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Zu viele Christen für nur ein Gotteshaus
Zu viele Christen für nur ein Gotteshaus
16.02.2018 - 00:00 Uhr
Von Andreas Merkel

Gaggenau - Die Pfarrei St. Marien blickt in diesem Jahr auf ihr 50-jähriges Bestehen. Gegründet wurde sie mit Wirkung vom 1. April 1968 zunächst als Pfarrkuratie. Die rechtliche Grundlage bildete ein Dekret, das der damalige Erzbischof Dr. Hermann Schäufele vor genau fünf Jahrzehnten, am 16. Februar 1968, unterzeichnet hatte.

St. Marien gehört damit zu den rund 20 Pfarreien, die seit 1964 in der Erzdiözese Freiburg neugegründet worden waren. Zur Motivation, in Gaggenau, das damals rund 13831 Einwohner zählte, einen neuen Seelsorgebezirk zu etablieren, gehörte das rasante Bevölkerungswachstum nach dem Zweiten Weltkrieg. Einen Schwerpunkt bildeten die neuen Wohngebiete links der Murg. Während in der Vorkriegszeit nur kleingliedrige Bebauung um Hans-Thoma-Schule, Murgtalbrauerei und die als sogenannte Reichsheimstätten entstandenen Einfamilienhäuser entlang der Alois-Degler-Straße vorhandenen waren, nahm die städtebauliche Entwicklung in der Wirtschaftswunderzeit deutlich Fahrt auf.

Dazu beigetragen hat nicht zuletzt der Zuzug von Vertriebenen und Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. So wurden entlang der Bismarckstraße und auch im Gewann "Breitwies" vielfach größere Mehrfamilienhäuser errichtet. Parallel dazu entstand, teils mit Unterstützung von Wohnbaugenossenschaften, eine Vielzahl von Reihen-, Doppel und freistehenden Ein- und Zweifamilienhäusern, beispielsweise in der Bernäckerstraße oder im Breitwiesenweg. Zudem verfestigten sich bauliche Aktivitäten jenseits der Bundesstraße auf dem Hummelberg, unter anderem mit der "Waldstadt" im Bereich Konrad-Adenauer- und Baden-Badener Straße.

Historisches

Die Bevölkerungsentwicklung spiegelte sich naturgemäß im kirchlichen Bereich wider. Stadtpfarrer Oskar Scherrer, seit 1962 Pfarrherr in St. Josef, wusste etwa 1964 zu berichten, dass "Sonntag für Sonntag mehr als 2500 Menschen zum Gottesdienst nach St. Josef kommen", und für die Gläubigen das Gotteshaus nicht aus der Welt sei.

Gleichwohl, so Scherrer, dürfe man sich von der schönen Zahl nicht einlullen lassen. Nach Auffassung des Geistlichen "verlangt Seelsorge an der Gemeinde heute mehr als eine Stunde Sonntagsgottesdienst. Sie verlangt eine ganze Reihe außerkirchlicher Begegnungen, sie verlangt vor allem aber den persönlichen Kontakt zwischen Priester und Gemeinde". Erst in dem Maße, in dem der Pfarrer seine Gemeindemitglieder kenne, und die Gemeindemitglieder sich untereinander kennenlernten, erst in dem Maße werde das schöne Wort "Pfarrfamilie" Wirklichkeit.

"Dieser Verwirklichung", so das Fazit von Oskar Scherrer, "sind in einer Pfarrei, die über 6000 Pfarrangehörige hinaus ständig weiterwächst, unüberwindbare Grenzen gesetzt". Missionarisch könne eine so groß gewordene Pfarrei nur noch sehr erschwert arbeiten. Eine gute missionarische Arbeit sei jedoch gerade für einen Pfarrbezirk unabdingbar, der in wenigen Jahren aus dem Boden gewachsen sei und deshalb über keine Bindungen verfüge, wie sie sich andernorts aus Geschichts- oder Familientraditionen ergeben würden.

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