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Schlechter Handy-Empfang führt vor Kadi
Noch schnell per App eine Fahrkarte lösen und dann in die Stadtbahn. Wenn das nicht klappt, zum Beispiel weil man kein Netz hat, drohen 60 Euro Bußgeld. Foto: Fuge (KIT)/av
08.03.2018 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Murgtal/Karlsruhe - Nutzer von Online-Tickets für den öffentlichen Personennahverkehr müssen aufpassen: Wer sein Ticket nicht vor der Abfahrt erworben hat, wird zum Schwarzfahrer erklärt - obwohl diese Regel kaum bekannt ist. Das stellten der Gernsbacher Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch und Oberamtsanwalt Helmut Schäfer fest, als ein 41-jähriger Forbacher wegen des Erschleichens von Leistungen vor dem Kadi stand.

Hintergrund

Der mehrfach vorbestrafte und unter Bewährung stehende Angeklagte wollte am Nachmittag des 16. Februar 2017 mit der S 8 von Hilpertsau nach Forbach fahren. Über Moovel - einer App, die bequemen Ticketkauf verspricht - versuchte er, kurz vor der Einfahrt der Bahn eine Fahrkarte für 1,90 Euro zu lösen. Dies sei aufgrund schlechten Empfangs aber fehlgeschlagen. Kaum in der Bahn, folgte die Kontrolle. Alle Versuche, das Missgeschick zu erklären, seien auf taube Ohren gestoßen; auch das Angebot, ein Ticket in der Bahn am Automaten zu ziehen.

"Schlechtes Netz ist keine Ausrede", erklärt der Fahrkartenkontrolleur des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) im Zeugenstand: "Der Fahrgast muss die Fahrkarte vor Fahrtantritt haben - das gilt auch fürs Handy." Das bestätigt KVV-Pressesprecher Michael Krauth auf BT-Anfrage: "Es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen." Die sind in der Broschüre "Gemeinschaftstarif: Gemeinsame Beförderungsbedingungen, Tarifbestimmungen und Fahrpreise" nachzulesen.

Auf Seite 98 finden sich dort die "besonderen und ergänzenden Tarifbestimmungen für das Handy-Ticket" und der Hinweis, dass (anders als beim Ticketkauf am Automaten, der auch in der Bahn noch möglich ist) solche vor Betreten des Verkehrsmittels gekauft sein müssen.

"Die Prüfer sind angewiesen, diese Regelung so einzuhalten", betont Krauth. Allerdings gebe es innerhalb des KVV bislang selten Probleme mit Handy-Tickets: Zum einen werden sie in Mittelbaden offenbar noch nicht so fleißig genutzt, zum anderen geben die Online-Käufer selten Anlass zur Beanstandung, informiert der Pressesprecher nach Rücksprache mit der Leiterin der Fahrscheinprüfung. Zudem weist er darauf hin, dass die Kontrolleure es überprüften, wenn zum Beispiel ein Fahrgast behauptet, er habe kein Netz oder sein Akku sei alle.

Im Fall des 41-Jährigen, der sich am Dienstag vor dem Amtsgericht Gernsbach verantworten musste, ist das Vergehen eindeutig. "Der Fahrgast saß ja schon", erklärt der Kontrolleur, weshalb in diesem Fall 60 Euro fällig werden. Man müsse seitens der Verkehrsbetriebe natürlich verhindern, dass sich ein Fahrgast erst während der Kontrolle einen Fahrschein kauft. Wäre der verhinderte Online-Käufer direkt zum Kartenautomat im Zug gegangen, hätte er die Strafe natürlich nicht zahlen müssen, betont der Zeuge. Bei Online-Tickets wie auch E-Tickets hat der Kunde vor Ort das Problem, wenn die Technik oder die Dokumentation versagt.

Justiz legt andere Maßstäbe an

Eine gerichtliche Verurteilung wegen des Erschleichens von Leistungen legt aber andere Maßstäbe an. "Wo ist der Vorsatz? Er hätte gerne bezahlt, konnte aber nicht", stellt Oberamtsanwalt Schäfer fest. Der Verteidiger des Angeklagten, Mathias Albrecht, gibt ihm Recht: "Man kann ihm nicht widerlegen, es versucht zu haben."

Diese Einschätzung teilt Richter Ekkhart Koch und spricht den 41-Jährigen frei; die Kosten des Verfahrens werden der Staatskasse zur Last gelegt. Nicht zuletzt deshalb kritisiert Helmut Schäfer als Vertreter der Staatsanwaltschaft Baden-Baden die Strafverfolgung des Mannes, die durch eine entsprechende Meldung des KVV ausgelöst worden sei. Für die Justiz sind solche Fälle schwierig, weil es kaum möglich sei, den Vorsatz des Schwarzfahrens nachzuweisen, wenn es aus technischen Gründen (zum Beispiel kein Netz) nicht möglich war, eine Online-Fahrkarte via Smartphone-App zu kaufen.

www.kvv.de

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