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In Sulzbach summt und brummt es wieder
Wer Hummeln helfen will, sollte seinen Garten oder seinen Balkon möglichst naturnah und blütenreich gestalten. Foto: Elsener
23.02.2018 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gaggenau - Wenn wir Menschen so weiter machen, dürfte es auf unseren Wiesen und Weiden bald merklich ruhiger zugehen. Das Abmähen blühender Flächen, Steingärten, Insektizideinsatz und Monokulturen führen zu einem dramatischen Insektensterben, von dem auch die Hummeln betroffen sind. Viele der circa 40 Arten in Deutschland sind inzwischen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten zu finden. In Gaggenau möchte man jetzt etwas dagegen tun - mit dem Projekt "In Sulzbach summt's wieder".

Josefa Hofmann und ihr Mann Gerd haben im Rahmen der Zukunftswerkstatt Stadtteile 2020 die Initiative ergriffen und sind mit ihrer Projektidee bei der Stadtverwaltung auf offene Ohren gestoßen, passt es doch bestens in das Mindestflurkonzept zum Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft. Zusammen mit der geprüften Natur- und Landschaftspflegerin Angelika Elsener (Sachbearbeiterin Umwelt bei der Stadt Gaggenau) haben sie mehrere Partner mit ins Boot geholt, um Sulzbach stärker zum Blühen zu bringen und so zu einem Refugium für die wichtigen Tiere werden zu lassen.

"Die Idee ist geboren aus dem Wissen, dass die Insekten aussterben", erklärt Josi Hofmann im BT-Gespräch. Mit der Aktion soll auch das Bewusstsein dafür geschärft werden, wie wichtig Hummeln für unser Ökosystem sind: Mehr als 100 Obst- und Gemüsesorten sind unmittelbar von der Bestäubungsleistung dieser kleinen körperfülligen Hautflügler abhängig. Von März bis Mai erwachen die jungen, im Vorjahr begatteten Königinnen in ihren Winterquartieren und machen sich auf die Suche nach einem Nistplatz. Genau mit solchen soll das Projekt nächsten Monat starten.

Im Fischerhaus in Michelbach werden Hummelkästen gebaut, die von Dritt- und Viertklässlern der Bernsteingrundschule Sulzbach unter anderem mit Kappwolle und Stroh zu Nestern ausgestaltet und auf dem Schulgelände, gegenüber dem alten Friedhof sowie auf der Hochzeitswiese installiert werden. Einige sind ober-, andere unterirdisch angelegt. "Es reicht aber nicht, nur Kästen aufzustellen", betont Hofmann: Auch die Umgebung muss hummelgerecht gestaltet werden - zum Beispiel mit Holz, Moos und anderen Materialien, die um die Kästen drapiert werden, erklärt die Ortschaftsrätin. Um den gemütlich-dicken Blütenbesuchern im bunten Pelz eine artgerechte Heimat zu bieten, legt der Bauhof entsprechende Blühflächen als Futterquelle an. Beim Säen und Pflanzen sowie beim Unterhalt der Staudenbeete sind dann wieder die Sulzbacher Grundschulkinder mit eingebunden.

Damit die Dritt- und Viertklässler ein Ziel vor Augen haben, sucht man in Sulzbach die Hummelkönigin Brummhilde. Sie wird nach einer Ausstellung bei Edeka Huck in Hörden gekürt, wo Bilder der Kinder zum Thema (Fotografien, Malereien oder Zeichnungen) ausgestellt werden sollen. "Da ist Platz und da sind die Eltern mit dabei", erklärt Gerd Hofmann. Edeka Südwestfleisch sponsert die ganze Aktion, ist doch Geschäftsführer Jürgen Mäder in Sulzbach zu Hause und Nachbar der Hofmanns.

Die leisten mit ihrer Tierbeweidung (Kamerun-Schafe und Island-Pferde) seit den 90er Jahren einen großen Beitrag zur Landschaftspflege in Sulzbach. Diesen wollen sie noch nachhaltiger gestalten, möglichst viele Mitbürger einbeziehen und Kinder an das Thema heranführen. "Der Verlust der Wildinsekten der letzten Jahre darf uns nicht kalt lassen", sagt das Ehepaar in der Hoffnung, dass durch das Projekt "In Sulzbach summt's wieder" der Geräuschpegel auf den Wiesen und Weiden nicht verstummt.

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