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"Snoezelen finde ich schöner"
Die Elternbeiratsvorsitzende Steffi Herr (von links), Kindergartenleiterin Martina Wagner und ihre Schützlinge sind von dem für 6 000 Euro neu geschaffenen Snoezelraum mit Wassersäule begeistert.  Foto: Metz
10.01.2018 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Loffenau - "Licht aus, Licht aus!", skandieren Finley, Jarno, Lotta und Mareike wie von Sinnen. Genau diese will der neue Snoezelraum im evangelischen Kindergarten Brunnengasse ansprechen. Auch wenn der Snoezelraum letztlich das Gegenteil erreichen will, sind die vier Fünfjährigen erst einmal hellwach, als sie endlich in den weißen Raum dürfen. Doch schon kurz danach kuscheln sie sich unter ihre Decken und legen sich auf die Matratzen, bevor sie von Martina Wagner fordern: "Schalt' noch 'mal den Vollmond an!"

Die darauf einsetzenden Lichtspiele an der Wand entwickeln eine entspannte Atmosphäre. Die blubbernden Blasen in der Wassersäule und das wechselnde Licht darin sorgen für Tiefenentspannung. Dazu gesellen sich beruhigende Düfte aus dem Spender im Eck. An der Decke dreht sich die angestrahlte Lichtkugel. "Wir drehen uns wie im Karussell", freuen sich die vorher so quicklebendigen Kinderschüler inzwischen deutlich ruhiger, ehe Lotta, Mareike, Finley und Jarno innerlich ganz herunterfahren.

Angesichts des mühelos wiederholbaren Schauspiels mit den vier "stolzen Dachsen" aus der gleichnamigen Gruppe zeigt sich Steffi Herr begeistert. Für die Elternbeiratsvorsitzende des Kindergartens hat sich der Einsatz gelohnt. Rund 6000 Euro trugen die Eltern laut der 33-Jährigen zusammen, um den äußerst effektiven Snoezelraum in der Brunnengasse einzurichten. Die offizielle Einweihung steht erst am Freitag, 26. Januar, um 10.30 Uhr an. Genutzt wird er jedoch schon seit September. Inzwischen ist er fast komplett ausgestattet, nachdem an Weihnachten auch noch die weißen Decken kamen.

Die Wortschöpfung "Snoezelen" stammt von zwei niederländischen Zivildienstleistenden, indem sie in den 70er Jahren "snuffelen" (kuscheln) und "doezelen" (dösen) kombinierten. Unter einem Snoezelraum versteht man einen gemütlichen Raum, in dem jeder bequem liegen kann und leise Klänge und Melodien das Gehör umgarnen beziehungsweise angenehme Lichteffekte das Auge sanft einschläfern. Das Wohlfühl-Konzept, das es innerhalb des evangelischen Kirchengemeindebezirks Neuenbürg nur in Loffenau gibt, lernte Wagner in einer Behinderteneinrichtung kennen. "Dort gehört es zum Standard und wird häufig angewandt", berichtet die Kindergartenleiterin.

Vergangenen April fassten die Erzieherinnen mit dem ebenfalls überzeugten Elternbeirat das bewährte Konzept für die Brunnengasse ins Auge, schließlich verfügte der Kindergarten über einen Mehrzweckraum zum Schlafen. "Die Kinder sind teilweise bis zu neun Stunden hier. Sie sind heutzutage oft aufgedreht. Daher ist es günstig, wenn sie mal eine Auszeit nehmen können, auch wenn sie auf dem Dorf weniger den Neuen Medien ausgesetzt sind und noch draußen spielen", erzählt Wagner vom hehren Kampf gegen die grassierende Reizüberflutung.

Weil die Gemeinde "unheimlich viel für Kinder macht und wir hier tolle Erzieherinnen haben", sah sich Herr mit den Eltern in der Pflicht, selbst einen Obolus zu dem Snoezelraum beizusteuern. So sammelten sie bei ihren zwei Flohmärkten ebenso Geld wie durch Kuchenverkauf und weitere Aktionen. Vom Rathaus flossen zudem rund 400 Euro und ein Batzen von der Kirchengemeinde. "Und als wir durch das PS-Sparen der Sparkasse noch 1500 Euro bekamen, hat es gepasst", ergänzt Wagner mit Blick auf den "Kraftakt für die Eltern".

Die Kinder sind begeistert und drängen in den Snoezelraum. "Sie dürfen aber maximal eine halbe Stunde am Tag rein, damit auch jeder einmal dran kommt", berichtet die 52-jährige Kindergartenleiterin vom Run auf die blubbernde Wassersäule und die absolute Ruhe. "Die Kinder wollen sogar oft selbst, dass es ganz dunkel ist, still wird und kein Gestreite gibt." Die ruhigeren Mädchen dürfen auch einmal alleine rein, bei den aufgedrehteren Jungs ist immer noch eine Erzieherin dabei.

Jedenfalls dürften es die "Dachse" genauso wie die Elternbeiratsvorsitzende Herr sehen, die auf eine ebenso angedachte "weitere Spielmöglichkeit draußen verzichtete: Snoezelen finde ich schöner."

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