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Ein schmerzvoller Abschied
Eine schwere Stunde für die Christen in Bad Rotenfels: Die liturgischen Gegenstände werden hinausgeschafft. Die Johanneskirche ist kein Gotteshaus mehr. Foto: Gutmann
23.01.2018 - 00:00 Uhr
Von Barbara Gutmann

Gaggenau - Es war am Sonntag der letzte Akt des Abschiednehmens: Das Gebäude und der Betonturm gegenüber dem Schulzentrum Dachgrub in Bad Rotenfels sind keine Kirche mehr. Die Geschichte der evangelischen Johanneskirche ist am Sonntag mit der Entwidmung zu Ende gegangen.

Wie berichtet, fand in einem sehr bewegenden Festgottesdienst die Entwidmung der Kirche statt. Tränen flossen in dem traurigen Festakt, denn es hieß nun endgültig Abschied zu nehmen von einem Kirchenraum, in dem über fünf Jahrzehnte hinweg vielfältige religiöse und weltliche Feste und musikalische Ereignisse gefeiert und erlebt wurden. Mit prägenden Gefühlen und Erfahrungen für Gemeindemitglieder, für die Geistlichen und Laien aller Generationen, die mit Herzblut und Engagement Gemeinschaft im Geiste Gottes gestaltet haben.

Allen Teilnehmenden an dieser bedrückenden Zeremonie waren die Trauer und die Hilflosigkeit anzumerken, die in diesem Gottesdienst für die gesamte Gemeinde aus evangelischen und auch manchen katholischen Christen so hautnah spürbar war. Die musikalische Umrahmung durch die Chöre der Kirchengemeinde und des Posaunenchors unter Leitung von Walter Bradneck unterstrich die feierliche Note.

Nach dem Einzug der Prälatin Dagmar Zobel, den Pfarrerinnen, den Ältesten und den Ministranten begrüßte Kirchenältester Wolfgang Breihofer die Gemeinde mit dem Aufruf: "Der Abschied wird schwer, lasst ihn uns würdig gestalten!" Sowohl Schriftlesung als auch Evangelium thematisierten das Thema der neuen Wege, die es gemeinsam zu finden gelte. So warb Pfarrerin Helga Lamm-Gielnik von der evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau für das Vertrauen auf neue Wege, auch wenn da, "wo die Lippen Gott loben, das Herz schwer nachkommt".

Prälatin Dagmar Zobel für den Kirchenkreis Südbaden der evangelischen Landeskirche Baden hielt die mit historischen Texten angereicherte Predigt. "Nicht das Gebäude ist entscheidend, sondern was darin geschieht. Denn Gott lässt sich nicht in Gebäude fassen." Und doch wurden zu allen Zeiten Kirchen und Tempel gebaut zum Lobe und zur Ehre Gottes "und immer wieder aufgegeben", so schmerzlich es sei. Aber es sei Aufgabe der Christen, nicht Gebäude unter allen Umständen, "sondern die lebendige Gemeinde zu erhalten". Sehr einfühlsam nahm Zobel, die schon das fünfzigjährige Kirchenjubiläum mitfeierte, den Text des Liedes "Vertraut den neuen Wegen" als Überleitung auf zur zentralen Entwidmungshandlung: "Den neuen Wegen trauen, das ist auch in Bad Rotenfels gefragt und wird uns heute hier in der Johanneskirche abverlangt." Sie verlas nochmals den Beschluss des Kirchengemeinderats zur Aufgabe der Johanneskirche.

Für den feierlichen Entwidmungsakt nahmen die Sprecher und Träger ihre Plätze hinter den liturgischen Gegenständen ein. Dazu erläuterte die Prälatin: "So wie die Kirche zugerüstet wird bei der Indienstnahme, so werden wir heute die tragbaren liturgischen Gegenstände aus dieser Kirche herausnehmen und sie zu weiterem segensreichen Gebrauch an ihren neuen Ort in der Markuskirche bringen." So manchem der Sprecher für die gottesdienstlichen Geräte versagte die Stimme und verstärkte die Emotionalität dieser schweren Abschiedsstunde.

So brachten die Träger nacheinander Osterleuchter, Taufutensilien, Kerzen, Bibeln, Holzkreuz, Abendmahl-Gefäße sowie das ökumenische Gesangbuch in den rückwärtigen Kirchenraum, von wo später der Auszug stattfand. Die Formel "Mit dem Ende des Gottesdienstes wird die Johanneskirche außer Dienst gestellt" machte allen die Endgültigkeit schmerzhaft bewusst.

Die liturgischen Gegenstände wurden mit einem feierlichen Einzug an ihre neuen Plätze in der Markuskirche gebracht, der Gottesdienst fand dort durch die Prälatin den feierlichen Abschluss. Danach war die Gemeinde zu einem gemeinsamen Suppenessen im Gemeindehaus eingeladen: "Heute wollen wir noch zusammenbleiben."

Nun heißt es, als neue Gemeinschaft zusammenzuwachsen, nachdem man sich fast 52 Jahre nach der Weihe der Johanneskirche am 13. Februar 1966 als eine fest eingeschworene eigene Gemeinde mit Höhen und Tiefen erlebt hatte. Das Gebäude selbst indes sieht einer noch ungewissen Zukunft entgegen.

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