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Plädoyer für Versiegelung
Plädoyer für Versiegelung
01.03.2018 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Das Interesse der Bürger am öffentlichen Sachstandsbericht zum Thema Pfleiderer-Areal hielt sich in Grenzen. Nur gut 100 Gernsbacher kamen am Dienstagabend in die Stadthalle. "Ich hätte schon mit mehr gerechnet", sagte Bürgermeister Julian Christ unmittelbar vor seiner Begrüßung im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt.

Das hielt ihn nicht davon ab, am Rednerpult energisch zu fordern, "dass unser Gernsbach keinen Schandfleck am Eingang braucht, sondern eine Zukunft". Wie diese aussieht - auf giftigem Untergrund oder auf sauberer Erde - darüber soll der Bürgerentscheid Aufschluss geben, der laut Christ vor oder unmittelbar nach der Sommerpause 2018 stattfinden werde. Zudem kündigte der Schultes im Vorfeld eine umfangreiche Informationsbroschüre für alle Haushalte und mindestens eine weitere Infoveranstaltung an.

Das wird auch nötig sein, denn am Dienstag konnten bei weitem nicht alle Fragen geklärt werden. Moderiert von drei Mitarbeitern des Freiburger Büros Suedlicht hatte jeder der drei Referenten rund 20 Minuten Zeit für seine Ausführungen, ehe er sich den Fragen des Publikums stellte. Unbeantwortete Punkte konnten im Anschluss auf bereitgestellte Plakate im Stadthallen-Foyer geschrieben werden - sie sollen im Prozessverlauf entweder vom Lenkungskreis Pfleiderer-Areal oder bei einer weiteren Bürgerinfo geklärt werden.

Das Rechtsgutachten wird am 9. März in schriftlicher Form vorgelegt, kündigte Dr. Werner Finger an. Über die wesentlichen Inhalte referierte der Fachanwalt für Verwaltungsrecht bereits am Dienstagabend und machte der Stadt wenig Hoffnung auf einen erfolgreichen Klageweg (siehe erste Lokalseite).

"Gebäude inzwischen in bedenklichem Zustand"

Ihm folgte Wolfgang Hennegriff ans Rednerpult. Der Leiter des Rastatter Umweltamts blickte auf die Chronologie des Standorts zurück und erklärte das behördliche Prozedere im Umgang mit dem Pfleiderer-Areal - angefangen von der ersten historischen Erhebung im Jahr 1994 über diverse Untersuchungen bis hin zum Sanierungsvertrag 2005 und der folgenden Aktivitäten bis heute. Er machte keinen Hehl daraus, dass es an der Zeit sei, das Gelände wieder einer Nutzung zuzuführen, schließlich "verfallen die Gebäude, die inzwischen in einem bedenklichen Zustand" seien. Als Beispiel nannte er die Ansiedlung von Lebensmittelmärkten, die - bei entsprechender Versiegelung - dort ohne weiteres zu realisieren wären. Seinen Aussagen zufolge sei die Oberflächenversiegelung auf dem Pfleiderer-Areal nach wie vor intakt. Deshalb gebe es für das Umweltamt auch keine Veranlassung, die vom Öko-Institut geforderte Neubewertung des Wirkungspfads Boden-Mensch vorzunehmen: Dies sei nicht nötig, "weil seit 2005 keine Veränderungen auf dem Gelände stattgefunden haben".

Als letzter Referent informierte Diplom-Ingenieur Andreas Dietrich von der Geiger Unternehmensgruppe mit Sitz in Oberstdorf (Oberallgäu) über drei mögliche Sanierungsvarianten. Sein Unternehmen befreite 2010 den Sendener Stadtpark von Altlasten, was die Bürgerinitiative Giftfreies Gernsbach mehrfach als gelungenes Beispiel für eine Komplettsanierung anführte. Anhand der von der Stadt zur Verfügung gestellten Datengrundlage errechnete er für das Pfleiderer-Gelände bei einer Vollsanierung Kosten von weit mehr als 24 Millionen Euro und eine Bauzeit von circa zwölf Monaten, in der insgesamt 116000 Tonnen Material (rund 4500 Lkw-Fuhren) ausgetauscht werden müssten.

Alle drei Referenten machten in der Stadthalle denjenigen wenig Hoffnung auf Erfolg, die sich für eine Komplettsanierung einsetzen. Es war eher ein Plädoyer für die Versiegelung.

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