

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