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Arche Dietrich für verletzte Tiere
30.12.2017 - 00:00 Uhr
Von Veronika Gareus-Kugel

Gernsbach - Das Anwesen der Familie Dietrich ist eine Örtlichkeit, an der sich wahrlich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Doch nicht so, wie jetzt gedacht werden dürfte. Innerhalb der Mauern im Scheuerner Schwannweg herrscht ordentlich Leben. Der Garten der Dietrichs ist ein Refugium für Wildtiere. Im Sommer tummeln sich dort Vögel, Igel, Eichhörnchen, hin und wieder ein Marder, Dachs oder Füchse. Nichts Besonderes könnte nun gesagt werden, wenn man so nahe am Wald wohnt. Die meisten Tiere haben jedoch ein Handicap, sind verletzt oder wurden verlassen.

Ein kleines 400 Gramm schweres Igelchen ist bei Sonja und Volker Dietrich an diesem Tage der Neuzugang. Ihn brachten zwei Frauen aus Karlsruhe dort vorbei. Warum? "Weil ihn keiner haben wollte", erklären die beiden. Sie fanden das Tier während eines Spaziergangs mit dem Hund. Weder Tierheim noch Tierarzt konnte den Spaziergängerinnen weiterhelfen. Auf Umwegen erfuhren sie dann von dem privaten Engagement der Dietrichs und fuhren kurzerhand mit dem Stacheltier die 40 Kilometer nach Gernsbach.

Dort wird der kleine Gast im Schuppen bis zum nächsten Mai überwintern. Er ist aber nicht der einzige Vertreter der stacheligen Zunft, der dort gut geschützt unter dem Heu in einem Käfig für Mäuse oder Zwerghasen lebt. 15 Artgenossen teilen mit ihm gut versorgt das Holzhaus, durch das noch Kaninchen Hasi hoppelt und zwei Meerschweinchen flitzen. "Wenn die Igel ein gutes Polster haben, dann werden sie im Mai wieder ausgewildert", erläutert Tierschützer Dietrich. "Aber nur an Stellen, an denen keine Straße vorbei führt", fügt er hinzu.

Die Vogelvolieren im Garten sind jetzt verwaist. Diese werden erst wieder im Frühling gebraucht, um die verletzten oder aus dem Nest gefallenen Vögel, darunter waren auch schon Turmfalken und Wildtauben, aufzunehmen. Ein kleiner Feldhase, der möglicherweise beim Mähen einer Wiese verletzt wurde, überlebte die Fürsorge jedoch nicht. "Dafür brachten wir mehrere Eichhörnchen durch", meint Dietrich als einer der ehrenamtlichen Naturschutzwarte des Landkreises Rastatt.

Seit zehn Jahren engagiert sich das Ehepaar im Tierschutz. Zunächst beschäftigte sich Volker Dietrich mit zwei Tierarten, denen nur wenige Menschen etwas abgewinnen können und die bei ihrem Auftauchen oft Panik an der gemütlichen Kaffeetafel im Freien aufkommen lassen: Hornissen und Wespen. Und das kam so: Sein Arbeitsleben verbrachte der Ruheständler bei der Daimler AG in Gaggenau. Mit 60 Jahren ging er in die Alterszeit. Doch ein Herumsitzen daheim sollte es nicht geben. Im Rahmen von Seminaren der Naturschutzbehörde ließ er sich als Sachverständiger für diese Tiergattungen ausbilden. In dieser Zeit war er viel im Landkreis unterwegs, nahm Hornissen- und Wespennester in Augenschein und siedelte diese, wenn nötig, um. Zudem besuchte er Fledermaus-Seminare.

Mit einem verletzten jungen Dachs, den ihm der NABU brachte, begann dann die Geschichte, verletzten Tieren eine Heimstatt zu bieten. Die Tiere verweilen nur so lange in Scheuern, bis sie wieder selbstständig sind und für sich selber sorgen können, danach werden sie ausgewildert. Jedoch stets an Stellen, wo sichergestellt ist, dass der jeweilige Revierinhaber nur auf Tiere schießt, "die auch gegessen werden", betont Dietrich.

Wie es mit der Füchsin Mimi weitergeht, ist allerdings noch unklar. Sie wurde im Frühling - kaum zehn Tage alt - von einem Mann in den Schwannweg gebracht. Zu vermuten ist, dass dem Muttertier etwas passiert sein muss. Das kleine Häuflein Fuchs wurde hinter Au an der B462 gefunden. Das Geschwisterchen war bereits tot. "Die Augen waren noch nicht ganz offen", erinnert sich der 70-jährige Scheuerner. Mit Welpenmilch und der Flasche wurde das verwaiste Tier anschließend aufgezogen.

Heute, nach neun Monaten, ist aus dem handtellergroßen Fuchswelpen eine stattliche Füchsin geworden und auf dem Anwesen unterwegs. Noch kommt das scheue Tier zum Fressen vorbei, "aber nur mein Mann darf sie anfassen. Sind Fremde da, verschwindet sie sofort wieder", berichtet Sonja Dietrich vom erwachsen gewordenen Meister Reineke.

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