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Kaffeebauer von der Pike auf gelernt
Plantagenbesitzer Andrés Quintanilla Bellucci (rechts) in der Eisenwerk-Rösterei von Stephan Zink.  Foto: Rohwer
22.02.2018 - 00:00 Uhr
Von Elke Rohwer

Gaggenau - "Ein guter Kaffee braucht weder Milch noch Zucker", schwärmt Andrés Quintanilla Bellucci, während er sich aus einer Glaskanne etwas von der aromatisch duftenden Flüssigkeit einschenkt. Kürzlich war der Kaffee-Experte zu Gast in der Eisenwerk-Rösterei von Stephan und Sabine Zink. Dadurch wurde den zahlreichen Gästen an diesem Tag die Gelegenheit geboten, mit dem Plantagenbesitzer aus El Salvador ins Gespräch zu kommen. Eine seiner Bohnensorten wird in der Rösterei an der Murg für Kaffee und Espresso verwendet.

Andrés Quintanilla Bellucci ist in vierter Generation Kaffeebauer. Gegründet wurde die Farm "La Buena Esperanza" ("die gute Hoffnung") im Jahr 1924 von seiner Großmutter Amalia de Quintanilla. Bevor Andrés den Betrieb übernahm, ging er ins Ausland. Ab 2004 studierte er in den Vereinigten Staaten Acro Business Management und Food Industry Management. In Taiwan machte er den akademischen Master-Abschluss in Bereich Agriculture Management. Er arbeitete in London und Spanien.

Für die Europäische Union war er zeitweise als Berater im Einsatz. Sein Augenmerk galt dabei der Marketing-Förderung kleiner landwirtschaftlicher Betriebe. 2013 kehrte er in seine Heimat zurück. "Es ist wichtig, dass ich die Arbeit als Kaffeebauer von der Pike auf gelernt habe, auch schweißtreibende Tätigkeiten, bei denen man richtig zupacken muss. Ich erwarte von meinen Angestellten nichts, was ich nicht selbst schon gemacht habe", betont der Kaffee-Experte.

Im Verlauf der letzten Jahre hat sich Andrés Grundbesitz nahezu verdoppelt. Zu der rund 60 Hektar großen ersten Plantage ist ein zweites, 45 Hektar umfassendes, Anwesen gekommen. Beide liegen etwa eineinhalb Stunden voneinander entfernt. Außerhalb der Erntezeit übernehmen rund 80 Angestellte die anfallenden Arbeiten auf der Plantage. Während der Erntezeit zwischen November und März beschäftigt Andrés bis zu 200 Helfer.

Mit großer Begeisterung erzählt Andrés von den verschiedenen Produktionsschritten, und es zeigt sich: Die Kaffeeproduktion ist ein arbeits- und zeitaufwendiges Handwerk. Das fängt damit an, dass es fünf Jahre dauert, bis eine Kaffeepflanze das erste Mal genug Kirschen hat, um abgeerntet werden zu können.

Die Ernte an den Hängen in der vulkanisch geprägten Landschaft ist Handarbeit. Dafür, wie auch für die Weiterverarbeitung, braucht es viel Erfahrung, präzises Timing und Sorgfalt. Nur Kirschen mit dem richtigen Reifegrad werden verarbeitet, betont der Kaffeebauer.

Es gibt verschiedene Methoden, die Kaffeekirschen aufzubereiten. Bei der trockenen Verarbeitung werden sie mit Schale und Fruchtfleisch in der Sonne ausgelegt. Nach vier Wochen wird das Fruchtfleisch entfernt. Bei der nassen Aufbereitung werden die geschälten Bohnen in große Wasserbecken gegeben, wo sie fermentieren. Anschließend werden auch sie getrocknet. Während die Bohnen durch das natürliche Verfahren ein süßliches Aroma bekommen, erhalten die durch das Fermentieren einen säuerlichen Charakter.

Arabica ist nur ein Überbegriff

"Viele Kaffeetrinker ahnen nichts von den vielen verschiedenen Aromen, die ein Kaffee, je nach Sorte und Verarbeitung, haben kann. Die meisten gehen davon aus, dass die Bezeichnung 100 Prozent Arabica ein ausreichendes Qualitätsmerkmal ist, doch das ist nur ein Überbegriff. Erfreulicherweise gibt es immer mehr Kaffeefachgeschäfte, in denen man Kaffee kosten und sich über Herkunft und Sorte informieren kann."

Andrés Quintanilla Bellucci hat erreicht, dass seine Angestellten sich mit dem Betrieb identifizieren.

"Die Menschen, mit denen ich auf der Farm zusammenarbeite, haben ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl für das Anwesen, die Pflanzen und das Endprodukt. Das schlägt sich in der Qualität des Kaffees nieder. Allen ist bewusst, dass ihr Job nur sicher ist, wenn wir alle zusammen eine gute Arbeit abliefern. Dieses Verantwortungsgefühl danke ich meinen Angestellten, indem ich sie im sozialen Bereich unterstütze, zum Beispiel mit dem Kauf von neuen Schulbüchern für ihre Kinder. Und wer weiß, vielleicht treten diese später in die Fußstapfen ihrer Eltern", so Bellucci.

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