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Wenn Haltegriffe wichtig werden
25.01.2018 - 00:00 Uhr
Von Regina Frammelsberger

Gaggenau - "Miteinander macht's einfach": Zur Abschlusspräsentation lud der Arbeitskreis Handel und Gastronomie am Dienstagabend in den Bürgersaal ein. Bei dem Projekt war der Arbeitskreis in der Innenstadt unterwegs. Die Ehrenamtlichen wurden unterstützt von der Lebenshilfe Rastatt/Murgtal.

Der Abschluss der zweieinhalbjährigen Arbeit bedeutet laut Oberbürgermeister Christof Florus zugleich einen Beginn: der Einstieg in die Umsetzung. Jessica Pahl und Philipp Springer von der Stadtverwaltung stellten die Kriterien vor, nach denen die Geschäfte und Gaststätten Gaggenaus im Hinblick auf Barrierefreiheit bewertet wurden. Dabei ging es vor allem um Zugänge, Aufzüge, Beschilderungen, Haltegriffe, Beleuchtungen und im Gastronomiebereich auch um unterfahrbare Tische.

Dass diese Thematik eine besondere Bedeutung für die Entwicklung der Stadt hat, führte der Leiter des Arbeitskreises, Dr. Christoph-Benedikt Scheffel, in seinem Vortrag deutlich vor Augen. Er, der seit seinem 41. Lebensjahr auf den Rollstuhl angewiesen ist, begleitete als Betroffener die Geschäfts-Begehungen. Nur knapp über 20 Prozent der Geschäfte sind einwandfrei behindertengerecht ausgestattet - alle übrigen nur zum Teil oder gar nicht. Vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft sei dies besonders problematisch und mache eine infrastrukturelle Barrierefreiheit als "konsequente Antwort auf die demografische Entwicklung" notwendig.

Denn fast die Hälfte der Gaggenauer Bürger (47,4 Prozent) ist älter als 50 Jahre. Auch wenn sie nicht behindert sind, werden sie in den nächsten Jahren vermehrt auf Haltegriffe, kurze Wege und ebene Zugänge angewiesen sein. Nicht zuletzt für Geschäftsleute eine wichtige Erkenntnis.

Auch Touristen und Familien mit Kinderwagen zählen laut Scheffel zu den Menschen, denen Barrierefreiheit entgegenkommen würde. Einzelhändler müssten ihr Bewusstsein dahingehend verändern und erkennen, dass bauliche Veränderungen eine lohnende Investition und eine außergewöhnliche Marktchance darstellten. Denn wertschätzende Gegebenheiten hätten treue Stammkunden zur Folge, mutmaßte der Arbeitskreis-Leiter.

Auch Martin Bleier, der Geschäftsführer der Lebenshilfe Rastatt/Murgtal, machte den Geschäftsleuten Mut, in diesem Bereich einen Anfang zu wagen, denn: "Kleine Schritte bringen auch voran."

Anregungen sind willkommen

Dazu gab Scheffel zahlreiche praktische Umsetzungsbeispiele, wie er sie in anderen Ländern bereits positiv erlebt habe. Zum Beispiel lasse es sich im Outlet-Center im französischen Roppenheim sehr komfortabel einkaufen; Aldi Süd und Lidl hätten den Trend ebenfalls erkannt und würden bereits großräumige Kundentoiletten vorhalten. Nicht nur die Toilette sei für ältere Menschen, Kleinkinder oder Behinderte wichtig, sondern zum Beispiel auch geeignete Parkplätze und große Umkleidekabinen. Auch ein einfaches Schild am Eingang, zum Beispiel mit Klingelknopf, sei eine wohltuende Willkommensgeste.

"Aufmerksam sein für Menschen mit Handicap" ist laut Oberbürgermeister Christof Florus der erste Schritt in die richtige Richtung. Nachdem schon einige Parkplätze für Behinderte ergänzt wurden und der Bahnhofsplatz barrierefrei gestaltet wurde, sei die Stadt nun offen für weitere Anregungen. Einige Anwesende hatten gleich konkrete Vorschläge: Das Nachziehen der Parkstreifen-Markierungen, die Ergänzung weiterer öffentlicher Toiletten und die Beschilderung der hinteren Geschäftszugänge. Auch ein links- und rechtsbündiger Handlauf an den Treppen würde vielen Menschen den Zutritt zu den Geschäften erleichtern. Der OB versprach den Einzelhändlern städtische Unterstützung bei Einzelfall-Lösungen. Auch Bürgermeister Michael Pfeiffer sicherte Unterstützung zu: "Alle Probleme werden wir nicht wegbekommen, aber das Mögliche ist in Planung und wird Stück für Stück umgesetzt." Florus sagte, die Zusammenarbeit von Lebenshilfe und Stadt verlagere sich nunmehr auf die Zusammenarbeit von Stadt und Einzelhändlern, die sich bei diesem Thema nicht alleingelassen fühlen sollen. Denn weiterhin gilt der Grundgedanke des Projekts: "Miteinander macht's einfach."

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