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Christdemokraten fordern Aufarbeitung der NS-Zeit in Gernsbach
20.02.2018 - 00:00 Uhr
Gernsbach (stj/red) - Mit der Enthüllung, dass die Stadt Gernsbach mit Walter Buch bis heute einen hochrangigen Nazi in den Reihen ihrer Ehrenbürger hat, löste Bürgermeister Julian Christ beim Neujahrsempfang Bestürzung aus (wir berichteten). Durch die symbolische Aberkennung der Ehrenbürgerwürde möchte sich die Stadt nun "deutlich von der Person Walter Buch distanzieren", erklärte Christ in der Vorlage zur gestrigen Gemeinderatssitzung. Für die CDU-Stadtratsfraktion geht diese Initiative aber nicht weit genug. "Da durch Tod die Ehrenbürgerwürde eh erloschen ist, ist die pro forma Aberkennung nicht das richtige Zeichen", betonte Ex-Bürgermeister Wolfgang Müller.

Die CDU-Fraktion bedauere, dass der Stadtrat im Jahr 1936 Walter Buch das Ehrenbürgerrecht verliehen hat, und fordert, den damaligen Gemeinderatsbeschluss förmlich zurückzunehmen. Die Verwaltung sollte zudem damit beauftragt werden, die NS-Vergangenheit der Stadt Gernsbach aufzuarbeiten. "Man möchte wissen, wie die Stadt mit dem Hitlerregime verstrickt war und welchen Einfluss die Nationalsozialisten auf die Gernsbacher Kommunalpolitik hatten", erklärte Müller.

Da die Stadt die Stelle des Archivars an Wolfgang Froese vergeben hat und sie für das Jahr 2018 doppelt besetzt ist (Amtsinhaber Winfried Wolf geht Ende des Jahres in Rente), könne das Archiv diese Aufgabe übernehmen, meint die CDU.

Für die Christdemokraten sei es selbstverständlich, dass die Amtskette, die von Walter Buch gestiftet wurde, nicht mehr zum Einsatz kommt. "Man sollte einen Menschen wie Walter Buch nicht noch dadurch ehren, indem man sein Geschenk bei wichtigen Anlässen der Stadt trägt", sagte Wolfgang Müller. Er selbst habe die Amtskette in seiner Zeit als Bürgermeister (von 1985 bis 1993) nur ein einziges Mal getragen - bei seiner Amtseinführung, wie er im BT-Gespräch versicherte. Vom nationalsozialistischen Hintergrund der Kette habe er nichts gewusst. "Ich bedauere zutiefst, dass ich das in meiner Amtszeit nicht bemerkt habe."

Schon vor Jahren haben Gernsbacher Bürger recherchiert, wo jüdische Mitbürger gewohnt haben, die Opfer des NS-Regimes wurden. Alljährlich erinnert der Arbeitskreis für Stadtgeschichte am 22. Oktober an die Deportation der letzten Gernsbacher Bürger jüdischen Glaubens im Jahr 1940. Ihre Namen sind auf einem Gedenkstein nahe der Stadtbrücke festgehalten.

Aktion Stolpersteine auch in Gernsbach

Der Künstler Gunter Demnig hat 1992 das Projekt "Stolpersteine" ins Leben gerufen. Mit quadratischen Pflastersteinen wollte er Gedenkstätten errichten, wo einst jüdische Mitbürger gewohnt haben, die von den NS-Schergen vertrieben, deportiert, ermordet oder in den Selbstmord getrieben wurden. Auf den in Beton gegossenen Messingtafeln sind die Namen der Opfer eingeschlagen. Um die Stolpersteine zu lesen, muss man sich bücken und verneigt sich so vor den Opfern. "Die Stadt Gernsbach soll der Aktion Stolpersteine beitreten", schlägt die CDU vor: "Die Bevölkerung und die Schulen sollen in die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Stadt Gernsbach eingebunden werden. Es gilt, ein Zeichen zu setzen, dass rechtsradikale Kräfte in unserer Gesellschaft keine Chance haben. Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit haben in Gernsbach nichts verloren."

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