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"Aue mit den gackernden Vögeln"
19.03.2018 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Geht es nach Professor Kurt Andermann, dann ist die Herkunft des einzigartigen Ortsnamens Gaggenau geklärt: "Gaggenau ist, davon bin ich fest überzeugt, die Aue mit den gackernden Vögeln, die Gackeno v we", sagte der Historiker beim Festakt am Samstagabend in der Jahnhalle, Anlass der Feier war die urkundliche Ersterwähnung der Siedlung an der Murg vor 775 Jahren.

Rund 200 Gäste waren in die Jahnhalle gekommen. In seiner Ansprache richtete Oberbürgermeister Christof Florus den Blick auf den Stadtchronisten Willi Echle und dessen "Standardwerk über Gaggenau" aus den 60er Jahren. "Durch die Tatkraft einer Reihe bedeutender Industriepioniere und Handelsleute, durch ihre vielen tausend Helfer und Mitarbeiter ist aus einem unbedeutenden Dorf innerhalb von drei Generationen eine Stadt geworden, deren Arbeitsproduktion heute Weltrang besitzt", hatte Echle einst geschrieben, "so musste (mit Blick auf Gaggenau) besonders auch eine Geschichte der Arbeit geschrieben werden". Dies habe auch heute Gültigkeit, betonte der OB: "Besser ist die Geschichte unserer Stadt kaum auf einen Punkt zu bringen."

Florus spannte den Bogen vor der urkundlichen Ersterwähnung - mit Ottenau, Selbach und Sulzbach - in die Neuzeit der Großen Kreisstadt mit rund 30000 Einwohnern und neun Stadtteilen. Die Stadt könne sich sehen lassen, aber "ich brauche nicht extra zu betonen, dass dazu nach wie vor intensive Arbeit erforderlich ist - ob jetzt im wirtschaftlichen oder politischen Sektor." Dies passe zu der industriellen Geschichte seit der Frühneuzeit: "Gaggenaus ,Adel' bildet nach wie vor die kreative und hochwertige Arbeit, die hier tagaus, tagein geleistet wird."

Der Herd mit dem eigentümlichen Wort

Mehrere Ensembles der Musikschule gestalteten den musikalischen Rahmen in einer Reihe von Beiträgen. Moderiert von Musikschulleiter Oliver Grote reichte das Programm von Flötenmusik aus dem Jahr 1243 bis in das 20. Jahrhundert mit Songs von Michael Jackson. Viel Beifall gab es zum Schluss auch für die "Fuge aus der Geographie für sprechenden Chor" nach Ernst Toch. Der aus Österreich stammende Komponist emigrierte nach 1933 in die USA. In dem erhaltenen Rest des Werks skandiert ein Chor geographische Namen. In der Jahnhalle gipfelte die Darbietung in den Worten "Gaggenau".

Kurzweilig verknüpfte Festredner Kurt Andermann seine persönlichen Erinnerungen an Gaggenau mit historischen Fakten. Der Herd in der Küche seines Elternhauses "mit dem eigentümlichen Wort Gaggenau" war seine persönliche Gaggenauer "Ersterwähnung".

Zwar sei die Quelle aus dem 18. Jahrhundert, auf die sich die offizielle Ersterwähnung bezieht, lediglich eine fehlerhafte Abschrift eines verlorenen Originals aus der Mitte des 13. Jahrhunderts - aber an der Richtigkeit des Inhalts bestehe kein Zweifel: die Abspaltung der Pfarrei Gernsbach von Rotenfels mit Nennung der dort verbleibenden Orte.

"Nicht Geburtstag, sondern Namenstag" feiere man, betonte Andermann. Schließlich habe Gaggenau schon als Siedlung bestanden, als es erwähnt wurde. Die genaue Datierung der Erstbesiedlung ist ungewiss: frühestens zur Zeit der salischen Kaiser (11. oder frühes 12. Jahrhundert), allerspätestens zur Zeit der Staufer (13. Jahrhundert). Die Erschließung des Murgtals aus dem Altsiedelland der Rheinebene heraus dürfte um die Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert begonnen haben, also zur Zeit der Karolinger.

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