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Salmenplatz-Vandalen nun im Visier
24.02.2018 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - "An den Wochenenden sammelt sich in der Tiefgarageneinfahrt der Müll." "Wenn um 23 Uhr die Bässe wummern, die Rambazamba machen und der Lärm unerträglich ist, fragt man sich, ob die Jugendlichen kein Zuhause haben." "An der Sozialstation wurden Autos beschädigt. Bei uns wurden Lampen und Schilder zerstört: erst verbogen, dann verklebt und heruntergerissen." "Schneebälle fliegen gegen unsere Scheiben. Müll wird auf unseren Balkon geworfen - und Chinakracher. An Silvester wurden auch Raketen aufs Dach gefeuert."

Die Anwohner und Gewerbetreibenden am Salmenplatz nehmen kein Blatt vor den Mund. Sie halten die Zustände am Salmenplatz in Gernsbach schon lange für unzumutbar. Nach zahllosen Protesten, Schreiben an die Stadtverwaltung und Anzeigen bei der Polizei, die laut deren Aussage im "wöchentlichen Takt eingehen", kommt nun endlich Bewegung in die Malaise. Auslöser war wohl im Januar ein weiteres Schreiben der Hausverwaltung der WEG in der Gottlieb-Klumpp-Straße 16. Die 13 Wohnparteien sowie acht Ladenbesitzer und -betreiber hatten mit ihrer Unterschriftenliste die Sachbeschädigungen und die "Belästigungen der Bewohner in den späten Abend- und den frühen Morgenstunden" bis teilweise 3 Uhr angeprangert. Diese seien "nicht länger hinnehmbar".

"Freitagabends und samstags lungern da teilweise 70 Leute in vier, fünf Gruppen herum. Wenn jetzt nichts passiert, kriegt die Stadtverwaltung das nächste Mal den Müll, die Kotze und die Exkremente auf den Schreibtisch gelegt", drohte Alexandra Schmeiser nach einer weiteren Reinigungsaktion drastische Maßnahmen der Bewohner an - zumal auch Polizeistreifen stets nur kurz für Beruhigung der Lage sorgen konnten. "Die verstecken sich in dem Weg bei Sport-Fischer, wenn sie die Polizei kommen sehen - danach kriechen sie wieder aus den Löchern", erzählen Alexandra Schmeiser und ihr Sohn Niklas. Bei ihm seien die Zustände häufiger Themen an seiner Arbeitsstelle bei Daimler. "Da ist auch von Drogenverkauf die Rede", berichtete der 20-Jährige und ergänzte, an der Handelslehranstalt (HLA) seien die Zustände ähnlich.

Wolfgang Ebinger stellte fest, dass sich "nach 22 Uhr eine Gruppe von sechs bis acht Jugendlichen im Raum der Sparkasse mit Geldautomat und Auszugsdrucker verschanzt. Die belästigen auch Personen, die Geld abheben".

Die Rathausverwaltung nahm sich nun der Sache an. Kevin Stolle, neuer Leiter beim Ordnungsamt, traf sich mit den Anwohnern. Gestern teilte die Stadt mit: "Das Polizeirevier Gaggenau und die Stadt Gernsbach haben sich auf ein koordiniertes Vorgehen und gemeinsame Maßnahmen verständigt, um die Situation am Salmenplatz nachhaltig zu verbessern. Seit Herbst vergangenen Jahres waren hier vermehrt Ruhestörungen, aber auch Müllablagerungen und Sachbeschädigungen gemeldet worden. Kern des Verbundkonzepts ist die Einführung eines Teams ,Aufsuchende Jugendarbeit'."

Das Polizeirevier stelle hierfür speziell ausgebildete Jugendsachbearbeiter und binde den Präventionsverein "Lebenswertes Murgtal" ein. Die Stadt vertreten der Stadtjugendpfleger und der Kommunale Ordnungsdienst. Unterstützt werden sie vom Leiter der Fachstelle Sucht in Rastatt. "Das Team wird positiv auf die Lärm verursachenden Jugendlichen zugehen, um Verständnis für die Anwohner am Salmenplatz werben und zugleich eine klare Linie aufzeigen und einfordern", erklärte Stolle. "Im Rahmen des neuen Konzepts werden wir zusätzlich Fuß- und Fahrzeugstreifen im Innenstadtbereich von Gernsbach durchführen", kündigte Jörn Hinrichsen, der Leiter des Gaggenauer Polizeireviers, an.

Zur Verstärkung des Ordnungsdienstes sucht die Stadt zudem ab sofort einen neuen Mitarbeiter. Dessen Aufgabengebiet wird insbesondere auch "die Überwachung von öffentlichen Plätzen wegen Ruhestörungen" umfassen, wie es in der Stellenanzeige heißt. Es handelt sich hierbei um die Wiederbesetzung einer derzeit offenen Teilzeitstelle. "Minderjährige, die negativ auffallen, müssen künftig damit rechnen, dass das Ordnungsamt die Eltern informiert", droht die Stadt. Sie hat außerdem mehrere Vorschläge zur Verbesserung der Situation geprüft, die Anwohner des Salmenplatzes vorgebracht hatten, etwa das WLAN-Netz abzuschalten. "Einer davon, eine Kettenlösung an den Pollern vor der Bäckerei, wird in Kürze umgesetzt", hob Stolle hervor.

Gespräche zu Schmutz und Lärm an der HLA

Bürgermeister Julian Christ sieht nun "erfolgversprechende Lösungen gefunden, die jetzt umgesetzt werden". Der Stadtobere betont zugleich das Recht der Jugendlichen, sich im öffentlichen Raum zu treffen: "Gernsbach ist eine Stadt, in der Jung und Alt zusammenleben. Dazu gehört natürlich auch die Bereitstellung von Treffpunkten für Jugendliche."

Bei der Handelslehranstalt bemüht sich das Rathaus ebenfalls um Lösungen "bezüglich der Lärmbelästigung und Verschmutzungen". Der Ordnungsdienst zeige "Präsenz". Zudem fanden bereits Gespräche mit dem Landratsamt und der HLA statt.

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