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Witwe droht Obdachlosigkeit
Witwe droht Obdachlosigkeit
05.02.2018 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - In Deutschland finden immer mehr Menschen keine Wohnung und landen schlimmstenfalls obdachlos auf der Straße. Das Problem konzentriert sich auf die Großstädte, weil gerade dort bezahlbarer Wohnraum knapper und knapper wird. Aber auch im ländlichen Raum des verhältnismäßig reichen Südwestens der Republik finden Bedürftige oft keine Bleibe, wie das Beispiel von Ute Heinzel aus Gernsbach zeigt.

Seit vier Jahren wohnt die Witwe in der Altstadt und fühlt sich dort sehr wohl. Weil die gesundheitlich stark angeschlagene Frau seit zehn Jahren Erwerbsminderungsrentnerin ist, zahlt die Miete das Sozialamt im Zuge der Grundsicherung. "Das lief immer alles reibungslos", versichert die 60-Jährige im BT-Gespräch. Trotzdem hat sie im vergangenen Juni die Kündigung erhalten.

Nachdem es im Haus einen Eigentümerwechsel gegeben hat, sei kurz darauf die Miete erhöht worden. Sie aber hat nur Anspruch auf eine Wohnung, die nicht größer ist als 45 Quadratmeter und höchstens 301 Euro Kaltmiete kostet. Letzteres erfüllt sie seit der Mieterhöhung nicht mehr. Das Sozialamt würde die Mehrkosten sogar tragen, sagt Heinzel, wenn ihre Vermieterin drei Vergleichsmieten vorlegen würde, die den Mietpreisanstieg rechtfertigten. "Das hat sie aber nicht gemacht und plötzlich Eigenbedarf angemeldet", erzählt die besorgte Frau, der nun die Obdachlosigkeit droht.

"Sozialer Wohnungsbau Fehlanzeige"

Seit mehr als einem halben Jahr sei sie auf Wohnungssuche: "Inserate, Makler, Caritas, Stadt, tägliche Internetrecherche - ich war nicht untätig", betont die 60-Jährige, die sich im Raum Kuppenheim bis Weisenbach umschaut. Erschwerend kommt bei der Witwe hinzu, dass für sie aufgrund starker Arthrose nur eine Wohnung im Erd- oder im ersten Obergeschoss infrage komme, weil sie nicht so viele Treppen gehen kann. "Ich finde keine Wohnung für 301 Euro, da kann ich machen, was ich will."

Mit Hilfe eines Rechtsanwalts habe sie den Auszug aus ihrer Altstadtwohnung hinauszögern können, zumal sie eine psychiatrische Bescheinigung hat, dass ihr ein Umzug aus therapeutischer Sicht nicht zuzumuten sei. Gerade wegen ihrer Erkrankung sei das soziale Umfeld, das sie sich in Gernsbach aufgebaut habe, sehr wichtig: "Das will, das muss ich aufrechterhalten." Trotz allem stehe ihr jetzt eine Räumungsklage bevor. "Wenn es so weit kommt, sitze ich auf der Straße", sagt sie resigniert.

Dass Bedürftige in Deutschland keine Wohnung finden, betrachtet die 60-Jährige als Skandal: Trotz anderslautender Versprechungen herrsche im Bereich "sozialer Wohnungsbau Fehlanzeige", beklagt Ute Heinzel. Das gilt auch für die Stadt Gernsbach, wie SPD-Gemeinderatsmitglied Guido Wieland auf BT-Anfrage bestätigt. Die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum auch für finanziell Schwache und Bedürftige gehört zwar Jahr für Jahr zu den Kernforderungen der Sozialdemokraten, aber konkrete Schritte sind in den zurückliegenden Jahren in Gernsbach nicht unternommen worden - obwohl der Bedarf da ist, betont Wieland.

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