https://www.badisches-tagblatt.de/anzeigen_privat_marktplatz/index.html
Großes Kino in der Flößerhalle
03.02.2018 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - "Ich will Malle zurück!" hatten DJ Andi und DJ Bimbaz gerade aufgelegt - da nahm sie richtig Fahrt auf, die Polonaise von drei Dutzend original Hördener Schlempen kurz nach viertel zwölf am Donnerstagabend in der Flößerhalle in Hörden. "Ich will die Halle zurück", hätten sie da mitsingen können, doch das Ansinnen der Sympathieträgerinnen reicht weit über das Partygeschehen in der Malle-Halle hinaus.

Die "Herdemer Fasent", sie lebt, das war die Botschaft. Das "Schnurren" in Anlehnung an die traditionelle Wirtshaus-Fastnacht, es erlebte vielleicht in der langen Nacht zu Freitag eine Wiederauferstehung. Denn nach dem Aus des Traditionshauses "Ochsen", es war jahrzehntelang eine Bastion gepflegten närrischen Frohsinns, sah es düster aus.

Nun also wirbelten und tänzelten die Hördenerinnen durch das jugendlich-junge Publikum in der Flößerhalle und anschließend im gegenüberliegenden "Anker", wo die knapp über Dreißigjährigen für diese lange Nacht ihr Refugium gefunden hatten, schäkerten ein kleines bisschen hier, pichelten ein Sektlein dort.

Die Befürchtung, dass sie womöglich ausgelacht werden könnten in der Flößerhalle, die jedenfalls erwies sich als völlig unbegründet. Ein paar Anrufe, das bestätigt "Sibylle" Bender, die Ortsvorsteherin, habe es allerdings schon gebraucht, bis tatsächlich alle Schnurrantinnen zusammengetrommelt waren. Sie ist selbst eine begeisterte Fastnachterin, und so versammelten sie sich gegen 23 Uhr vor der Flößerhalle, dem "Filmpalast Schmalzloch" - und aus der Handvoll am Anfang waren tatsächlich drei Dutzend geworden.

Wie es denn nun weitergehe im Flößerdorf? Darauf legte die eine oder andere der Damen ein sibyllinisches Lächeln an den Tag. Und dies nicht ohne Grund, denn Sibylle, so heißen sie alle, die Schlempen in der Hördener Fastnacht. Der Name verweist auf die sibyllinischen (weissagenden, geheimnisvollen) Frauen des griechischen Altertums. Ein rundes Dutzend närrische Wirtschaften gab es früher im Flößerdorf, um die sich fröhlich-wehmütige Erinnerungen ranken: "Bierhaus", das Café Lang, der "Hirsch", die "Zwitscherstube" "Ochsen", "Kirch'l", "Anker" "Essel-Klause", "Forellenhof" oder Café Häfele.

Aus den Protokollen der Hördener Narrenzunft geht hervor: "Ebenfalls fanden die Schnurrabende bei sehr vielen auswärtigen Gästen regen Zuspruch. Hördens Straßen waren in den Abendstunden und in der Nacht belebt wie eine Großstadt bei Tage. Im Mittelpunkt stand und steht dabei die Hördener Schlempe (keine Schlampe, sondern etwas Edles). Zum Schnurren trägt sie gewöhnlich Omas schwarze Sonntagsgarderobe." Das Kapotthütchen - mit Schleier oder ohne Schleier - konnte sich sich zwar der Konkurrenz von Hut, Federboa und anderen Utensilien kaum erwehren, auch mit der Maskierung nimmt frau es nicht mehr so genau. Aber der "Spirit", der Geist, er wurde wieder jung.

Ja, wie es denn nun weitergeht? Zunächst mal mit der Hochphase der Fasentzeit in Schmalzloch. Und da wird, zum vierten und letzten Schnurren in diesem Jahr, am Schmutzigen Donnerstag, auch der Zwitscherkeller von Ulrike Jung wieder geöffnet haben.

Eines aber, das haben die Schlempen beim dritten Schnurren bereits gezeigt: Ihr Auftritt, das war großes Kino - Fortsetzung folgt.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Baden-Baden
Chaos-Baustelle ´keine Glanzleistung´

02.02.2018
Chaos-Bau "keine Glanzleistung"
Baden-Baden (hol) - Der gescheiterte Bau von drei Villen in Lichtental (Foto: Walter) wird die Stadt wohl teuer zu stehen kommen. Die Baufirma hat Schäden hinterlassen und nach Angaben der Stadtverwaltung Insolvenz angemeldet. Der Investor sitzt im russischen St. Petersburg. »-Mehr
Bühl
´Es kommt nichts rein, es geht nichts raus´

02.02.2018
Ganztägiger Streik bei Bosch
Bühl (jo) - Aus Fässern loderten Flammen. Nach zwei eher symbolischen Aktionen im Januar hat die IG Metall die Gangart verschärft. Das Bosch-Werk in Bühl wurde von gestern, 6 Uhr, bis heute, 6 Uhr, bestreikt. Die Fertigung kam laut Gewerkschaft zum Erliegen (Foto: bema). »-Mehr
Pyeongchang
Herber Schlag für das IOC

02.02.2018
CAS hebt Sperren des IOC wieder auf
Pyeongchang (dpa) - Der Sportgerichtshof CAS hat aus Mangel an Beweisen alle Doping-Sanktionen des IOC (Foto: dpa) gegen 28 russische Wintersportler aufgehoben. Elf weitere Sportler bleiben von den Spielen in Pyeongchang ausgeschlossen, ihre lebenslangen Sperren sind ungültig. »-Mehr
Willstätt
--mediatextglobal-- Kampf bis zum Umfallen: Im Hinspiel war TVS-Akteur Niklas Jolibois (rechts) gegen Kristian Eskericic erfolgreich.  Foto: toto

02.02.2018
Derby: TVS spielt in Willstätt
Willstätt (red) - Der TVS Baden-Baden, Tabellenführer der Handball-Oberliga, spielt am Freitag (20.30 Uhr) gegen den drittplatzierten TV Willstätt. Im Hinspiel hatte der TVS um Niklas Jolibois (Foto: toto) mit 39:29 gewonnen. In der Hanauerlandhalle werden über 1000 Zuschauer erwartet. »-Mehr
Forbach
--mediatextglobal-- Die Industriebrache Wolfsheck könnte in ein Gewerbegebiet umgewandelt werden, um neue Arbeitsplätze zu schaffen.  Foto: av /  Mack

01.02.2018
Attraktivität steigern
Forbach (mm) - Attraktivität steigern, Arbeitsplätze schaffen, Leitbild umsetzen - das sind die Aufgaben, die sich der Forbacher Gemeinderat bei der Haushaltsverabschiedung gestellt hat. Dazu zählt die Schaffung neuer Gewerbegebiete, dies sei auf dem Wolfsheck-Areal möglich (Foto: av). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Weil einige Eltern einem Wirt zufolge ihre Kinder nicht mehr im Griff haben, sind diese abends in seinem Restaurant nicht mehr erwünscht. Eine sinnvolle Maßnahme?

Ja
Nein
Weiß nicht


www.los.de/los-rastatt/lrs/
http://www.freizeitmessen-freiburg.de/
Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen