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Kritik an Rodung der Murginseln
Blick auf eine der Murginseln. Imker Wando Brünner hält der Stadt vor, sich nicht an dieeigenen Auflagen zu halten. Im Rathaus sieht man das anders. Foto: Lauser
13.03.2018 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau -Es ist nicht das erste Mal, dass sich Wando Brünner an Medien und Kommunalpolitik wendet. Auch in diesem Frühjahr sorgt sich der Imker um die Artenvielfalt und kritisiert die jüngsten Rodungsarbeiten auf den beiden Murginseln. Die Stadtverwaltung weist die Vorhaltungen zurück.

"Und das Roden geht munter weiter", schreibt Brünner in einem "offenen Brief" und nimmt insbesondere die jüngsten Rodungen auf der Murginsel - bei der "Bananenbrücke" - ins Visier: "Eine Insel der Biodiversität, die keine Kosten für das Gemeinwesen verursacht, aber der Artenvielfalt maximal dient, wurde durch die Rodung einfach kaputtgemacht!", argumentiert der Gaggenauer. Dabei sei die Stadt erst 2016 dem Bündnis "Kommunen für biologische Vielfalt" beigetreten. "Als ansässiger Imker und Naturschützer sind hier für mich aber keine einschneidenden Veränderungen bei den Verantwortlichen, weder in den Haltungen zum Naturschutz, noch zum bisherigen Handeln, erkennbar geworden."

Die vom Wasser umschlossenen Inseln seien Rückzugs- und Schutzort "für alles, was schwimmen oder fliegen kann" und einmalig im weiten Umfeld der Stadt: "Ein Refugium, das sicher war vor Raubtieren, Nesträubern und auch besonders vor Übergriffen des Menschen. Ein Stück Natur, das wirklich nur den Insekten, Vögeln, Fledermäusen und vielleicht manchem Reptil wie Ringelnatter oder Europäischer Sumpfschildkröte, Erdkröte, Bisam oder Wasserspitzmaus vorbehalten war."

Weder "Verkehrssicherungspflicht" könne in diesem Fall geltend gemacht werden, noch Hochwasserschutz: Denn die Inseln würden den Wasserabfluss nicht behindern, sondern höchstens dem Wasser "die Wucht nehmen". Und gerade dies sei im Sinne des Hochwasserschutzes zielführend.

Nicht zuletzt seien alte Bäume gerade für Insekten in Kombination mit Sträuchern und jungen Gehölzen viel wertvoller als junge Bäume. Brünner verweist auf eine Publikation des Landratsamts, die ein abschnittsweises Vorgehen bei Rodungen empfehle. Schließlich seien die Murginseln in der ökologischen Wertigkeit einer Feldhecke mindestens ebenbürtig.

Die Stadtverwaltung hingegen argumentiert, "die periodische Fällung von Bäumen auf den Murginseln erfolgt aus Gründen des Hochwasserschutzes". Zuletzt sei dies 2012 erfolgt. Die jüngste Maßnahme sei schon für 2016 vorgesehen gewesen, konnte aber auch 2017 aus Kapazitätsgründen nicht mehr umgesetzt werden.

"In enger Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde" wurden auf der unteren Murginsel rund zwei Drittel des Gehölzbestands entfernt, um Rückzugsräume für die Lebewesen zu behalten, die sich auf der Insel angesiedelt haben. Auf der oberen Insel wurden nur standortfremde Schwarzpappeln herausgenommen.

"Leider liegt eine der Schwachstellen an der Murg in Fließrichtung links im Bereich der Murginseln. Dies lässt sich auch in den im Internet veröffentlichten Hochwassergefahrenkarten recht gut feststellen. Daher ist es unbedingt notwendig, dafür zu sorgen, dass die Murginseln nicht größer werden", erläutert das Rathaus. Deshalb sei die Durchforstung im Abstand mehrerer Jahre erforderlich und in diesem Zusammenhang auch ein moderates Ausbaggern der Murg. Denn: "Die Inseln stellen mit einem dichten Bewuchs ein Abflusshindernis dar und sorgen nicht nur dafür, dass die Durchflussfläche reduziert wird, sondern auch für starke Verwirbelungen. Damit wird das Wasser weiter gebremst. Mit geringerer Geschwindigkeit braucht die gleiche Wassermenge dann aber ein größeres Abflussvolumen, das heißt, der Wasserstand wird höher und somit die Gefahr der Überflutung an dieser Engstelle höher."

Darüber hinaus seien die Arbeiten abschnittsweise erfolgt - durch Stehenlassen von Teilbeständen: "Die hier wachsenden standortgerechten Auearten wie Erle und Weide treiben aus den Stockresten schnell wieder aus." Die Stadt abschließend: "Im Übrigen sei darauf hingewiesen, dass die jetzt entstandenen offenen Flächen für begrenzte Zeit auch wiederum anderen Tierarten einen weitgehend ungestörten Lebensraum bieten. Auch diese dienen der Vielfalt der Lebensräume."

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