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"Verantwortung nicht nur bei Schuldenberg-Abbau"
Grünen-Gemeinderat Thomas Hentschel hätte in Gernsbach gerne einen Klimaschutzbeauftragten. Foto: av
19.02.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach - Der Gernsbacher Gemeinderat verabschiedet heute seinen Haushalt für das Jahr 2018. Bei der Beratung des Entwurfs vor zwei Wochen gab es heftige Diskussionen wegen des Personals. Bürgermeister Julian Christ wollte kräftig aufstocken, die Fraktionen bremsten jedoch das Ansinnen aus und kappten mehrere gewünschte Stellen wegen der angespannten Haushaltslage. Fast hätten die Grünen aber trotzdem den erhofften Klimaschutzbeauftragten durchbekommen. BT-Redakteur Hartmut Metz sprach mit Gemeinderat Thomas Hentschel über die Stelle.

Interview

BT: Herr Hentschel, für Ihre Fraktion der Grünen war es ein kleiner Hattrick: Zum dritten Mal scheiterten Sie mit dem Antrag im Gemeinderat, einen Klimaschutzbeauftragten anzustellen. Diesmal fiel das Nein aber denkbar knapp aus.

Thomas Hentschel: Das stimmt. Ich bin enttäuscht, dass sich immer noch keine Mehrheit zu einem Klimaschutzkonzept durchgerungen hat. Die deutlich zugenommenen Starkregenereignisse zeigen doch überdeutlich: Die Klimakatastrophe, die letztlich unsere Heimat als Ganzes bedroht, nimmt ihren Lauf! Auch wir in Gernsbach haben hier eine Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen und können die Aufgabe, den Klimawandel abzubremsen, nicht nur den anderen überlassen. Dies zumal wir nach wie vor mehr als das Doppelte an Klimagasen produzieren als die Weltbevölkerung im Durchschnitt. Unsere Verantwortung erschöpft sich nicht allein im Abbau von Schuldenbergen. Wir Grünen verstehen uns da, um es mit den Worten von Robert Habeck zu sagen, als Anwälte der Zukunft und werden deshalb auch in Gernsbach nicht müde, die Verwaltung und den Gemeinderat an diese Verantwortung zu erinnern.

Klimaschutzkonzept

spart in Horb Geld

BT: Angesichts der Personaldiskussionen, bei denen der Gemeinderat auch wegen der angespannten Haushaltslage mehrere neue Stellen verhinderte und nur die unvermeidlichen genehmigte, kam der Vorstoß natürlich zu einem schlechten Zeitpunkt. Glauben Sie daran, dass es nächstes Jahr endlich klappt?

Hentschel: Ich finde nicht, dass diese Forderung zu einem schlechten Zeitpunkt kam, denn Klimaschutz ist auch wirtschaftlich, wie die Bemühungen der Industrie um Klimaschutz zeigen. Während die Wirtschaft auch die Einsparmöglichkeiten von Energiesparmaßnahmen erkannt hat und diese längst umsetzt, hinken wir hinterher. Andere Gemeinden und Städte machen da sehr gute Erfahrungen. Ich werde anregen, sich Beispiele hierzu anzusehen und hoffe, dass sich diese Erkenntnis sich auch bei den beiden Gemeinderatsfraktionen durchsetzt, die in diesem Jahr erneut gegen das Konzept gestimmt haben.

BT: Die ersten zwei Jahre, sagten Sie, würden Zuschüsse die Personalkosten decken. Was kostet diese Stelle im Jahr ungefähr? Und wer bezahlt die Zuschüsse?

Hentschel: Die Zuschüsse decken in den ersten zwei Jahren einen Großteil der Kosten für den Klimaschutzbeauftragten. Dessen Aufgabe ist es, nach Möglichkeiten der Energieeinsparung und Fördermöglichkeiten für Klimaschutzmaßnahmen zu suchen. Nach den bisherigen Erfahrungen zeigt sich, dass sich der Klimaschutzbeauftragte in der Regel nach spätestens zwei Jahren selbst refinanziert. Gerade habe ich mich mit dem Oberbürgermeister von Horb, Peter Rosenberger, über das Thema ausgetauscht. Horb war eine der ersten Städte in Baden-Württemberg, die ein Klimaschutzkonzept umgesetzt haben. Die dortigen Erfahrungen zeigen, dass der Klimaschutz langfristig zu Kosteneinsparungen führt und damit sogar einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leistet.

BT: Was brächte der Stadt und den Bürgern ein Klimaschutzbeauftragter?

Hentschel: Neben den Einsparungen von Energiekosten und einer Reduzierung des Treibhausgasausstoßes kann der Klimaschutzbeauftragte vor allem beim Auffinden von Fördermitteln eine hilfreiche Ergänzung sein. Da das Klimaschutzkonzept nicht allein die öffentlichen Liegenschaften, sondern alle Immobilien betrachtet, kommen auch die Bürger in den Genuss seiner Beratung. Die Einspareffekte des Konzeptes rechnen sich damit auch für die Einwohner der Stadt.

BT: Was kann ein Klimaschutzbeauftragter konkret an Negativauswirkungen einsparen bei einer Stadt wie Gernsbach? Gibt es Zahlen?

Hentschel: Von den Befürwortern der Sanierung des Freibads Obertsrot wurde das Klimaschutzkonzept seinerzeit als Möglichkeit zur Generierung weiterer Fördermöglichkeiten ins Feld geführt. Welche Maßnahmen im Einzelnen am Ende zusätzlich gefördert werden können, hängt jeweils vom Einzelfall ab. Aber angesichts der Sanierungsstaus, den wir in den städtischen Liegenschaften haben, angefangen von der Von-Drais-Grundschule, die schon seit Jahren auf der Sanierungsliste steht, über die Realschule und das Rathaus bis zu den Feuerwehrhäusern gibt es dazu ein ganz erhebliches Förder- und Einsparpotenzial. Daneben geht es um eine Vielzahl kleinerer Anschaffungsentscheidungen, zum Beispiel bei der Anschaffung von elektronischen Geräten und Leuchtmitteln. Genau haben wir aber die Einsparpotenziale noch nicht berechnet.

BT: Könnte er auch in Sachen vergiftetes Pfleiderer-Areal die Stadt voranbringen?

Hentschel: Die Pfleiderer-Thematik hat zwar einen Umweltschutzcharakter, aber leider keinen unmittelbaren Bezug zum Klimaschutz. Bei der Frage, was dort nach einer umweltgerechten Erschließung entsteht, sind zusätzliche Fördermöglichkeiten natürlich denkbar.

BT: Herr Hentschel, lieber einen Stabsstellenleiter für den Bürgermeister oder einen Klimaschutzbeauftragten für die Stadt Gernsbach: Was ist wichtiger?

Hentschel: Ich glaube, dass eine Aufstockung des Personals die Stadt wieder konkurrenzfähiger macht, bin aber überzeugt, dass der Klimaschutzbeauftragte einen größeren Beitrag für die Zukunft leisten kann. Von daher würde ich den Klimaschutzbeauftragten vorziehen.

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