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Nach 38 Jahren zurück ans Schwarze Meer
Das Ehepaar Altikulac bei der Arbeit: Nach knapp 40 Jahren verlässt Salim mit seiner Frau Miyesser das Murgtal wieder in Richtung türkische Heimat. Foto: Juch
05.01.2018 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Seit rund 22 Jahren ist das Ehepaar Altikulac in Obertsrot zu Hause. Diese Ära neigt sich nun dem Ende entgegen: "Ende März geht es zurück in die Türkei", kündigt Familienoberhaupt Salim im BT-Gespräch an. Er wird der Dorfgemeinschaft fehlen. Zusammen mit seiner Frau Miyesser hat er mehr als 15 Jahre lang in seinem Haus in der Obertsroter Straße Lebensmittel verkauft - zunächst als Bäckerei samt "Tante-Emma-Laden", zuletzt als Döner-Kebap-Haus.

"Der Abschied wird schon wehtun", ist sich der 52-Jährige bewusst. Doch seine Entscheidung ist gefallen. Lange habe er sie mit der Familie diskutiert, auch gesundheitliche Probleme spielten dabei eine Rolle. Deshalb hat er 2017 auch seinen Job bei der Firma Eaton in Baden-Baden aufgegeben, bei der er 21 Jahre lang beschäftigt war.

Für den Vorruhestand hat der frühere Schichtarbeiter vorgesorgt und 2011 damit begonnen, in seinem Heimatdorf Dedeagaç Köyü ein Haus zu bauen. Es liegt im Landkreis Ayancik in der türkischen Provinz Sinop und ist circa sieben Kilometer vom Schwarzen Meer entfernt, erzählt Salim Altikulac.

Sein ganzes Berufsleben hat der Vater von drei Kindern in Deutschland verbracht. Als 14-Jähriger nahm er zusammen mit seinem Bruder und seiner Schwägerin den knapp 3000 Kilometer langen Weg nach Deutschland auf sich - ohne jegliche Deutschkenntnisse.

Diese erwarb sich der junge Türke, den es zunächst nach Bischweier verschlug, in einer zweijährigen Berufsschulausbildung in Rastatt, die an einen sechsmonatigen Sprachkurs in Baden-Baden gekoppelt war. Es folgte eine Anstellung in einer Gaststätte am Augustaplatz, sechs Jahre arbeitete er dort in der Küche - sein Einstieg in die Gastronomie, die zum zweiten Standbein im Berufsleben der Altikulacs werden sollte. Freizeit kannte der Obertsroter seither kaum: Jahrelang stand er vor der Spätschicht und nach der Frühschicht im Laden, verkaufte mit seiner Frau und unterstützt von den Kindern Backwaren und türkische Spezialitäten.

Auch ehrenamtlich hinterlässt Salim im Murgtal Spuren: So war er 1997 einer der Initiatoren des Vereins "Türkische Schuleltern Gernsbach und Umgebung"; vier Jahre war er dessen Vorsitzender und organisierte unter anderem das nach wie vor existierende Kinderfest in der Ebersteinhalle. Auch den örtlichen Fußballverein und die Fastnacht in Rückkorbhausen hat er stets tatkräftig unterstützt.

"Meine Läden sind immer gut angenommen worden", freut sich Salim Altikulac über das jahrelange Vertrauen der Kundschaft. Ihr möchte er zusammen mit seiner Frau seinen Dank aussprechen, auch für die Anerkennung, die dem Ehepaar stets zuteilgeworden sei: "Wir haben uns in Obertsrot immer zu Hause gefühlt."

Bis dieses zu Hause bald wieder in die Türkei verlegt wird, muss der 52-Jährige noch einiges an bürokratischen Formalitäten im türkischen Konsulat in Karlsruhe erledigen. Das Haus in der Obertsroter Straße hat er bereits verkauft. Notartermin war kurz vor Weihnachten. Wie Altikulac mitteilt, möchte der künftige Eigentümer nur als Vermieter auftreten und auch einen Nachfolger für das Kebap-Haus suchen.

Am kommenden Sonntag, 7. Januar, hat das "Sinop Manti & Kebap Haus" in der Obertsroter Straße zum letzten Mal unter der Ägide von Miyesser und Salim Altikulac geöffnet. Es wird ein entsprechendes Abschiedsangebot geben, kündigen sie an und hoffen auf zahlreiche Gäste, die ihnen "hosçakal" (auf Wiedersehen) sagen möchten.

Wenn alles glatt läuft, machen sich die Altikulacs mit Tochter Seda (20) Ende März/Anfang April auf den rund 3000 Kilometer langen Weg zurück zu ihren Wurzeln. "Das wird bestimmt nicht einfach nach so vielen Jahren im Ausland", weiß der künftige Rentner, der sich trotzdem auf den neuen Lebensabschnitt freut.

Früher ging er jede Sommerferien für einige Wochen von Deutschland in die Türkei, künftig wird er es umgekehrt machen - durch Sohn Sadik, der in Gaggenau wohnt, wird der Kontakt ins Murgtal nicht abreißen. Und Tochter Zeynep wohnt in Bayern - das liegt quasi auf dem Weg.

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