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Schwimmärmle fürs Geldbad
13.02.2018 - 07:28 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Wohlvertraut und fast schon Ritual ist es, wenn der Fanfarenzug der Grokage die Eröffnung der närrischen Ratssitzung im Bürgersaal des Gaggenauer Rathauses herbeischmettert. Das Badnerlied zum Beginn gehört dann ebenso dazu wie die "Bürgersuppe" am Ende. Dann war aber zunächst mal Schluss mit dem Vertrauten: Denn die rund 200 närrischen Gäste begrüßte mit Francisco Palma Diaz zum ersten Mal ein Neuling auf der Position des Sitzungsleiters.

Im souveränen Plauderton moderierte Palma Diaz, der bereits als "Paco" einige Male die Sitzung bereichert hatte, das Programm. Und in Gaggenau funktioniert sie bereits, die neue "Groko", zumindest, wenn Dorothea Maisch (CDU) und Gerd Pfrommer (SPD) die närrischen Spitzenrepräsentanten sind. Beim Blick in die helle Glaskugel wurde schnell klar: Zumindest eine Leuchte hat man im Gaggenauer Rathaus, und die Aussichten sind damit nicht mehr ganz so düster.

Die Große Kreisstadt lebt durch ihre Stadtteile, und somit hatte Jürgen Schäfer aus Michelbach leichtes Spiel, die Gäste auf die Tourismusperle im Seitental einzustimmen. "O, wie schön ist Michelbach!" studierte er kurzerhand mit ihnen ein, und eines ist gewiss. Der vielstimmige Chor wird künftig als 200-köpfiger Werbeträger in die Welt posaunen: "In Sulzbach gibt's nur Trübsal, in Michelbach nur Spaß!"

Eine weiter Premiere erwartete die Gäste: Denn auch die Freien Wähler Gaggenau trugen etwas zum Programm bei. Juan Ebi und Jessica Werth, die am Vormittag für Marc Siebert eingesprungen war, blickten gemeinsam in ihre handyfreie Kindheit, als man noch Zigeunerschnitzel und Mohrenköpfe essen durfte. Das eigentliche Problem heutzutage: Im Zeitalter von iPhone, iPad und anderen I-Geräten weiß die Jugend halt nicht, was es heißt, wenn von I-Sprung die Rede ist.

Dass man auch ohne WLAN und Schunkel-App Freude haben kann, dies legten wieder einmal die Saubergspatzen an den Tag, die traditionell mit ihren Liedern die Sitzung bereicherten.

Kein bewegtes, aber ein Bild zum Aufhängen hatte die Delegation aus Schmalzloch-Hörden dabei. Der einzige närrischer OB im Stadtgebiet, Matthias Karcher, überreichte dem entmachteten Bürgermeister Michael Schulz ein Gemälde, das ihn als barocken "Türkenlouis" zeigt. Schließlich hatte er den Angriff der Türken auf die Rotenfelser Festhalle ganz ohne Schießerei, alleine mit den Waffen der Bürokratie abgewehrt - indem er kurzerhand die Parkplätze sperren ließ.

Im Anschluss versprach Björn Stolle als Star-Reporter der BTNN, der Badisch-Tragischen Neuesten Nachrichten, exklusive Einblicke in das Horrorlabor von Dr. Frankenstein. Nicht nur ein gutes Jahr mehr wird dort den Gaggenauern gezüchtet, sondern ein Homo gaggosiensis, der schon als Baby bessere Reden halten kann als der OB und alle Gemeinderäte zusammen. Der klamaukhaltige Beitrag der SPD gipfelte in einem Lied über Gaggenau, wo man ein Jahr länger lebt. Beifall gab es für Björn Stolle, Peter Mann, Eugen Weber, Jürgen Schäfer, Gerd Pfrommer und Gerlinde Stolle.

Juan Ebi, ein Gaggenauer in OCC-Mission, trug mit Walter Then die Forderungen aus Ottenau vor. Nachdem der Schulhof ja zugesperrt war, sei ein unterirdisches Parkhaus bei der Merkurschule unabdingbar. Darüber hinaus müsse ein Gutachterausschuss eingerichtet werden zu dem Thema "Merkurschule - Lernen hinterm Stahlzaun". Besondere Berücksichtigung müsse dabei dieser Aspekt haben: Auswirkungen jahrelanger Käfighaltung auf die Kinder.

Die "florussierende" Gaggenauer Wirtschaft nahm die CDU-Fraktion zum Anlass, zunächst Golddukaten unters Volk zu werfen - "wie in den goldenen 80er Jahren", um danach dann die Olympischen Spiele in die Benzstadt holen zu wollen.

Natürlich werde in diesem Zusammenhang auch schnelles Internet auf "Goldfaserbasis" verlegt. Und selbstverständlich muss für das künftig nagelneue Waldseebad noch ein drittes Becken her - damit die Gaggenauer nicht nur in Chlor- und Naturwasser, sondern wie Dagobert Duck auch im Geld schwimmen können. Gleichwohl: Stadträte dürfen nur noch mit Schwimmärmle ins Waldseebad, "damit sie nicht schon wieder mit dem Planer untergehen". Der Beifall des Publikums war sicher.

Mit rhythmischer Unterstützung von Gerhard Maisch gab es zum Schluss eine deutsche Adaption von "I don't like Mondays" - und warum sie keine Montage mögen, machten sie schnell deutlich: Weil die Sitzungen immer so lange dauern. Aber vielleicht sollten Dr. Ellen Markert, Christian Kientz, Christina Palma Diaz, Rudi Drützler, Andreas Paul und Dorothea Maisch einfach mal in Gernsbach hospitieren - sie würden gerne wieder in Gaggenau sitzen.

Bei der Grokage jedenfalls stimmte gestern das Zeitmanagement. Und ruck-zuck war es - wie schon so oft im Gaggenauer Rathaus - mal wieder fünf vor zwölf. Dieses Mal aber kein Grund zur Panik. Gott sei Dank herrschte wie immer Einigkeit zwischen Entmachteten, neuen Machthabern und Bürgern beim Gaggenauer Lied, das traditionell den Schluss der närrischen Sitzung bildet: "Gell, mir hen e scheene Stadt ..."

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