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Die Gräueltaten von Grafeneck
Die Gräueltaten von Grafeneck
30.01.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach/Karlsruhe (red) - Das Dritte Reich und der Nationalsozialismus sind fester Bestandteil des Bildungsplans in der Oberstufe. Im Zuge dessen hat der Geschichtskurs g3 der Kursstufe zwei des Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG) eine Exkursion ins Generallandesarchiv nach Karlsruhe unternommen. Dort informiert derzeit die Wanderausstellung "Grafeneck 1940 - Euthanasie-Verbrechen in Südwestdeutschland" über die Vorgänge und Gräueltaten der Nationalsozialisten.

"Man müsste ein Gesetz schaffen, das der Natur zu ihrem Recht verhilft. Die Natur würde dieses lebensunfähige Geschöpf verhungern lassen. Wir dürfen humaner sein und ihm einen schmerzlosen Gnadentod bereiten..." Diese Worte entsprachen dem Denken und Handeln der Nationalsozialisten, wenn es um den Umgang mit psychisch kranken und behinderten Menschen ging. Unter dem Deckmantel der "Aktion T4" beziehungsweise dem Euphemismus "Euthanasie" ("der gute Tod") wurden in Deutschland mehr als 70000 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen auf Befehl der Nationalsozialisten ermordet - unter anderem in der Tötungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb.

Obwohl Grafeneck im Württembergischen liegt, sind die Verbindungen nach Baden doch enger geflochten als man vielleicht annehmen würde, informiert das ASG in einem Pressetext.

Bei der Führung durch die Ausstellung sei deutlich geworden, wie sich die grausigen Ereignisse in Grafeneck abgespielt haben. Nicht zuletzt seien es badische Mediziner gewesen, wie Alfred Hoche (unter anderem Verfasser der Schrift "Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens"), Ludwig Sprauer und Arthur Schreck (Leiter der Pflegeanstalt Rastatt), die als Vordenker, Organisatoren und Vollstrecker des Krankenmords weit über die Grenzen Badens hinaus eine zentrale Rolle gespielt haben.

Enge Verbindungen nach Baden

Vertieft wurde die Verbindung zwischen Baden und Grafeneck durch einen Vortrag, der im Anschluss an die Führung im Generallandesarchiv gehört wurde. Maria Nüchter referierte aus ihrer Masterarbeit zur Pflegeanstalt in Rastatt unter dem Titel "Zu keiner Arbeit fähig - Die Pflegeanstalt Rastatt als Verwahranstalt dauernd anstaltsbedürftiger Geisteskranker".

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die Pflegeanstalt in Rastatt, die erst seit 1934 geöffnet war, nach Zwiefalten verlegt. Von dort wurden Patienten, die nicht in der Lage waren zu arbeiten und daher für die Nationalsozialisten wert- und nutzlos waren, in das Tötungslager Grafeneck deportiert. Circa 80 bis 90 Prozent der in Rastatt aufgenommen Patienten wurden in Grafeneck aus Gründen der Sparsamkeit ermordet.

Begonnen haben die Morde in Grafeneck am 18. Januar 1940 - auf den Tag genau 78 Jahre vor dem Ausstellung-Besuch der ASGler im Generallandesarchiv. Grafeneck wurde damals zum Experimentierfeld für das millionenfache Töten, das nur kurze Zeit später in den deutschen Vernichtungslagern in Osteuropa einsetzte, heißt es im Bericht des ASG abschließend.

www.landesarchiv-bw.de

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